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Problemfall Erektionsstörungen
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Problemfall Erektionsstörungen US-Experten sehen neues Potenzial für bessere Durchblutung

ms - 10.06.2026 - 14:30 Uhr
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Für Millionen Männer gehören Erektionsstörungen zu den häufigsten sexuellen Gesundheitsproblemen. In Deutschland sind schätzungsweise bis zu fünf Millionen Männer von erektiler Dysfunktion betroffen – in den USA sind es bis zu 50 Millionen Männer. Während Medikamente wie Viagra oder Cialis seit Jahren zu den bekanntesten Behandlungsmöglichkeiten zählen, suchen viele Betroffene nach Alternativen, die ohne Medikamente, Injektionen oder operative Eingriffe auskommen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Schätzungsweise bis zu fünf Millionen Männer sind in Deutschland von Erektionsstörungen betroffen.
  • Die sogenannte Low Intensity Shockwave Therapy (LiSWT) soll die Durchblutung im Penis verbessern.
  • Die Behandlung erfolgt ohne Operation, Spritzen oder Narkose.
  • Studien deuten auf positive Effekte insbesondere bei durchblutungsbedingten Erektionsstörungen hin.
  • Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die Methode bislang nicht speziell zur Behandlung von Erektionsstörungen zugelassen.
  • Experten berichten von wenigen bis keinen Nebenwirkungen und kurzen Behandlungszeiten.

Schockwellentherapie als Hilfe 

Eine dieser Methoden ist die sogenannte Low Intensity Shockwave Therapy (LiSWT), auf Deutsch Niedrigintensitäts-Schockwellentherapie. Dabei werden gezielte akustische Wellen eingesetzt, um die Durchblutung im Penis zu verbessern und die Bildung neuer Blutgefäße anzuregen. Ursprünglich wurde die Technologie zur Unterstützung der Knochenheilung und zur Behandlung chronischer Wunden entwickelt. Inzwischen wird sie zunehmend auch zur Behandlung von Erektionsstörungen eingesetzt.

Bei der Therapie führt medizinisches Fachpersonal ein stabförmiges Gerät über verschiedene Bereiche des Penis. Dieses sendet hochenergetische Schallwellen aus, die das Gewebe stimulieren sollen. Eine Behandlung dauert in der Regel etwa 15 Minuten. Eine Betäubung ist nicht erforderlich. Chris Bustamante, Geschäftsführer der US-Männerklinik Lushful Aesthetics, erklärt dazu. „Es handelt sich um eine nicht-invasive, medikamentenfreie Behandlung, die darauf ausgelegt ist, Erektionsstörungen und die allgemeine sexuelle Leistungsfähigkeit zu verbessern, ohne dass Tabletten oder chirurgische Eingriffe erforderlich sind.“ Seinen Angaben zufolge werden die Behandlungen individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. „Die fokussierte Schockwellentherapie fördert die Bildung neuer Kapillaren, wodurch Gewebe regeneriert wird. Gleichzeitig werden ältere Verkalkungen aufgelöst, die durch Alterungsprozesse, körperliche Schäden oder den Lebensstil entstehen können.“

Auch die Sexualgesundheits-Physiotherapeutin und Sexualpädagogin Eve Hall sieht Vorteile in der Methode. Durch wiederholte Behandlungen könne die Bildung neuer Kapillaren angeregt werden. „Kapillaren sind die winzigen Blutgefäße, die jede einzelne Zelle im Körper versorgen. Mehr Blutfluss bedeutet deshalb auch festere Erektionen“, sagte Hall.

Wissenschaftliche Bewertung 

Die wissenschaftliche Bewertung der Methode fällt bislang vorsichtig positiv aus. Zwar hat die US-Arzneimittelbehörde FDA die Schockwellentherapie bislang nicht ausdrücklich zur Behandlung von Erektionsstörungen zugelassen, verschiedene aktuelle Studien deuten jedoch auf eine Wirksamkeit hin. Eine Übersichtsstudie kam zu dem Ergebnis, dass die Therapie insbesondere bei mittelschweren bis schweren Erektionsstörungen positive Effekte zeigen kann. Dies gelte auch für Patienten, bei denen orale Medikamente zuvor keine ausreichende Wirkung erzielt hatten.

