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Aufregung um NRW-Schulprojekt Eltern kritisieren sehr spezielle Sexualkunde-Aufgabe

Von ms - 27.05.2026 - 12:00 Uhr
Aufregung um Schulprojekt
Foto: iStock / KatarzynaBialasiewicz
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Eine Unterrichtsaufgabe an einem Gymnasium in Kevelaer in Nordrhein-Westfalen hat für erhebliche Irritationen gesorgt. Im Rahmen des Sexualkundeunterrichts sollten Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse ein fiktives Bordellkonzept ausarbeiten, das alle möglichen Gruppen miteinbindet, also auch queere oder homosexuelle Sexarbeiter. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Achtklässler in NRW sollten im Sexualkundeunterricht ein Bordell-Konzept entwickeln
  • Entstehen sollte ein "Puff für alle" mit Bezug auf die sexuelle Vielfalt von Menschen
  • Die Aufgabe sorgte bei Eltern und Teilen der Schülerschaft für massive Kritik
  • Die Schule spricht von einem pädagogischen Ansatz zur Diskussion gesellschaftlicher Themen
  • Nach Gesprächen mit Beteiligten kündigte die Schulleitung alternative Unterrichtseinheiten an
  • Der Fall wurde in sozialen Netzwerken politisch aufgegriffen
  • Eine Schülerin verteidigte Teile der Aufgabe, übte aber zugleich deutliche Kritik am Umgang mit Sexarbeit

Ein Puff für alle 

Wie unter anderem die Rheinische Post und der WDR berichteten, war in den Schulunterlagen von einem „Puff für alle“ sowie einem „Freudenhaus der sexuellen Lebenslust“ die Rede. Die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren erhielten demnach mehrere Arbeitsblätter mit verschiedenen Aufgabenstellungen. Ziel sei es gewesen, ein bestehendes Bordell zu modernisieren und neu zu konzipieren. Dabei sollten die Schülerinnen und Schüler unter anderem beantworten: „Welches inhaltliche Angebot muss der neue Puff für alle bereithalten? Welche sexuellen Vorlieben müssen in den Räumen wie bedient und wie angesprochen werden?“

Auch Fragen zur Gestaltung und Zugänglichkeit des fiktiven Betriebs waren Teil der Aufgabe. So hieß es laut Berichten unter anderem: „Für welche Personengruppen braucht es welche Voraussetzungen, damit sie in den Puff gelangen können?“ Zudem sollten die Jugendlichen überlegen: „Wie muss der Puff von außen gestaltet sein, damit er von allen möglichen Menschen aufgesucht werden kann und aufgesucht werden möchte?“ Darüber hinaus beschäftigte sich die Aufgabe mit Personalfragen und Vermarktung. In den Unterlagen wurde gefragt: „Wer muss in diesem neuen Puff arbeiten? Welche Fähig- und Fertigkeiten brauchen die dort Arbeitenden, damit alle möglichen Menschen bedient und zufriedengestellt werden können?“ Auch Werbekonzepte und Preisgestaltung sollten entwickelt werden.

Heftige Kritik von Eltern 

Nach den heftigen Reaktionen schaltete sich die Schulleitung ein. Gegenüber der Rheinischen Post bestätigte Schulleiterin Christina Diehr, dass es intensive Diskussionen gegeben habe. Sie habe daraufhin Gespräche mit Lehrkräften, Elternvertretern und der Klassenpflegschaft geführt. Die zuständige Lehrkraft habe den Beteiligten die „Hintergründe des Unterrichtsmaterials erläutert“. Laut Diehr seien die Gespräche „sehr konstruktiv geprägt“ gewesen, sodass „Irritationen ausgeräumt wurden“. 

Ziel der Unterrichtseinheit sei es demnach gewesen, Diskussionen anzustoßen und Themen aufzugreifen, mit denen Jugendliche unter anderem über soziale Netzwerke konfrontiert würden. Trotz der Erklärungen zieht die Schule jetzt Konsequenzen. Nach Angaben der Schulleitung sollen künftig alternative Unterrichtseinheiten eingesetzt werden. Zudem äußerte die Schule Bedauern über die entstandene Unruhe innerhalb der Schulgemeinschaft.

Online-Debatte über Schulaufgabe 

Auch online sorgte der Fall für große Aufmerksamkeit. Viele Accounts und Medien griffen das Thema auf und nutzten es teilweise für Kritik an der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Eine Schülerin meldete sich anonym beim WDR und schilderte ihre Sichtweise auf die Debatte. In einer Nachricht an den Sender schrieb sie: „Meine Einschätzung zu dem Thema ist, dass es von den meisten Leuten von der falschen Seite aufgearbeitet wird“.

Viele Menschen würden sich ihrer Ansicht nach vor allem darüber empören, dass Schülerinnen und Schüler angeblich „zu jung“ seien oder sexuelle Vielfalt im Unterricht thematisiert werde. Entscheidend sei jedoch eine andere Frage: „Was wir aber hinterfragen sollten, ist die Akzeptanz um das Thema Sexarbeit; und das Arbeiten mit der Idee eines Puffs als gesetzte Einheit im Biologie-Unterricht“, erklärte die Schülerin. Zwar sei es wichtig, in der Schule über Vielfalt und Sexualität zu sprechen. Die Beschäftigung mit Sexarbeit gehöre ihrer Ansicht nach jedoch eher in den Sozialwissenschaftsunterricht. Dort könnten Schülerinnen und Schüler lernen, Sexarbeit kritisch zu hinterfragen und gesellschaftlich einzuordnen. Abschließend erklärte sie: „Puffs existieren faktisch zum Nachteil von Frauen und wir müssen sie reflektieren und ihre Auswirkungen aufarbeiten, besonders in der Schule.“

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