Direkt zum Inhalt

LGBTIQ+-Debatte in Russland Renommierte Chefärztin verunglimpft queere Menschen

Von ms - 28.05.2026 - 14:30 Uhr
LGBTIQ+-Debatte in Russland
Foto: FASH Medien Archiv KI
ANZEIGE
Loading audio player...

Eine angesehene, russische Psychiaterin und Chefärztin hat auf einem Fachkongress versucht, die wissenschaftlich widerlegte Diagnose einer sogenannten „Transgender-Spektrum-Störung“ erneut zu etablieren. Darüber hinaus erklärte sie auch Homosexualität zur Krankheit. Die Aussagen sorgten für viel Kritik, da Transgeschlechtlichkeit international nicht mehr als psychische Erkrankung eingestuft wird.

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine russische Psychiaterin hat auf einem Fachkongress die widerlegte Diagnose „Transgender-Spektrum-Störung“ vorgestellt.
  • Olga Bukhanovskaya bezeichnete Transgeschlechtlichkeit und Homosexualität dabei als psychische Erkrankungen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation stuft Transgeschlechtlichkeit seit 2019 nicht mehr als psychische Störung ein, Homosexualität wurde bereits 1990 von der Liste der Krankheiten gestrichen. 
  • Fachleute erkennen lediglich Geschlechtsdysphorie als diagnostizierbare Belastung an.
  • Bukhanovskaya sprach zudem von einer angeblichen „Transgender-Epidemie“.

Trans* und schwul als psychische Erkrankungen

Olga Bukhanovskaya, Chefärztin des Forschungszentrums Phoenix für Rehabilitation und Behandlung, stellte ihre Position auf dem 18. Kongress der Psychiater in Russland vor. Nach Angaben des unabhängigen russischen Mediums Meduza erklärte Bukhanovskaya, Transgeschlechtlichkeit sei eine psychische Störung, zu der auch „Homosexualismus“ gehöre. 

Zudem sagte sie, unter den sogenannten „Transgender-Schirm“ fielen unter anderem „fetischistischer Transvestismus“, Persönlichkeitsstörungen, schizotype Störungen sowie „Schizophrenie in Kombination mit periodischer Verweiblichung“. Die Ärztin sprach außerdem von einer angeblichen „Transgender-Epidemie“, die ihrer Ansicht nach durch „finanzielle Zuwendungen und Fördergelder“ verursacht werde. „Wenn Menschen heute den schön klingenden Begriff ‚Autismus-Spektrum-Störung‘ verwenden, dann können wir auch von einer ‚Transgender-Spektrum-Störung‘ sprechen, unter die all diese psychischen Erkrankungen fallen.“

 Darüber hinaus behauptete Bukhanovskaya, die Ausweitung von trans* Rechten in Russland werde von einer „fünften Kolonne der Medizin“ vorangetrieben. Damit meinte sie transfreundliche Ärzte, Psychologen und Lehrkräften. Weiter erklärte sie, transfreundliche Lehrer seien verantwortlich für die „Verbreitung der Gender-Theorie und der ICD-11 [International Classification of Diseases] innerhalb der Fachwelt, der Gesellschaft und in den Köpfen der Patienten“. 

Kritik von Fachverbänden 

Die sogenannte „Transgender-Spektrum-Störung“ ist jedoch keine anerkannte medizinische Diagnose. Transgeschlechtlichkeit gilt international nicht als psychische Erkrankung. Diagnostiziert werden kann lediglich eine Geschlechtsdysphorie – also psychischer Leidensdruck, den manche Menschen aufgrund einer Diskrepanz zwischen ihrer Geschlechtsidentität und dem Geschlecht bei der Geburt empfinden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Transgeschlechtlichkeit bereits 2019 aus der Liste psychischer Erkrankungen gestrichen. Damals erklärte die WHO-Expertin für reproduktive Gesundheit, Dr. Lale Say: „Es wurde aus der Kategorie psychischer Störungen entfernt, weil wir heute besser verstehen, dass es sich tatsächlich nicht um eine psychische Erkrankung handelt – und weil die Einstufung dort Stigmatisierung verursachte. Um die Stigmatisierung zu reduzieren und gleichzeitig den Zugang zu notwendigen Gesundheitsleistungen sicherzustellen, wurde dies in ein anderes Kapitel eingeordnet.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.