Pfingsten für Schwule Viele Möglichkeiten für ein schwules Heilig-Geist-Happening
Pfingsten. Dieses mysteriöse Feiertagswochenende, bei dem niemand so genau weiß, worum es eigentlich geht — außer: Montag ist auch noch frei. Für viele schwule Männer ist Pfingsten deshalb vor allem eines: die perfekte Mischung aus Mini-Pride, Familienflucht und der spirituellen Suche nach dem nächsten Aperol Spritz.
Fremde Zungen, emotional verbunden
Denn seien wir ehrlich: Weihnachten gehört der Familie, Ostern den Kalorien — aber Pfingsten? Was feiern wir da noch einmal? Dass Mai ist und Merz noch immer nicht vorbei? Pfingsten gehört den Gays. Schon der Ursprung klingt verdächtig queer. Da kommt plötzlich der „Heilige Geist“ über eine Gruppe Männer, alle verstehen sich auf einmal blendend, sprechen in fremden Zungen und fühlen sich emotional verbunden. Wenn das nicht nach 4 Uhr morgens im Berliner Club klingt, was dann? Nur von Poppers wird in der Bibel noch nichts erwähnt.
Kaum steigen die Temperaturen dann über 21 Grad, erwacht deutschlandweit ein ganz besonderes Naturphänomen: der homosexuelle Mann im weißen Leinenhemd. Binnen Minuten sind Straßencafés, Rooftop-Bars und Badeseen voller Männer, die aussehen, als würden sie gleich entweder eine Rosé-Wein-Bar eröffnen oder eine Interior-Design-Agentur gründen. Pfingsten ist dabei schließlich der offizielle Start der „Vielleicht-fahre-ich-doch-noch-kurz-nach-Sitges“-Saison.
Die große Pfingstfrage: CSD oder Camping?
Während heterosexuelle Paare versuchen herauszufinden, wie man ein Zelt aufbaut, diskutieren schwule Männer an diesen Feiertagen eher existenzielle Fragen: Poolparty oder Brunch? Techno oder Tagestrip? Open Air oder doch emotionaler Zusammenbruch bei Whitney Houston auf dem Balkon? Und irgendwo gibt es immer diesen einen Freund, der plötzlich „ganz spontan“ ein Wellness-Wochenende in der Eifel organisiert hat. Mit Sauna. „Aber entspannt.“ Natürlich.
Pfingsten ist außerdem beliebt für Familienbesuche. Für viele schwule Männer bedeutet das: drei Tage subtiler Smalltalk mit Tante Ingrid beim Fleischsalat, die immer noch fragt: „Und hast du denn jetzt mal eine nette Freundin?“ Die einzig richtige Antwort lautet inzwischen: „Nein, aber ich habe einen Steuerberater und Hautpflege-Routine.“ Andere suchen über Pfingsten tatsächlich Erleuchtung. Zum Beispiel beim Tarot-Workshop in Neukölln, beim Yoga-Retreat oder während sie auf Grindr schreiben: „Nur entspannte Vibes.“ Pfingsten ist nämlich die Zeit, in der plötzlich alle „zu sich finden“ wollen — bevorzugt oberkörperfrei auf einer Picknickdecke mit Hummus und eisgekühltem Naturwein.
Und was macht man nun an Pfingsten?
Die Möglichkeiten sind endlos: Beim CSD die Demokratie retten (möglich am 23. Mai in Hannover, Norderstedt, Eisenhüttenstadt, Neustadt an der Orla und Gütersloh) Sich in einem Freibad hoffnungslos verlieben. Mit Freunden grillen und diskutieren, ob Troye Sivan eigentlich Popstar oder inzwischen Religion ist. Die erste sommerliche Balkon-Depression erleben. Oder einfach zwei Tage lang konsequent nichts tun außer Serien schauen und Lieferando beleidigend oft öffnen.
Denn genau dafür ist Pfingsten da: ein Feiertag ohne Druck. Niemand erwartet Geschenke, niemand versteht die Liturgie, auch die Heteros nicht — und genau deshalb kann man ihn wunderbar mit allem füllen, was schwule Männer besonders gut können: dramatische Gespräche, spontane Wochenendtrips und ästhetisch hochwertige Snacks. Amen.