Besonders vielversprechend erscheint die Methode bei sogenannten vaskulären Erektionsstörungen. Dabei verhindern Durchblutungsprobleme, dass der Penis ausreichend mit Blut gefüllt wird oder das Blut während einer Erektion halten kann. Diese Form gilt als häufigste Ursache für Erektionsprobleme. Die Sexual Medicine Society of North America stuft die Behandlung weiterhin als „experimentell in den USA“ ein. Gleichzeitig verweist die Fachgesellschaft auf Forschungsergebnisse, wonach zusätzliche Behandlungszyklen die positiven Effekte verlängern könnten. Auch in Europa wird derzeit an Studien in diesem Bereich gearbeitet, wie der Verband European Urology bestätigt. 

Einschätzung von Fachleuten 

Ob die Therapie tatsächlich hilft, hängt nach Einschätzung von Fachleuten stark von den individuellen Ursachen der Beschwerden ab. Der zertifizierte US-Sexualwissenschaftler und Sexualpädagoge Paul Aaron Travis informierte sich zunächst intensiv über die wissenschaftliche Datenlage, bevor er die Behandlung selbst ausprobierte. „Mein praktisches Fazit ist, dass die Therapie vielversprechend für Männer erscheint, deren Erektionsprobleme hauptsächlich auf Durchblutungsstörungen zurückzuführen sind und die noch über eine gewisse natürliche Erektionsfähigkeit verfügen. Weniger wahrscheinlich ist dagegen, dass sie ein Wundermittel bei schweren Erektionsstörungen darstellt, die durch mehrere medizinische Faktoren verursacht werden.“

Zugleich warnte er davor, Erektionsprobleme isoliert zu betrachten. „Erektionsstörungen können ein frühes Warnsignal für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Stoffwechselstörungen, Schlafapnoe, chronischen Stress, Depressionen, Beziehungsprobleme oder Lebensstilfaktoren sein“, erklärte Travis. Selbst wenn die Schockwellentherapie wirksam sei, würden Patienten häufig die besten Ergebnisse erzielen, wenn sie zusätzlich auf Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stressbewältigung, Hormonhaushalt und die Qualität ihrer Beziehungen achten.

Nach Angaben von Hall profitieren viele Patienten von einer verbesserten sexuellen Funktion. „Wenn die Durchblutung zunimmt, steigt auch die sexuelle Erregung, und die Genitalien können so genutzt werden, wie sie vorgesehen sind“, sagte sie. „Der Penis funktioniert optimal, wenn er für den Geschlechtsverkehr vollständig mit Blut gefüllt werden kann.“ Auch Travis zeigte sich mit seinen persönlichen Erfahrungen zufrieden. „Ich habe vor allem gleichmäßigere und festere Erektionen festgestellt“, berichtete er. „Für andere könnte der größere Vorteil jedoch ein gestärktes Selbstvertrauen sein.“ Viele Männer beschrieben einen Kreislauf aus Angst, Erwartungsdruck und ständiger Selbstbeobachtung. Eine zuverlässigere Erektionsfähigkeit könne Leistungsdruck reduzieren, mehr Spontaneität ermöglichen und den Fokus wieder stärker auf Lust und zwischenmenschliche Nähe lenken.

Keine Nebenwirkungen 

Als besonderer Vorteil gilt die geringe Belastung für die Patienten. Im Gegensatz zu vielen Medikamenten oder Injektionen seien bislang keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt geworden. „Es gibt keine negativen Nebenwirkungen, die mit der Schockwellentherapie verbunden sind“, sagte Bustamante. „Jede Sitzung ist kurz, angenehm und erfordert keine Erholungszeit.“

Einige Patienten berichteten während der Behandlung von einem vibrierenden Gefühl, insbesondere im Bereich der Penisspitze. Insgesamt werde die Therapie jedoch als weitgehend schmerzfrei empfunden. Hall betonte zudem, dass keine Ausfallzeiten erforderlich seien. „Es gibt keinerlei Nebenwirkungen oder Erholungsphase“, sagte sie. „Man kann noch am selben Tag Sex haben.“ Zu den positiven Effekten gehörten häufig spontanere Erektionen sowie eine Zunahme nächtlicher und morgendlicher Erektionen bereits in den ersten Tagen nach der Behandlung.

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