Überraschendes Coming-Out Debatte um rechte Politik in Australien
Der neu ins Parlament eingezogene australische Politiker Jason Virgo hat in seiner ersten Rede als Abgeordneter öffentlich gemacht, dass er schwul ist. Der Vertreter der rechtspopulistischen Partei One Nation erklärte dabei auch, seit elf Jahren mit einem Mann liiert zu sein, der ursprünglich aus Indonesien stammt und muslimischen Glaubens ist.
Das Wichtigste im Überblick
- One-Nation-Politiker Jason Virgo bestätigt in seiner ersten Parlamentsrede, dass er schwul ist.
- Der Abgeordnete spricht zudem über seinen muslimischen Partner aus Indonesien.
- Die Aussagen sorgen online und politisch für kontroverse Reaktionen.
- One Nation gilt als migrationskritisch und steht häufig wegen ablehnenden Positionen zu LGBTIQ+-Themen in der Kritik.
Gerüchte im Wahlkampf
Virgo vertritt seit der Regionalwahl 2026 den ländlichen Wahlkreis MacKillop in South Australia. In seiner Rede schilderte er, dass während des Wahlkampfs Gerüchte über seine Sexualität verbreitet worden seien. Eine Frau habe ihn darauf aufmerksam gemacht, „dass Leute im Wahlkreis herumgehen und erzählen, ich sei schwul“. Der Politiker erklärte, er habe den Eindruck gehabt, dies sei mit negativer Absicht geschehen. „Die Realität ist, dass ich mein gesamtes Erwachsenenleben offen schwul gewesen bin“, sagte Virgo. Weiter erklärte er: „Ich schwenke keine Flagge auf der Straße.“ Er bevorzuge es, wenn Menschen solche Dinge „auf natürliche Weise“ erfahren würden.
Zugleich sprach er über die Erfahrungen vieler homosexueller Menschen: „Es gibt Zeiten, in denen wir als Schwule das Gefühl haben, es verbergen zu müssen – aus Sicherheitsgründen oder um unangenehme Situationen zu vermeiden.“ Dennoch sei es ihm wichtiger gewesen, dass seine Wählerinnen und Wähler dies direkt von ihm erfahren und nicht „durch politische Gegner oder Gerüchte“.
Liebesgeständnis für Partner
Emotional wurde Virgo, als er über seinen Partner sprach. Dieser sei „in Indonesien geboren, Muslim und heute ein stolzer Australier“. Weiter sagte der Politiker: „Wir haben gemeinsam ein Leben aufgebaut.“ Sein Partner habe ihn in schwierigen Phasen unterstützt: „Du bist die Liebe meines Lebens an meiner Seite.“ Virgo betonte zugleich seine positiven Erfahrungen mit Einwanderern. Der engste Freundeskreis des Paares bestehe überwiegend aus Menschen aus China, Indien und den Philippinen. „Ich liebe Migranten“, sagte er. Gleichzeitig halte er das aktuelle Niveau der Zuwanderung in Australien für zu hoch. „Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein“, erklärte der Abgeordnete.
Die Partei One Nation wird von Pauline Hanson geführt und vertritt seit Jahren harte Positionen gegen Migration. Hanson hatte sich in der Vergangenheit früher zudem gegen die Ehe für alle ausgesprochen und gilt als Gegnerin von trans* Rechten. International sorgte sie unter anderem für Schlagzeilen, als sie aus Protest gegen islamische Verschleierung mit einer Burka im Parlament erschien.
Heftige Reaktionen online
Virgos Rede löste in sozialen Netzwerken zahlreiche Reaktionen aus. Einige konservative Unterstützer zeigten sich irritiert über seine Aussagen. Andere verwiesen darauf, dass sexuelle Orientierung und politische Einstellung nicht zwangsläufig zusammenhingen. In Kommentaren wurde unter anderem auf die deutsche AfD-Chefin Alice Weidel verwiesen, die ebenfalls offen homosexuell lebt. Auf Facebook bedankte sich Virgo später für die Unterstützung nach seiner Rede. „Danke euch allen“, schrieb er. „Ich bin überwältigt von der Unterstützung vernünftiger Menschen, die Australien an erste Stelle setzen wollen.“