Britische Jungferninseln Regierung debattiert über strenges Verbot von Homo-Ehen
Im Zuge der geplanten Verfassungsreform auf den Britischen Jungferninseln sorgt ein Vorschlag zur Definition der Ehe für heftige Diskussionen. Die Regierung des britischen Überseegebiets verteidigte Empfehlungen, nach denen gleichgeschlechtliche Ehen künftig ausdrücklich ausgeschlossen werden sollen.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Regierung der Britischen Jungferninseln verteidigt Pläne gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen.
- In der neuen Verfassung soll die Ehe nur zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts definiert werden.
- Hintergrund ist eine laufende Überarbeitung der Verfassung des britischen Überseegebiets.
- Premierminister Natalio Wheatley verwies auf ein noch laufendes Gerichtsverfahren.
- Gleichzeitig betonte er die Bedeutung internationaler Menschenrechtsstandards und lokaler Traditionen.
- Ob die Regelung umgesetzt wird, ist offen, da Großbritannien mitentscheiden dürfte.
Zustimmung zum Ehe-Verbot
Derzeit laufen öffentliche Anhörungen zu einer neuen Verfassung des karibischen Inselgebiets. Eine eingesetzte Kommission hatte dabei explizit empfohlen, die Ehe ausschließlich als Verbindung zwischen Personen „des bei der Geburt unterschiedlichen Geschlechts“ in die Verfassung festzuschreiben. Führende Politiker signalisierten daraufhin bereits Unterstützung für diesen Vorschlag. Die Debatte fällt in eine Zeit, in der die Gerichte des Überseegebiets noch über ein Grundsatzverfahren zur bisherigen Ehedefinition entscheiden müssen.
Premierminister Natalio Wheatley äußerte sich bei einer öffentlichen Konsultation zurückhaltend zu dem laufenden Verfahren. „Ich möchte nicht, dass meine Kommentare Auswirkungen auf das Gerichtsverfahren haben“, sagte er. Zugleich erklärte Wheatley, die Regierung berücksichtige internationale Menschenrechtsstandards sowie die Haltung entsprechender Organisationen. „Was ich Ihnen versichern kann, ist, dass das Festhalten an Prinzipien, insbesondere an der Europäischen Menschenrechtskonvention, für uns oberste Priorität hat“, sagte der Regierungschef. Neben internationalen Vorgaben müsse jedoch auch die kulturelle Identität der Inseln berücksichtigt werden. „Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass wir unsere Kultur, unser Erbe und unsere Lebensweise verteidigen und repräsentieren“, erklärte Wheatley weiter.
Großbritannien hat das letzte Wort
Der Premierminister zeigte sich des Weiteren überzeugt, dass unterschiedliche Positionen innerhalb der Gesellschaft nebeneinander bestehen könnten. „Ich glaube, dass in der toleranten Gesellschaft, die wir heute hier haben, beides nebeneinander bestehen kann“, sagte er. Ob die geplante Formulierung letztlich Bestandteil der neuen Verfassung wird, ist bislang unklar. Da die Britischen Jungferninseln weiterhin unter britischer Hoheit stehen, dürfte die Regierung in London bei der endgültigen Entscheidung ein maßgebliches Wort mitreden.
Auf den Britischen Jungferninseln ist Homosexualität seit 2001 legal, aber die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung ist bis heute stark eingeschränkt und mit Tabus belegt. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nach wie vor verboten, allerdings ohne bisherige explizite Nennung in der Verfassung. Die Kultur der karibischen Inselgruppe ist stark konservativ und religiös geprägt, weshalb homosexuelle Menschen im Alltag oft noch immer mit Diskriminierung und Stigmatisierung konfrontiert sind. Öffentliche Zuneigungen unter Schwulen und Lesben werden daher nicht empfohlen. Auch homosexuelle Urlauber sind angehalten, sich „an die örtlichen Gegebenheiten“ anzupassen.