Kritik am Pride Month Sozialer Druck und oberflächliche Pride-Kampagnen
Kurz vor Beginn des Pride Monats am kommenden Montag zeigt eine neue Umfrage eine wachsende Distanz vieler LGBTIQ+-Menschen zu den jährlichen Pride-Feierlichkeiten. Nach einer Erhebung der Dating-App Taimi fühlt sich ein erheblicher Teil der Community durch den Pride Month nicht ausreichend vertreten oder sogar ausgeschlossen, viele von ihnen können mit den Pride-Feierlichkeiten nichts mehr anfangen.
Das Wichtigste im Überblick
- 40 Prozent der Befragten LGBTIQ+-Menschen fühlt sich beim Pride Month unterrepräsentiert oder ausgeschlossen.
- Nur 59 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich zumindest teilweise repräsentiert zu fühlen.
- Besonders trans*, nicht-binäre, bi- und pansexuelle Menschen sowie LGBTIQ+-Personen außerhalb großer Städte sehen Defizite.
- Viele Befragte kritisieren oberflächliche Pride-Kampagnen von Unternehmen.
- 41 Prozent empfinden während des Pride Month sozialen Druck, sich auf bestimmte Weise zu präsentieren.
Entfremdung vom Pride
An der repräsentativen Umfrage nahmen 1.100 LGBTIQ+-Erwachsene teil. Nur 59 Prozent erklärten, sie fühlten sich durch den Pride Month zumindest teilweise repräsentiert. 17 Prozent gaben an, sich noch nie repräsentiert gefühlt zu haben. Weitere 14 Prozent sahen sich nicht wirklich gut vertreten, neun Prozent überhaupt nicht. Insgesamt können damit 40 Prozent der LGBTIQ+-Menschen mit dem Pride Monat wenig bis gar nichts mehr anfangen. Die Studie verweist auf eine zunehmende Entfremdung vom heutigen Pride-Konzept. Kritisiert werden unter anderem mehrtägige Festivals, Unternehmenswerbung mit Regenbogenfarben ohne weitergehendes Engagement für die Community sowie kommerzialisierte Parade-Auftritte.
Nur ein Viertel der Befragten bewertete den Mainstream-Pride als inklusiv. Gleichzeitig erklärten 25 Prozent, schwarze LGBTIQ+-Personen sowie trans* und nicht-binäre Menschen würden unterrepräsentiert oder ausgeschlossen. 27 Prozent sahen dies auch bei bisexuellen und pansexuellen Menschen. 29 Prozent waren der Ansicht, LGBTIQ+-Menschen außerhalb großer Städte würden nicht ausreichend berücksichtigt.
Oberflächlich und ohne Inhalt
Auch Unternehmen stehen in der Kritik. 23 Prozent der Befragten erklärten, sie begegneten Pride-Kampagnen von Marken oder Firmen mit Misstrauen. 19 Prozent bezeichneten diese als rein symbolisch oder oberflächlich. Neun Prozent gaben an, entsprechende Marken bewusst zu meiden. Dagegen erklärten 16 Prozent, sie fühlten sich durch die erhöhte Sichtbarkeit wohler. 41 Prozent der Befragten berichteten zudem von einem Druck, sich während des Pride Month anders zu präsentieren, als es ihren tatsächlichen Gefühlen entspreche. Lediglich 32 Prozent sagten, Pride sei eine Veranstaltung, die sie wirklich genießen.
Sorgen bereitet laut der Studie auch das politische Klima. Zehn Prozent der Teilnehmer erklärten, sie würden öffentliche LGBTIQ+-Orte während des Pride Month bewusst meiden. 45 Prozent gaben an, bei der Auswahl von Veranstaltungen und Orten vorsichtiger geworden zu sein. Eine befragte Person sagte über die Pride-Feierlichkeiten: „Es fühlt sich an, als wäre ich ein dressierter Affe im Zirkus.“ Ein weiterer Mann erklärte: „Ich spüre Druck von Allies, mich während des Pride Month stereotypischer schwul zu verhalten.“