Zander Murray und Manosphere Ex-Profi fordert mehr Schutz für schwule Fußballer
Zander Murray, der sich 2022 als erster schottischer Profifußballer öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, äußert sich jetzt zu Homophobie im Fußball und zur Bedeutung von LGBTIQ+-Initiativen im Sport. Anlass ist unter anderem die Vorstellung des „Pride Playbook“ durch die Millwall Romans, das als Leitfaden zur Unterstützung von LGBTIQ+-Spielern und -Teams gedacht ist. Die Millwall Romans sind das offizielle LGBTIQ+-Team des englischen Fußballvereins Millwall FC.
Das Wichtigste im Überblick
- Zander Murray war 2022 der erste offen schwule männliche Profifußballer in Schottland
- Er spricht über anhaltende Homophobie und Angst vor Reaktionen in sozialen Medien
- Anlass ist die Vorstellung des „Pride Playbook“ der Millwall Romans als LGBTIQ+-Initiative im Fußball
- Murray kritisiert den Einfluss der sogenannten „Manosphere“ auf die Fußballkultur
- Er fordert mehr strukturelle Unterstützung und echte Inklusion in Vereinen
- Er betont, dass echte Inklusion mehr erfordert als nur das Hissen von Regenbogenflaggen.
Narrative verändern
Murray erklärte in einem Interview, dass ihm sein Coming-Out deutlich gemacht habe, wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen. Wörtlich sagt er: „Dass es so viele Menschen gibt, die genau das durchmachen, aus allen Lebensbereichen, zeigt sehr deutlich, man ist nicht allein. Es gibt einfach so viele, die eine schwierige Zeit mit ihrer Sexualität haben.“ Er erklärt zudem, dass er seine Sichtbarkeit als Verantwortung verstehe, um im Fußball ein anderes Klima zu schaffen: „Wenn man etwas wie das tut, besonders in einem hypermaskulinen Umfeld, dann übernimmt man damit eine Verantwortung, die Narrative zu ändern und der Welt zu helfen. Vier Jahre später möchte ich glauben, dass ich das so gut wie möglich getan habe.“
Ein besonderer Lebensretter
Als zentrale Hürde für ein Coming-Out nennt Murray die Angst vor Hass in sozialen Netzwerken. Viele Spieler befürchteten auch heute noch massive negative Reaktionen. Gleichzeitig betont er aber auch positive Rückmeldungen aus der Community. „Du wirst für viele Menschen ein Held sein und ihr Leben vielleicht retten.“ Er berichtete außerdem von persönlichen Nachrichten, in denen ihm Menschen geschrieben hätten, er habe ihr Leben gerettet. Diese Rückmeldungen beschreibt er als sowohl belastend als auch motivierend.
Rückblickend auf sein eigenes Coming-Out erklärte Murray weiter, er habe die Reaktionen unterschätzt. „Sobald ich den Facebook-Post abgeschickt hatte, schlief ich ein bisschen und wachte dann auf, und mein Telefon ist durchgedreht.“ Im Zusammenhang mit Projekten wie dem „Pride Playbook“ sieht Murray deswegen auch eine wichtige Möglichkeit, Strukturen im Fußball endlich zu verändern. Er hebt die Bedeutung solcher Initiativen hervor und unterstützt die Arbeit der Millwall Romans.
Mehr als nur Symbole
Zur Frage nach symbolischen Maßnahmen wie Regenbogenflaggen im Vergleich zu langfristiger Veränderung erklärte er außerdem: „Wenn ihr nur eine Pride-Flagge aufhängt und nichts dahinter macht, ist das nicht wirklich großartig, oder?“ Auch den Einfluss digitaler Räume und insbesondere der sogenannten „Manosphere“ bewertet Murray kritisch. Er sieht darin eine treibende Kraft hinter Homophobie im Fußball und warnte vor problematischen Inhalten in sozialen Medien. Überrascht habe ihn das Ausmaß an Homophobie im Fußball allerdings nicht, weil „der Fußball im Kern ein Sport der Arbeiterklasse ist.“
Angesprochen auf mögliche Rückschritte bei Diversity-Programmen äußerte Murray zudem die Sorge, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen zu weniger Unterstützung für Inklusionsarbeit führen könnten. Er betonte, dass es wichtig sei, insbesondere unentschlossene Gruppen zu erreichen und langfristig zu überzeugen. Abschließend plädierte der schottische Ex-Profi für mehr konkrete Inklusion im Fußball und sieht darin einen entscheidenden Faktor, um das Umfeld für homosexuelle Spieler nachhaltig zu verbessern.