Eskalation in Bangladesch Harte Repressalien gegen Gruppe schwuler Studenten
Nach Vorwürfen der Homosexualität gegen mehrere Studenten eines medizinischen Colleges in Bangladesch haben Behörden und Hochschulleitung harte Maßnahmen ergriffen. Wie Menschenrechtsaktivisten berichten, wurden vier Studenten aus ihren Wohnheimen ausgeschlossen. Zudem kamen fünf Personen zeitweise ins Gefängnis.
Das Wichtigste im Überblick
- In Bangladesch sind mehrere Studenten wegen Vorwürfen der Homosexualität bestraft worden.
- Vier Studenten verloren ihre Wohnheimplätze an einem medizinischen College in Dhaka.
- Fünf Personen wurden der Polizei übergeben und für 15 Tage inhaftiert.
- Menschenrechtsorganisationen sprechen von schweren Verstößen gegen Grundrechte.
- Betroffene sollen unter Druck gesetzt worden sein, weitere Namen preiszugeben.
- Aktivisten fordern unabhängige Ermittlungen und besseren Schutz sexueller Minderheiten.
Haft und Rauswurf aus dem Wohnheim
Betroffen ist das Government Unani and Ayurvedic Medical College in der Hauptstadt Dhaka. Nach Angaben von Medien und der Organisation JusticeMakers Bangladesh in France (JMBF) soll ein Student am Abend des 22. April gemeinsam mit einem Mann von außerhalb des Campus in einer Gasse nahe der Moschee des Colleges aufgegriffen worden sein. Im weiteren Verlauf seien gegen den Studenten psychische Druckmittel eingesetzt worden, um Informationen über weitere homosexuelle Studenten des Colleges zu erhalten.
Die Hochschulleitung übergab die Betroffenen später an die Polizeistation Kafrul. Ein mobiles Gericht verhängte anschließend daraufhin Haftstrafen von jeweils 15 Tagen. Nach Ablauf der Strafen wurden die Inhaftierten wieder freigelassen. Bereits einen Tag später beschloss der Akademische Rat der Hochschule, mehreren Studenten deswegen die Wohnheimplätze zu entziehen. In einer offiziellen Mitteilung erklärte Wohnheimleiter und Arzt Dr. Md. Mokhched Ali: „Die Studenten wurden wegen des Verdachts auf Homosexualität an die Polizeistation Kafrul übergeben. Entsprechend der Eilentscheidung des Akademischen Rates wurden ihre Wohnheimplätze vorübergehend aufgehoben.“
Verstöße gegen die Verfassung
Die Menschenrechtsorganisation JusticeMakers Bangladesh in France verurteilte die Maßnahmen scharf. Die Gruppe sprach von schwerwiegenden Verletzungen grundlegender Rechte und forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls. Nach Ansicht der Organisation stellen die Festnahmen, der psychische Druck, die Inhaftierung sowie die administrativen Sanktionen Verstöße gegen die Verfassung Bangladeschs und internationale Menschenrechtsstandards dar.
„Die Sprache, die gegen Studenten verwendet wurde, die der Homosexualität verdächtigt werden, fördert eine gefährliche gesellschaftliche Haltung, die Menschenrechtsverletzungen und sozialen Hass legitimiert. Strafmaßnahmen zu verhängen, bevor Vorwürfe bewiesen sind, und Menschen zur Offenlegung ihrer persönlichen Identität zu zwingen, stellt einen klaren Verstoß gegen fundamentale Menschenrechte dar. Solche Praktiken müssen sofort beendet werden“, erklärte Robert Simon, Chefberater von JMBF und LGBTIQ+-Aktivist aus Frankreich.
Die Organisation fordert unter anderem eine transparente Untersuchung der Vorwürfe, die Rücknahme aller diskriminierenden Maßnahmen gegen die Studenten sowie stärkeren Schutz der Privatsphäre und Würde von Studenten an Bildungseinrichtungen. Darüber hinaus verlangt JMBF gesetzliche Maßnahmen gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung sowie die Einführung eines „Gesetzes zum Schutz sexueller Minderheiten“. Auch internationale Menschenrechtsorganisationen, diplomatische Vertretungen und die Vereinten Nationen wurden aufgefordert, auf den Fall zu reagieren und ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.