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Hass im Internet nimmt zu

Hass im Internet nimmt zu Zahl der Beschwerden gegen Social-Media-Anbieter steigt stark an

ms - 29.05.2026 - 11:00 Uhr
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Immer mehr Menschen in Europa stoßen im Internet auf Hass und Hetze. Nach aktuellen Zahlen von Eurostat nahm 2025 knapp die Hälfte der Befragten in 21 EU-Staaten Inhalte wahr, die sie als feindselig oder herabwürdigend gegenüber bestimmten Gruppen oder Einzelpersonen empfanden. Besonders im Fokus der Angriffe bleiben dabei nach wie vor homosexuelle und queere Menschen. 

 Das Wichtigste im Überblick

  • Fast die Hälfte der Befragten in 21 EU-Staaten sah 2025 Hassinhalte im Netz
  • Besonders hohe Werte wurden in Irland, Ungarn, Finnland und der Slowakei registriert
  • Deutschland liegt bei der Zahl der Beschwerden im EU-Vergleich weit hinten
  • Häufig betroffen waren Menschen wegen politischer Ansichten, Herkunft oder sexueller Orientierung
  • X weist laut Studie die höchste Toxizität unter großen Plattformen auf

Vielfältiger Hass auf Menschen 

Besonders häufig berichteten laut Eurostadt Menschen in Irland, Ungarn, Finnland und der Slowakei von entsprechenden Erfahrungen. Vergleichsweise niedrige Werte wurden dagegen in Lettland, Griechenland, Deutschland und Litauen registriert. Die Angriffe richteten sich gegen unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft. Besonders häufig betroffen waren Menschen wegen ihrer politischen oder sozialen Ansichten, ihrer Hautfarbe oder ethnischen Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung sowie ihrer Religion oder Weltanschauung. Darüber hinaus wurden auch Menschen aufgrund ihres Geschlechts, einer Behinderung, ihres Alters oder anderer persönlicher Merkmale Ziel von Anfeindungen.

Eine Untersuchung der Fachzeitschrift „Nature“ kommt zudem zu dem Ergebnis, dass junge Männer in politischen Online-Debatten besonders häufig aggressiv auftreten. In der Studie heißt es: „Social Media sind oft mit breiteren sozioökonomischen und politischen Spannungen verflochten, die außerhalb der Plattformen entstehen“. Nach Angaben der Europäischen Beobachtungsstelle für Online-Hass wurden im letzten Quartal 2025 in Westeuropa die höchsten Werte toxischer Online-Inhalte innerhalb Europas gemessen. Auch Südeuropa verzeichnete ähnliche Entwicklungen, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau. Gegen Ende Dezember stiegen die Werte dort weiter an und näherten sich den Entwicklungen in Westeuropa an. In Osteuropa wurden dagegen insgesamt die niedrigsten Toxizitätswerte registriert.

Antisemitismus und LGBTIQ+

Besonders häufig traten antisemitische Inhalte auf. Diese standen laut Untersuchung oft in Verbindung mit rassistischen Motiven und überschnitten sich stark mit religiösen und politischen Themen. Die Beobachtungsstelle sieht darin Hinweise auf einen „stark ideologischen und verschwörungsgläubigen Charakter“ vieler Debatten. Danach folgten LGBTIQ+-feindliche Inhalte. Unter den großen sozialen Netzwerken wurde die Plattform X als besonders toxisch eingestuft. Dahinter folgten YouTube, Facebook, Instagram und TikTok. Insgesamt blieben die gemessenen Toxizitätswerte jedoch stabil oder gingen teilweise leicht zurück. 

Beschwerden über Social-Media-Postings

Zugenommen haben daneben die Beschwerden über Entscheidungen sozialer Netzwerke in Europs. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Appeals Centre Europe (ACE) hervor. Die unabhängige Schlichtungsstelle vermittelt bei Streitfällen mit Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok innerhalb der Europäischen Union. Innerhalb eines Jahres registrierte die Einrichtung bis März 2026 nach eigenen Angaben mehr als 24.000 Streitfälle. Damit stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich an.Im Mittelpunkt vieler Beschwerden stehen gesperrte Nutzerkonten oder gelöschte Inhalte. Zudem geht es häufig um Fälle, in denen gemeldete Hassrede, Gewaltaufrufe oder pornografische Inhalte nach Ansicht von Nutzern nicht entfernt wurden. 

„Am häufigsten widersprachen wir TikTok – dort kippten wir 83 Prozent der Entscheidungen, potenzielle Hassrede online zu lassen“, erklärte ACE. „Danach folgten Instagram (74 Prozent), Facebook (61 Prozent) und YouTube (58 Prozent). Zu diesen Fällen gehörten hasserfüllte Inhalte gegen religiöse Minderheiten, Roma, Migranten und LGBTIQ+-Communitys.“ Die meisten zulässigen Streitfälle kamen laut Bericht aus Frankreich. Dahinter folgten Belgien, Italien und Spanien. Deutschland liegt auf Rang fünf. Bezogen auf die Einwohnerzahl verzeichnete die Bundesrepublik die niedrigste Beschwerdequote aller 27 EU-Mitgliedstaaten. ACE-Chef Thomas Hughes betonte überdies: „Online-Hass und Belästigung haben für viele Menschen und Communitys reale Konsequenzen. In mehr als zwei Dritteln unserer Entscheidungen zu Hassrede kamen wir zu dem Schluss, dass Plattformen ihre eigenen Richtlinien nicht durchgesetzt und hasserfüllte Inhalte online gelassen haben – darunter antisemitische, islamfeindliche, frauenfeindliche, rassistische, fremdenfeindliche, antiziganistische, homophobe und transfeindliche Beiträge.“

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