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Jugendhaft für Grindr-Räuber Sechs Jahre Haft nach Dating-Fallen in Berlin

Von ms - 13.10.2026 - 14:35 Uhr
Jugendhaft für Grindr-Räuber
Foto: AI GENERATED - FASH Medien
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Sie erwarteten ein privates Sex-Treffen mit einem Mann, den sie über die Dating-App Grindr kennengelernt hatten. Stattdessen wurden mehrere schwule Männer in Berlin Opfer schwerer Gewaltverbrechen. Ein 18-Jähriger, der an einer Serie solcher Überfälle beteiligt war, ist jetzt vom Landgericht Berlin zu sechs Jahren Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Die Taten richteten sich gezielt gegen Männer, die über die App nach Kontakten suchten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Sechs Jahre Jugendstrafe: Das Landgericht Berlin hat einen 18-Jährigen wegen räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und erpresserischen Menschenraubs zu sechs Jahren Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt.
  • Schwule Männer gezielt angegriffen: Der bereits als jugendlicher Intensivtäter bekannte Verurteilte nutzte gefälschte Profile auf der Dating-App Grindr, um sich Zugang zu Wohnungen seiner Opfer zu verschaffen.
  • Bewaffnete Komplizen beteiligt: Bei den Überfällen wurden Männer bedroht, ausgeraubt und teilweise über Stunden festgehalten und erniedrigt.
  • Queerer Sänger unter den Opfern: Der Berliner Musiker Leopold wurde im Mai in seiner Wohnung festgehalten, in Unterwäsche gefilmt und homophob beleidigt.
  • Bei der Überfallserie sollen rund 1.600 Euro Bargeld sowie Mobiltelefone und weitere Gegenstände im Wert von etwa 8.000 Euro gestohlen worden sein.
  • Bereits im Juni wurde ein damals 20-jähriger Täter nach sieben Grindr-Überfällen zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt. 

Grindr-Profile als Falle

Das Gericht sprach den Heranwachsenden gestern wegen räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und erpresserischen Menschenraubs schuldig. Der junge Mann war den Behörden bereits vor der Überfallserie als jugendlicher Intensivtäter bekannt. Bei den Angriffen wurden die Geschädigten nicht nur ihrer Wertgegenstände beraubt. Sie mussten auch massive Drohungen, Einschüchterungen und gezielte Erniedrigungen ertragen. Die Täter nutzten die Dating-App Grindr, um ihre Opfer auszuwählen und Treffen in deren Privatwohnungen zu vereinbaren. 

Der 18-Jährige trat dabei über gefälschte Nutzerprofile mit den Männern in Kontakt. Die Betroffenen gingen davon aus, einen anderen Mann zu einem privaten Date einzuladen. Nachdem sich der Heranwachsende Zugang zu den Wohnungen verschafft hatte, ließ er bewaffnete Komplizen hinein. Die Männer wurden anschließend bedroht und zur Herausgabe von Geld, Mobiltelefonen und weiteren Wertgegenständen gezwungen. Bei der Überfallserie sollen der Jugendliche und seine Komplizen erhebliche Beute gemacht haben. Nach den Angaben aus dem Strafverfahren erlangten sie unter anderem rund 1.600 Euro Bargeld. Hinzu kamen Mobiltelefone und weitere Gegenstände im Gesamtwert von etwa 8.000 Euro. Die wirtschaftlichen Verluste waren jedoch nur ein Teil der Folgen für die Geschädigten. Die Männer waren in ihren eigenen Wohnungen bedroht worden – an Orten, an denen sie sich sicher fühlen sollten.

Sänger Leopold erniedrigt

Zu den Opfern gehörte auch der Berliner Sänger Leopold, der nach einem Überfall öffentlich über seine Erfahrungen berichtete. Der Künstler wurde nach seinen Angaben mehrere Stunden festgehalten und bedroht. Während des Überfalls filmten ihn die Täter in Unterwäsche. Außerdem wurde er mit queerfeindlichen und homophoben Beleidigungen erniedrigt. Mit seiner öffentlichen Schilderung wollte er andere Nutzer der Dating-App vor vergleichbaren Angriffen warnen. Der Musiker erklärte dabei zudem, dass die gezielte Demütigung queerer Menschen aus seiner Sicht ein Motiv der Tat gewesen sei. Damit beschränkte sich die Gewalt nach seiner Darstellung nicht auf die Beschaffung von Geld oder Wertgegenständen. Auch die sexuelle Orientierung und die persönliche Würde der Opfer spielten bei den Erniedrigungen eine Rolle.

Identifizierung durch Opfer 

Für die Ermittlungen war die Aussage eines anderen Betroffenen von besonderer Bedeutung. Eines der Opfer erkannte den 18-Jährigen auf Polizeifotos wieder und konnte ihn identifizieren. Anfang Juni wurde der Verdächtige daraufhin festgenommen. Im anschließenden Strafverfahren ging es um insgesamt sieben Taten. Bereits zu Beginn des Prozesses hatte der Verteidiger erklärt, dass sein Mandant eine Beteiligung an sechs der sieben Überfälle einräume. Das Gericht verurteilte ihn schließlich zu einer sechsjährigen Jugendstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Serie von Grindr-Überfällen 

Das Urteil gegen den 18-Jährigen ist bereits die zweite bedeutende Verurteilung im Zusammenhang mit einer Serie von Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin innerhalb weniger Monate. Im Juni hatte das Landgericht Berlin den damals 20-jährigen Daniel F. zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt. Auch in diesem Verfahren ging es um sieben Überfälle, bei denen schwule Männer über die Dating-App in Fallen gelockt worden waren. Die Betroffenen wurden bedroht, ausgeraubt, misshandelt und zum Teil auf besonders erniedrigende Weise behandelt. 

In beiden Verfahren hatten Täter gezielt die Möglichkeit genutzt, über eine Dating-Plattform Kontakt zu Männern aufzunehmen und deren Vertrauen für die Vorbereitung schwerer Straftaten auszunutzen. Die Verurteilung von Daniel F. ist inzwischen rechtskräftig. Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD), der über die Urteile informierte, begrüßte die Entscheidungen der Justiz. Zugleich erinnerte er daran, dass die Folgen der Gewalt für die Betroffenen weit über die Gerichtsverfahren hinausreichen. Einige von ihnen würden „womöglich nie wieder angstfrei ein Date eingehen werden“, bei einem Klingeln an der Wohnungstür erschrecken oder nachts von Albträumen aufwachen.

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