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Skandal in Italien

Missbrauchs-Skandal in Italien Lehrer an Militärschule soll Jungs sexuell missbraucht haben

ms - 08.06.2026 - 11:00 Uhr
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Ein Lehrer für Italienisch und Latein an der Militärschule Teulié in Mailand ist wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe auf Schüler unter Hausarrest gestellt worden. Gegen den 48-jährigen Mailänder M.R. wird wegen sexueller Gewalt, Nötigung und Misshandlungen gegenüber mindestens sieben Schülern der Einrichtung ermittelt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein 48-jähriger Lehrer der Militärschule Teulié in Mailand wurde unter Hausarrest gestellt.
  • Die Ermittler werfen ihm sexuelle Gewalt, Nötigung und Misshandlungen gegenüber mindestens sieben Schülern vor.
  • Die Opfer sollen gezielt unter schulisch schwächeren und besonders verletzlichen Jugendlichen ausgewählt worden sein.
  • Laut Ermittlern nutzte der Lehrer Notendruck, Geldzahlungen und psychologische Manipulationen, um die Schüler zu beeinflussen.
  • Die Staatsanwaltschaft prüft weitere mögliche Opfer sowie mögliche Versäumnisse innerhalb der Schule.

Schwächere Jugendliche im Fokus

Der vom Ermittlungsrichter Elio Sparacino unterzeichnete Beschluss beschreibt ein System aus Einschüchterung, psychischem Druck und sexuellen Übergriffen, das sich nach Auffassung der Ermittler seit Oktober 2024 entwickelt haben soll. Betroffen seien männliche Schüler des Militärgymnasiums gewesen, darunter teilweise Minderjährige. Die Opfer seien gezielt aufgrund ihrer schulischen Schwierigkeiten ausgewählt worden. Die Ermittlungen werden von den Staatsanwältinnen Letizia Mannella und Alessia Menegazzo geführt. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Mailand. 

Ausgangspunkt der Ermittlungen waren die Aussagen eines Schülers im März 2026 gegenüber seinen militärischen Vorgesetzten. Diese hätten den Jugendlichen zunächst gebeten, die Vorfälle fotografisch zu dokumentieren. Anschließend hatten sie den Jungen aber nicht mehr vorgeladen – Bewegung in die Sache kam laut Ermittlungsrichter Sparacino erst wieder, als der Schüler sich direkt an die Staatsanwaltschaft Mailand gewandt hatte, daraufhin kam es zu offiziellen Ermittlungen.

Lehrer an traditionsreicher Einrichtung

M.R. ist kein Soldat, sondern ziviler Lehrer an der Militärschule Teulié, einer traditionsreichen Ausbildungsstätte der italienischen Armee in Mailand. Die Schule wurde 1802 in der napoleonischen Zeit gegründet. Die Einrichtung umfasst ein humanistisches und naturwissenschaftliches Gymnasium. Die Schülerinnen und Schüler leben im Internat, folgen einem streng geregelten Tagesablauf und absolvieren eine militärische Grundausbildung.

Eine Nichtversetzung bedeutet dort nicht nur die Wiederholung eines Schuljahres, sondern häufig auch das Ende der Hoffnung auf eine spätere Laufbahn bei den Streitkräften. Nach Angaben der Zeitung Il Giorno kandidierte M.R. im Jahr 2022 für die Abgeordnetenkammer auf der Liste der Partei Impegno Civico des ehemaligen Außenministers Luigi Di Maio, wurde jedoch nicht gewählt. Neben seiner Tätigkeit an der Militärschule soll er auch einen Kurs für kreatives Schreiben an der Universität Mailand geleitet haben.

Opfer gezielt ausgewählt

Nach Erkenntnissen der Ermittler handelte M.R. gezielt. Seine Aufmerksamkeit habe sich auf Schüler gerichtet, die als besonders verletzlich galten oder schulische Probleme hatten. Unter den bislang bekannten Opfern befinden sich mindestens sieben Schüler. Die Ermittler gehen davon aus, dass weitere Fälle hinzukommen könnten. Einer der Betroffenen verließ die Schule während der mutmaßlichen Übergriffe.

Nach Angaben der Ermittler ähnelten sich die Vorgehensweisen. Demnach kam es zu körperlichen Annäherungen in Klassenräumen und auf Fluren, zu Forderungen nach intimen Fotos und Videos sowie zu psychischem Druck. Dabei seien schulische Unterstützung in Aussicht gestellt und zugleich Nachteile bei Prüfungen angedeutet worden. Die Kommunikation begann nach Angaben der Ermittler häufig über WhatsApp und wurde anschließend auf Telegram verlagert. Dort habe der Lehrer Pseudonyme genutzt und die automatische Löschung von Nachrichten nach 24 Stunden aktiviert. Einige Schüler hätten jedoch Screenshots gesichert.

Druck wegen Abschlussprüfung

Besonders schwer wiegt nach Auffassung der Ermittler die Rolle von M.R. als Mitglied der Kommission für die anstehenden Abschlussprüfungen. Laut Il Giorno soll er Schülern gesagt haben: „Wenn du nicht zu mir nach Hause kommst und die Sache konkret werden lässt, musst du die Abschlussprüfung allein mit deinen eigenen Kräften bestehen.“ Außerdem schrieb er demnach: „Ein wenig Dankbarkeit könntest du gelegentlich auch konkret zeigen, denn ich erinnere dich daran, dass die Abschlussprüfung noch bevorsteht.“ Ein Schüler erklärte laut Vernehmungsprotokoll: „Ich bin in der Schule nicht besonders gut, deshalb könnte ich Gefahr laufen, sitzenzubleiben.“

Chats, Noten und Geldgeschenke

Über Telegram habe der Lehrer Schüler regelmäßig gefragt: „Schickst du mir ein kleines Foto?“ Den Ermittlungen zufolge soll er im Gegenzug Noten verbessert haben. Ein Schüler legte den Ermittlern einen Chatverlauf vor, den er selbst als „widerlich“ bezeichnete. Darin schrieb M.R. an einen Schüler: „Ich habe die Italienischarbeit korrigiert. Sie ist eine 8 wert, aber wenn du mir intime Details über (…) erzählst, wird daraus eine 8,5.“ Nach Aussagen von Schülern seien entsprechende Chats innerhalb der Schule allgemein bekannt gewesen.

