Vergewaltigung in Venedig Wurde eine trans* Frau von einem Polizisten zum Sex genötigt?
In Venedig ermittelt die Justiz aktuell gegen einen stellvertretenden Polizeiinspektor wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer trans* Frau auf einer Polizeiwache. Der Beamte steht inzwischen unter Hausarrest. Nach Angaben der Ermittler soll er einer Frau angeboten haben, eine Anzeige wegen mutmaßlichen Ladendiebstahls verschwinden zu lassen, wenn sie sexuelle Handlungen mit ihm eingehe.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein venezianischer Polizeibeamter steht unter dem Verdacht, eine trans* Frau auf einer Polizeiwache sexuell missbraucht zu haben.
- Gegen den stellvertretenden Inspektor wurde Hausarrest verhängt.
- Die Ermittler werfen ihm vor, sexuelle Handlungen als Gegenleistung für das Fallenlassen einer Anzeige angeboten zu haben.
- Der Vorfall soll sich nach einem mutmaßlichen Ladendiebstahl ereignet haben.
- Ein trans* Aktivistenkollektiv ruft für den 25. Mai zu einer Solidaritätskundgebung in Mestre auf.
- Parallel zu den Ermittlungen läuft ein internes Disziplinarverfahren der Polizei.
Keine Anzeige gegen Sex
Der Fall wurde erst jetzt öffentlich bekannt. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen sich die Vorwürfe auf einen Vorfall im Dezember 2025 beziehen. Zwei trans* Frauen peruanischer Herkunft waren demnach in einem Einkaufszentrum in Marghera wegen eines mutmaßlichen Diebstahls von Kleidung kontrolliert und anschließend zur Identitätsfeststellung auf die Polizeiwache gebracht worden. Dort soll der Beamte den Frauen laut Ermittlungsakten gesagt haben: „Ich kann die Anzeige verschwinden lassen, euch gehen lassen, als wäre nichts passiert, wenn ihr einem Dreier mit mir zustimmt.“
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft lehnten beide Frauen das Angebot ab. Eine der Frauen soll anschließend in den Toilettenbereich der Polizeiwache verfolgt und dort gegen ihren Willen zu Oralverkehr gezwungen worden sein. Die Vorwürfe sind Gegenstand laufender Ermittlungen. Eine gerichtliche Klärung steht noch aus.
Unerwünschte Sex-Nachrichten
Erschwerend kommt hinzu, dass der beschuldigte Polizist nach dem mutmaßlichen Übergriff auch persönliche Nachrichten an die betroffene trans* Frau geschickt haben soll – ihre private Handynummer war aus den dienstlichen Unterlagen einsehbar. Unter anderem soll er so gefragt haben: „Wie geht es dir, wann sehen wir uns?“. Nachdem die Frau gefragt habe, wer er sei, soll er geantwortet haben: „Ich bin der, dem du gestern…“ In einer weiteren Nachricht habe er geschrieben: „Du hattest mir etwas versprochen…“ Die Frau habe darauf erwidert: „Du warst derjenige, der versprochen hatte, die Anzeige zu zerreißen.“ Die entsprechenden Screenshots wurden laut Berichten den Ermittlungsbehörden übergeben und in die Akten aufgenommen.
Die Ermittlungen werden von Staatsanwalt Roberto Piccione geführt. Die Anordnung des Hausarrests stammt von Ermittlungsrichterin Benedetta Vitolo. Parallel dazu leitete die Polizeidirektion Venedig ein internes Disziplinarverfahren gegen den Beamten ein. Öffentlich gemacht wurde der Fall vom venezianischen Kollektiv Amatransrage, das trans* Menschen unterstützt. Für den 25. Mai kündigte Amatransrage eine Solidaritätskundgebung vor dem Rathaus von Mestre an. Mit der Demonstration wolle man auf den Fall aufmerksam machen und ein Zeichen gegen Schweigen und Vertuschung setzen.