CSDs Dresden und Düsseldorf Beide Pride-Paraden blieben trotz Anfeindungen vorab friedlich
Trotz eines monatelangen Streits um die rechtliche Einordnung der Veranstaltung haben Zehntausende Menschen beim Christopher Street Day (CSD) in Dresden am vergangenen Wochenende ein deutliches Zeichen für Vielfalt, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gesetzt. Auch in Düsseldorf gingen tausende Besucher für Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz auf die Straße.
Das Wichtigste im Überblick
- Zehntausende Menschen nahmen an CSDs in Dresden und Düsseldorf teil.
- Dem Straßenfest in Dresden war ein juristischer Streit mit dem Freistaat Sachsen vorausgegangen.
- Politiker, Prominente und Besucher betonten die politische Bedeutung des CSD.
- Beide Demonstrationen verliefen laut Polizei ohne größere Zwischenfälle.
- Zahlreiche Teilnehmer setzten mit Plakaten und Kostümen politische Zeichen.
- Das CSD-Wochenende war in beiden Städten von einem mehrtägigen Straßenfest begleitet.
Bedeutung des CSD in Dresden
Tausende Menschen haben beim Christopher Street Day (CSD) in Dresden für Vielfalt, Akzeptanz und gleiche Rechte demonstriert und gefeiert. Die Veranstaltung stand jedoch unter besonderen Vorzeichen: Erst nach einem langwierigen Rechtsstreit mit dem Freistaat Sachsen konnte das dreitägige Straßenfest in seiner geplanten Form stattfinden. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand die Frage, ob das Straßenfest als politische Versammlung einzustufen ist. Nach Auffassung des Landes handelte es sich dabei überwiegend um eine öffentliche Feier mit kulturellen Elementen und Unterhaltungscharakter. Lediglich der Demonstrationszug sollte demnach als politische Versammlung gelten. Die Organisatoren gingen gegen die Entscheidung zunächst vor dem Verwaltungsgericht Dresden vor, blieben dort jedoch erfolglos. Anschließend meldeten sie für jeden Veranstaltungstag eigene Demonstrationszüge an und bekamen schließlich vor dem Oberverwaltungsgericht Recht.
Für die Veranstalter steht außer Frage, dass der Christopher Street Day weit mehr ist als eine Feier. Ronald Zenker vom CSD erklärte: „Pride beginnt mit Protest, mit Sichtbarkeit und mit dem Einsatz für gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe.“ Gerade in Zeiten zunehmender Anfeindungen sei ein Ort für eine offene Gesellschaft besonders wichtig. Auch viele Besucherinnen und Besucher unterstrichen die gesellschaftliche Bedeutung der Veranstaltung. Marion (73) sagte gegenüber der BILD-Zeitung: „Mein Lieblingsneffe ist schwul. Für mich ist das ganz normal und ich war schon immer tolerant. In meinem Umfeld ist das aber längst nicht jeder.“
Prominente Unterstützung an der Elbflorenz
Unter den zahlreichen Teilnehmern befanden sich erneut prominente Unterstützer. Auf einem Wagen von Axel Springer feierte unter anderem RTL-Schauspieler Lars Steinhöfel („Unter Uns“) mit. Er nahm bereits zum dritten Mal an der Veranstaltung teil und sagte: „Mich stört diese Diskussion, als müsste man sich zwischen Demo und Lebensfreude entscheiden. Sichtbarkeit war schon immer der größte Gegner von Intoleranz.“ Auch Entertainer Julian F.M. Stoeckel kritisierte das Vorgehen der Behörden im Vorfeld der Veranstaltung deutlich. Er bezeichnete die Entwicklung als einen „Schlag ins Gesicht“ und betonte: „Deshalb ist es ganz wichtig, weiter für queere Rechte, Sichtbarkeit und ein friedliches Miteinander zu kämpfen.“
Schauspielerin Yvonne Woelke reiste ebenfalls nach Dresden, um ihre Unterstützung für Toleranz und Gleichberechtigung auszudrücken. Sie sagte: „Wir sollten Menschen nicht so schnell verurteilen. Ob hetero, bi oder was auch immer – man sollte alle Menschen gleich behandeln.“ Steinhöfel und Woelke betonten dabei insbesondere die Bedeutung von Sichtbarkeit auch außerhalb der großen Metropolen. Vielfalt müsse nicht nur in Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln sichtbar sein, sondern ebenso in ländlicheren Regionen.
Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), stellte die politische Dimension des Christopher Street Day heraus. „Das sind definitiv politische Versammlungen. Deswegen ist es für mich ein Alarmsignal, wenn das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit hier infrage gestellt wird“, sagte sie. Positiv ist zu vermerken, dass die Pride-Parade selbst und der CSD trotz einer gestiegenen Zahl von Anfeindungen im Vorfeld selbst dann friedlich blieb.
Farbenfroh in Düsseldorf
Tausende Menschen haben auch beim Christopher Street Day (CSD) in Düsseldorf für eine vielfältige und offene Gesellschaft demonstriert. Unter dem Motto „Wir bleiben bunt und laut!“ zog ein farbenfroher Umzug durch die Landeshauptstadt und setzte ein sichtbares Zeichen für die Anliegen queerer Menschen. Die Teilnehmer präsentierten sich in unterschiedlichsten Outfits – von auffälligen Kostümen bis hin zu Alltagskleidung. Zahlreiche Transparente und Plakate machten deutlich, welche Botschaften die Demonstranten vermitteln wollten. Zu lesen waren unter anderem Slogans wie „Für mehr Liebe in der Welt“ sowie „CSD statt AFD“. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Demonstrant im Priestergewand, der mit dem Schriftzug „Kirche sollte bunter werden“ auftrat. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 6.000 Menschen an dem Demonstrationszug. Aus Sicht der Einsatzkräfte verlief die Veranstaltung friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.
Für Einschränkungen sorgte die Demonstration allerdings im Straßenverkehr. Entlang der Strecke und in weiten Teilen der Innenstadt kam es zeitweise zu erheblichen Staus. Nach Angaben der Polizei zeigten viele der betroffenen Autofahrerinnen und Autofahrer jedoch Verständnis für die Veranstaltung. Mit dem Demonstrationszug begann zugleich ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, das sich über mehrere Tage erstreckt. Zahlreiche Vereine und Initiativen gestalten ein Straßenfest mit Informationsangeboten, kulturellen Programmpunkten und Feierlichkeiten. Auch dort werden Tausende Besucherinnen und Besucher erwartet.