Wandel in Ungarn Zustimmung in der Bevölkerung zur Ehe für alle und Adoption
Eine Mehrheit der Ungarn würde nach einer aktuellen Umfrage Gesetze zurücknehmen, die in den vergangenen Jahren die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Menschen eingeschränkt haben. Das geht aus einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Medián hervor, die kurz nach den jüngsten Wahlen durchgeführt wurde.
Das Wichtigste im Überblick
- 57 Prozent der Ungarn wollen Einschränkungen der Rechte von LGBTIQ+-Menschen zurücknehmen.
- Betroffen wären unter anderem das sogenannte „Kinderschutzgesetz“, das Verbot der rechtlichen Geschlechtsanerkennung für trans* Personen und das Verbot von Pride-Versammlungen.
- 68 Prozent befürworten die Ehe und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare.
- 71 Prozent unterstützen den Zugang gleichgeschlechtlicher Paare zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung.
- 79 Prozent halten staatliche Maßnahmen gegen Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen für notwendig.
Kehrtwende in der Bevölkerung
Demnach sprechen sich 57 Prozent der Befragten dafür aus, Regelungen wie das sogenannte „Kinderschutzgesetz“, auch bekannt als Anti-Homosexuellen-Gesetz, das Verbot der rechtlichen Anerkennung des Geschlechts von trans* Personen sowie das Verbot von LGBTIQ+-Versammlungen, darunter Pride-Paraden, wieder abzuschaffen. Die Umfrage wurde veröffentlicht, nachdem die Kandidaten für Ministerposten der neuen Regierung bei ihren Anhörungen im Parlament nur vage Angaben dazu gemacht hatten, wie sie künftig mit den in den vergangenen Jahren verabschiedeten Gesetzen umgehen wollen, die die Rechte von LGBTIQ+-Menschen einschränken. Noch immer steht dabei auch noch nicht fest, ob Ungarns neuer Ministerpräsident Péter Magyar Freund oder Feind der Community ist.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass die meisten Ungarn über die von der früheren Regierung aus Fidesz und KDNP beschlossenen Einschränkungen informiert sind. 86 Prozent der Befragten haben grundlegende Kenntnisse über die Einschränkungen bei Adoptionen durch unverheiratete Personen. 81 Prozent kennen die Regelungen zum eingeschränkten Zugang Minderjähriger zu LGBTIQ+-Inhalten. 67 Prozent haben von dem Verbot von Pride-Versammlungen gehört. Ebenso viele wissen über die Regelung Bescheid, die es trans* Personen unmöglich macht, ihren amtlichen Geschlechtseintrag und ihren Namen offiziell ändern zu lassen.
Die Parteipräferenz spielt bei der Bewertung dieser Maßnahmen eine zentrale Rolle. Unter den Anhängern der neuen Regierungspartei TISZA sprechen sich 79 Prozent für die Rücknahme der Gesetze aus. Bei den Wählern von Fidesz, die zwischen 2010 und 2026 die Regierung stellte, unterstützen dagegen lediglich acht Prozent eine Abschaffung der Regelungen. 32 Prozent der Fidesz-Anhänger würden sogar zusätzliche Einschränkungen befürworten.
Rekordwerte bei Ehe und Elternschaft
Parallel dazu erreicht die Unterstützung für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare neue Höchststände. 68 Prozent aller Befragten würden gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit zur Eheschließung und Adoption einräumen. 71 Prozent sprechen sich dafür aus, ihnen Zugang zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung zu ermöglichen. Die Ergebnisse entsprechen dem Trend früherer Untersuchungen. Bereits im Jahr 2024 hatte ein anderes Meinungsforschungsinstitut festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Ungarn – 54 Prozent – die Ehe für alle unterstützt. Seitdem ist die Zustimmung weiter gestiegen.
Neben der Ehe erreicht nun auch die Unterstützung für die Elternschaft gleichgeschlechtlicher Paare eine Zweidrittelmehrheit. Nach den Ergebnissen der Umfrage unterstützt die ungarische Bevölkerung nicht nur die Rücknahme diskriminierender Gesetze. 79 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, dass es Aufgabe des Staates sei, gegen Diskriminierung von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans*Menschen vorzugehen. Die repräsentative Studie wurde von Ungarns ältester und größter LGBTIQ+-Organisation, der Háttér Society, in Auftrag gegeben. Das Median Institut befragte insgesamt 1.003 Personen.