Akzeptanz nimmt weiter ab Deutschland liegt weit hinten im internationalen Vergleich
Die gesellschaftliche Akzeptanz von queeren und homosexuellen Menschen ist einer internationalen Untersuchung zufolge erneut rückläufig. Das geht aus dem aktuellen „Ipsos LGBT+ Pride Report 2026“ hervor, den das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Ipsos anlässlich des Pride Monats veröffentlicht hat. Studien der letzten Jahren sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen, die Akzeptanz sinkt immer weiter ab. Erst letzte Woche kam auch das renommierte Gallup-Institut zum gleichen Ergebnis.
Das Wichtigste im Überblick
- Internationale IPSOS-Umfrage registriert rtnruz rückläufige Zustimmung für LGBTIQ+-Menschen.
- Weltweit befürworten nur noch 49 Prozent ein offenes Leben von LGBTIQ+-Personen.
- Unterstützung für die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare sinkt ebenfalls.
- Auch in Deutschland gehen mehrere Zustimmungswerte gegenüber den Vorjahren zurück.
- Deutschland liegt bei der Akzeptanz offener queerer Lebensweisen nur im hinteren Drittel des internationalen Vergleichs.
Zustimmung sinkt weltweit
Demnach sind weltweit nur noch 49 Prozent der Befragten der Ansicht, queere Menschen sollten offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen können. Im Vergleich zum Jahr 2021 entspricht dies einem Rückgang um sechs Prozentpunkte. Auch die Unterstützung für die Ehe oder rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare hat abgenommen. Weltweit sprechen sich laut Studie noch 66 Prozent dafür aus. Vor fünf Jahren lag dieser Wert noch acht Prozentpunkte höher.
Für die Untersuchung befragte Ipsos zwischen dem 24. April und dem 8. Mai rund 19.000 Menschen in 26 Ländern. In Deutschland nahmen 1.000 Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren an der Erhebung teil. Nach Angaben von Ipsos ist in 16 der 26 untersuchten Länder die Internetdurchdringung so hoch, dass die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der jeweiligen Altersgruppen gelten können. Die höchsten Zustimmungswerte für queere Menschen wurden der Studie zufolge in Spanien und Thailand ermittelt.
Rückgänge auch in Deutschland
Auch in Deutschland zeigt die Untersuchung sinkende Zustimmungswerte in mehreren Bereichen. So befürworten zwar weiterhin 74 Prozent der Befragten den Schutz von Lesben, Schwulen und Bisexuellen vor Benachteiligungen am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und beim Zugang zu Dienstleistungen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies jedoch einem Minus von vier Prozentpunkten. Die Unterstützung für Gesetze, die Diskriminierung verbieten, liegt laut Studie bei 45 Prozent. Auch dieser Wert sank innerhalb eines Jahres um vier Prozentpunkte.
Leicht rückläufig ist zudem die Zustimmung zur Ehe für alle. Sie ging um einen Prozentpunkt auf 70 Prozent zurück. Weniger als die Hälfte der Befragten in Deutschland hält es nach den Ergebnissen für richtig, dass queere Menschen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität offen leben. Dies bejahen 44 Prozent der Befragten. Gegenüber 2025 entspricht dies einem Rückgang um zwei Prozentpunkte. Öffentliche Zuneigungsbekundungen queerer Menschen unterstützen nur noch 41 Prozent der Deutschen – ein Rückgang um drei Prozentpunkte gegenüber 2025. Eine stärkere Repräsentation der LGBTIQ+-Community in Film, Fernsehen und Werbung befürworten gerade noch 30 Prozent, fast ebenso viele (27%) lehnen sie indes strikt ab.
Noch deutlicher sieht die Lage im Sport aus: Der Rückhalt für offen lebende lesbische, schwule oder bisexuelle Athletinnen und Athleten in Sportmannschaften liegt aktuell nur noch bei 45 Prozent – fünf Prozentpunkte weniger als bei der letzten Erhebung vor einem Jahr. Und auch im Unternehmenskontext kühlt die Zustimmung weiter ab: Lediglich 40 Prozent der Deutschen finden es gut, wenn sich Unternehmen oder Marken aktiv für die Gleichberechtigung queerer Menschen einsetzen, was ebenfalls einem Rückgang von drei Prozentpunkten entspricht. Im internationalen Vergleich landet Deutschland damit laut Ipsos im hinteren Drittel. Der Wert liegt hinter Irland mit 59 Prozent sowie hinter den USA und Polen, die auf 49 beziehungsweise 45 Prozent kommen. Der internationale Durchschnitt beträgt ebenfalls 49 Prozent.
„In Deutschland herrscht zwar breiter Konsens darüber, dass sexuelle Minderheiten vor Diskriminierung geschützt werden müssen, doch die Zustimmung zu gleichen Rechten und Repräsentation sinkt – je nach Aussage um 1 bis 10 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland folgt damit mit etwas Verzögerung einem globalen Trend, der sich zuletzt besonders deutlich in den USA, aber auch in zahlreichen anderen westlichen Ländern manifestiert hat", betont Rouven Freudenthal, Pressesprecher und DEI Ambassador von Ipsos in Hamburg.