Darüber hinaus soll der Lehrer Geldbeträge zwischen 100 und 300 Euro an Schüler gezahlt haben – teils per Überweisung, teils in bar oder über Amazon-Gutscheine. Die Zuwendungen seien als Geschenke dargestellt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass auf diese Zahlungen regelmäßig Angebote für sexuelle Kontakte gegen Bezahlung folgten. Gegenüber einem Schüler, dem insgesamt 523 Euro überwiesen worden sein sollen, habe M.R. später verlangt, gegenüber den Ermittlern von einem Darlehen zu sprechen. Demnach habe er erklärt: „Sag, dass ich dir das Geld in einer Situation gegeben habe, in der du es gebraucht hast, und dass du es mir zurückgezahlt hättest, sobald du in die Akademie aufgenommen worden wärst.“

Neben den mutmaßlichen körperlichen Übergriffen dokumentiert der Haftbeschluss laut Ermittlern auch psychologische Manipulationen. So soll M.R. einzelnen Schülern eingeredet haben, sie seien vom „bösen Blick“ betroffen. Gleichzeitig habe er seine Annäherungsversuche als „kleine Vorschläge“ bezeichnet. Ein Schüler erklärte, während eines Übergriffs „wie versteinert“ gewesen zu sein.

Verdacht auf Beweismanipulation

Ende April 2026 soll M.R. erfahren haben, dass gegen ihn ermittelt wird. Nach Angaben des Ermittlungsrichters geschah dies durch „nicht näher bezeichnete Informanten“. Daraufhin habe er versucht, Beweise zu beseitigen. Nach einem Bericht von Il Giorno sprach er einen Schüler vor einer Kaserne an, bot ihm einen Lutscher an und schlug vor, dessen Mobiltelefon gegen 400 bis 500 Euro zu zerstören. Gleichzeitig habe er erklärt, sein eigenes Gerät bereits gewechselt und sämtliche Daten gelöscht zu haben. Ein anderer Schüler sollte den Ermittlern erklären, die Nachrichten hätten sich lediglich auf Essen bezogen. Einem dritten Schüler gegenüber habe M.R. geäußert, er wisse, dass ihm eine Gefängnisstrafe drohe.

Schweigekultur an Militärschule

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt inzwischen die Frage, ob die Vorwürfe innerhalb der Schule bereits länger bekannt waren. Nach Aussagen, die die Staatsanwältinnen Mannella und Menegazzo letzte Woche von nahezu dem gesamten Lehrerkollegium aufnahmen, entstand bei den Ermittlern der Eindruck, dass „alle Bescheid wussten“. Schülerinnen hätten sich bereits zuvor beim Schulleiter über die Bevorzugung männlicher Schüler beschwert. Demnach sollen diese bei Prüfungen bevorzugt und mit Hinweisen auf richtige Antworten unterstützt worden sein. Die Ermittler prüfen nun mögliche Fälle unterlassener Meldungen sowie die Identität der Person, die M.R. über die Ermittlungen informiert haben könnte.

Hausarrest statt Gefängnis

Die Staatsanwältinnen hatten ursprünglich Untersuchungshaft beantragt, da sie von einer konkreten Gefahr der Beweismanipulation ausgingen. Richter Sparacino entschied sich jedoch für Hausarrest. Als Gründe nannte er das Fehlen von Vorstrafen sowie den Umstand, dass die vorgeworfenen Taten auf das schulische Umfeld beschränkt gewesen seien. Zusätzlich wurde ein umfassendes Kommunikationsverbot verhängt. Kontakte sind lediglich zu Familienangehörigen erlaubt. Die Anhörung des Beschuldigten ist für heute angesetzt. 

Bislang ist M.R. die einzige Person, gegen die offiziell ermittelt wird. Die Behörden werten jedoch weiterhin Daten aus beschlagnahmten Mobiltelefonen aus und befragen Schüler, Lehrkräfte sowie weiteres Schulpersonal. Nach Einschätzung der Ermittler könnte die Zahl der Opfer noch deutlich steigen. Zudem wird geprüft, ob weitere Personen durch Handlungen oder Unterlassungen dazu beigetragen haben könnten, dass die mutmaßlichen Übergriffe über einen längeren Zeitraum fortgesetzt wurden. Das italienische Heer distanzierte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe in einer offiziellen Stellungnahme von dem Lehrer. Darin heißt es: „In Bezug auf die von einigen Medien verbreiteten Berichte über einen zivilen Lehrer im Dienst der Militärschule Teulié, gegen den Hausarrest verhängt wurde,“ die Institution sichere „ihre Unterstützung und volle Zusammenarbeit mit der Justiz“ zu und „verurteilt jede Form von Missbrauch, Schikane oder Verhalten, das den eigenen Werten und dem institutionellen Auftrag widerspricht und mit ihnen unvereinbar ist, auf das Schärfste“.

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