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Betroffene prägen die Schau Bundeskunsthalle zeigt Sexarbeit erstmals selbst kuratiert

Von kw - 22.05.2026 - 20:30 Uhr
«Sex Work» queer gelesen in der Bundeskunsthalle
Foto: © Bundeskunsthalle / Vic Porter
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Erstmals kuratiert von Sexarbeitenden selbst, präsentiert die Bundeskunsthalle Bonn bis 25. Oktober 2026 die Ausstellung „Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“. Die Schau rückt Sexarbeit in den Fokus als künstlerische, historische und arbeitsrechtliche Praxis – und folgt dem Prinzip „Nichts über uns ohne uns“, indem Sexarbeitende aktiv in Konzeption und Gestaltung eingebunden sind. Diese Perspektive stellt ein Novum in der nationalen Museumspraxis dar und betont die Bedeutung, Betroffene selbst sprechen zu lassen – nicht fremdbestimmt, sondern selbstbestimmt.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Ausstellung läuft vom 2. April bis 25. Oktober 2026 und ist öffentlich zugänglich.
  • Sie wurde gemeinsam mit dem Archiv- und Recherchekollektiv Objects of Desire sowie den Kuratorinnen und Kuratoren Johanna Adam, Ginger Angelica Rose, Ernestine Pastorello und Maximilian Reifenröther entwickelt.
  • Der begleitende Katalog umfasst 192 Seiten, weit über 130 farbige Abbildungen, ist bei Distanz Verlag Berlin erschienen und kostet im Buchhandel 28 €, museumsexklusiv 24 €.
  • Die Ausstellung zeigt über 600 Kunstwerke, darunter Gemälde, Fotografien und Videoarbeiten.

 

Historische und künstlerische Perspektiven neu gedacht

In der Ausstellung wird nachgezeichnet, wie Sexarbeit oft als Sujet in der Kunstgeschichte vorkam – als Motiv in Genremalerei des 17. Jahrhunderts oder als Objekt männlicher Begierde in Pariser Aufführungszirkeln des 19. Jahrhunderts. Die Schau wendet diesen Blick um: Sexarbeitende treten hier nicht nur als dargestellte Musen auf, sondern als kreative Gestaltende eigener Erzählungen.

 

Archiv Objects of Desire als Stimme der Sexarbeitenden

Das Archiv Objects of Desire bringt persönliche Objekte, Fotografien und mündliche Berichte ein, die intime Einblicke in Liebeserfahrungen, Alltagsarbeit, Scham und Widerstand liefern. Diese Materialien eröffnen differenzierte Einblicke in ein Thema, das historisch von Tabus und Stereotypen überlagert ist.

 

Politische Dimension und queere Bündnisse

Die Ausstellung dokumentiert die historische Verfolgung und Stigmatisierung, etwa während der NS-Zeit, als Sexarbeitende auch in Konzentrationslager verschleppt und zur Arbeit in Lagerbordellen gezwungen wurden. Gleichzeitig werden ab den 1980er Jahren Protestbewegungen und Solidarität mit der queeren Community sichtbar – ein starkes Statement für politische Selbstermächtigung.

 

Ein neues Kapitel der Kunstdokumentation

Der Katalog bietet eine dauerhafte und reich illustrierte Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart der Sexarbeit, wie sie meist unsichtbar bleibt. Die Veröffentlichung im Distanz Verlag greift das Ausstellungsprojekt auf und macht es über das Museum hinaus im regulären Buchhandel zugänglich.(bundeskunsthalle.de)

 

Perspektive auf kommende Schritte

Die Ausstellung lädt bis Ende Oktober zum Besuch ein – mit Führungen, Workshops und Publikumsgesprächen, die von den Kurator*innen und Beteiligten begleitet werden. Sie könnte Modellcharakter erlangen für partizipative Ausstellungspraxis im Kulturbetrieb. Die nachfolgende Abwicklung und Rezeption des Kataloges dürften den Diskurs um Arbeits- und Menschenrechte in der Kulturlandschaft weiter befördern.

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