Direkt zum Inhalt
Debatte auf den Britischen Jungferninseln

Britische Jungferninseln Regierung debattiert über strenges Verbot von Homo-Ehen

ms - 21.05.2026 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Im Zuge der geplanten Verfassungsreform auf den Britischen Jungferninseln sorgt ein Vorschlag zur Definition der Ehe für heftige Diskussionen. Die Regierung des britischen Überseegebiets verteidigte Empfehlungen, nach denen gleichgeschlechtliche Ehen künftig ausdrücklich ausgeschlossen werden sollen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Regierung der Britischen Jungferninseln verteidigt Pläne gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen.
  • In der neuen Verfassung soll die Ehe nur zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts definiert werden.
  • Hintergrund ist eine laufende Überarbeitung der Verfassung des britischen Überseegebiets.
  • Premierminister Natalio Wheatley verwies auf ein noch laufendes Gerichtsverfahren.
  • Gleichzeitig betonte er die Bedeutung internationaler Menschenrechtsstandards und lokaler Traditionen.
  • Ob die Regelung umgesetzt wird, ist offen, da Großbritannien mitentscheiden dürfte.

Zustimmung zum Ehe-Verbot 

Derzeit laufen öffentliche Anhörungen zu einer neuen Verfassung des karibischen Inselgebiets. Eine eingesetzte Kommission hatte dabei explizit empfohlen, die Ehe ausschließlich als Verbindung zwischen Personen „des bei der Geburt unterschiedlichen Geschlechts“ in die Verfassung festzuschreiben. Führende Politiker signalisierten daraufhin bereits Unterstützung für diesen Vorschlag. Die Debatte fällt in eine Zeit, in der die Gerichte des Überseegebiets noch über ein Grundsatzverfahren zur bisherigen Ehedefinition entscheiden müssen.

Premierminister Natalio Wheatley äußerte sich bei einer öffentlichen Konsultation zurückhaltend zu dem laufenden Verfahren. „Ich möchte nicht, dass meine Kommentare Auswirkungen auf das Gerichtsverfahren haben“, sagte er. Zugleich erklärte Wheatley, die Regierung berücksichtige internationale Menschenrechtsstandards sowie die Haltung entsprechender Organisationen. „Was ich Ihnen versichern kann, ist, dass das Festhalten an Prinzipien, insbesondere an der Europäischen Menschenrechtskonvention, für uns oberste Priorität hat“, sagte der Regierungschef. Neben internationalen Vorgaben müsse jedoch auch die kulturelle Identität der Inseln berücksichtigt werden. „Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass wir unsere Kultur, unser Erbe und unsere Lebensweise verteidigen und repräsentieren“, erklärte Wheatley weiter.

Großbritannien hat das letzte Wort

Der Premierminister zeigte sich des Weiteren überzeugt, dass unterschiedliche Positionen innerhalb der Gesellschaft nebeneinander bestehen könnten. „Ich glaube, dass in der toleranten Gesellschaft, die wir heute hier haben, beides nebeneinander bestehen kann“, sagte er. Ob die geplante Formulierung letztlich Bestandteil der neuen Verfassung wird, ist bislang unklar. Da die Britischen Jungferninseln weiterhin unter britischer Hoheit stehen, dürfte die Regierung in London bei der endgültigen Entscheidung ein maßgebliches Wort mitreden.

Auf den Britischen Jungferninseln ist Homosexualität seit 2001 legal, aber die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung ist bis heute stark eingeschränkt und mit Tabus belegt. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nach wie vor verboten, allerdings ohne bisherige explizite Nennung in der Verfassung. Die Kultur der karibischen Inselgruppe ist stark konservativ und religiös geprägt, weshalb homosexuelle Menschen im Alltag oft noch immer mit Diskriminierung und Stigmatisierung konfrontiert sind. Öffentliche Zuneigungen unter Schwulen und Lesben werden daher nicht empfohlen. Auch homosexuelle Urlauber sind angehalten, sich „an die örtlichen Gegebenheiten“ anzupassen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Englische Kirche unter Druck

Empörung über homophobe Predigt

Eine umstrittene Predigt einer christlichen Kirchengruppe in Großbritannien löst aktuell heftige Kritik wegen extremer homophober Aussagen aus.
Europas freizügigste Strände

Spanien dominiert das neue Ranking

Eine neue Analyse zu Europas bekanntesten Swinger- und FKK-Stränden zeigt deutliche Unterschiede bei Reputation, Infrastruktur und Rahmenbedingungen.
Diskussionen um ESC-Voting

Engels erhielt hohe Jurywertung

Debatte um die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest, die gezeigt hat, wie unterschiedlich der deutsche Beitrag international wahrgenommen wurde.
Eklat um Schule in Mississippi

Deadnaming von trans* Schüler

Ein Facebook-Beitrag einer Highschool in Mississippi über einen trans* Elite-Abschlussschüler inklusive Deadnaming sorgt derzeit für massive Kritik.
Eskalation in Bangladesch

Homosexuelle Studenten verhaftet

Die Behörden in Bangladesch sind hart gegen mehrere schwule Studenten vorgegangen, einige wurden überdies inhaftiert.
Vergewaltigung in Venedig

Polizist erzwingt Oralverkehr

Eine mutmaßlich erzwungener Oralverkehr zwischen einem Polizeibeamten und einer trans* Frau in Venedig sorgt derzeit für Schlagzeilen in Italien.
Politiker Barney Frank ist tot

Vorreiter für LGBTIQ+Rechte

Der US-Politiker Barney Frank starb jetzt mit 86 Jahren. Er war der erste offen schwule Kongressabgeordnete der USA und Vorkämpfer für LGBTIQ+-Rechte.
Urteil nach 23 Jahren

Mord an schwulem Kellner in NRW

Fast 23 Jahre nach dem Mord am schwulen Kellner Tino Werner in NRW wurde sein damaliger Nachbar nun zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.