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Sex-Studie geht viral Kritik an alter Forschung, Mythos vom sexgeilen Schwulen

Von ms - 22.05.2026 - 16:00 Uhr
Sex-Studie geht viral
Foto: iStock / VladOrlov
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Eine fast 50 Jahre alte Untersuchung über das Sexualverhalten homosexueller Männer sorgt derzeit erneut für Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken. Besonders eine Zahl verbreitet sich dabei rasant: Laut der Studie sollen 28 Prozent der schwulen Männer im Laufe ihres Lebens mehr als 1.000 Sexualpartner gehabt haben.

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Studie aus den 1970er-Jahren wird aktuell wieder viral diskutiert
  • Demnach sollen 28 Prozent schwuler Männer mehr als 1.000 Sexualpartner gehabt haben
  • Forscher weisen auf starke methodische Schwächen der Untersuchung hin
  • Die Teilnehmer stammten ausschließlich aus der Schwulenszene in San Francisco
  • In sozialen Netzwerken löste die Statistik erneut Debatten über Sexualität und Dating-Kultur aus

Studie aus den 70er Jahren

Die Untersuchung geht auf die Forscher Alan P. Bell und Martin S. Weinberg zurück, die Ende der 1970er-Jahre die Studie „Homosexualities“ veröffentlichten. Sie knüpften damit an die Arbeiten des bekannten Sexualforschers Alfred Kinsey an, der bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren das gesellschaftliche Verständnis von Homosexualität geprägt hatte. Die damalige Studie galt als Meilenstein, weil sie verbreitete Vorurteile über homosexuelle Menschen infrage stellte. Heute wird allerdings vor allem die Methodik kritisch betrachtet.

So wurden ausschließlich Menschen aus dem Raum San Francisco befragt – einer Stadt, deren Schwulen-Community bereits damals als besonders offen und sexuell liberal galt. Zudem rekrutierten die Forscher 686 homosexuelle Männer gezielt aus Bars und Badehäusern. Damit konzentrierte sich die Untersuchung auf Personen mit besonders aktivem Sexualleben. Die vielzitierte Zahl von mehr als 1.000 Sexualpartnern stammt genau aus dieser Gruppe. Rückblickend sehen Fachleute deshalb erhebliche Probleme darin, die Ergebnisse auf homosexuelle Männer allgemein zu übertragen. Hinzu kommt, dass die Untersuchung vor der AIDS-Krise stattfand und damit in einer völlig anderen gesellschaftlichen Zeit entstand.

Mehr Sex als Heterosexuelle

Trotzdem wird in der Forschung weiterhin davon ausgegangen, dass Männer, die Sex mit Männern haben, im Durchschnitt mehr Sexualpartner angeben als heterosexuelle Männer. Auf der Plattform X sorgte die erneut viral gegangene Studie für zahlreiche Reaktionen. Einige Nutzer zeigten sich überrascht, andere reagierten eher gelassen. „Okay, das ist weniger als eine Person pro Tag über drei Jahre hinweg“, schrieb ein Nutzer. „Bleibt ruhig.“

Ein anderer Mann kommentierte ironisch: „Wenn du mit einem schwulen Mann befreundet bist und fragst, wie es ihm geht, erzählt er dir völlig ernst Dinge wie: ‚Mir ging es psychisch gut, bis ich meinem Ex bei einer Orgie in Brooklyn begegnet bin.‘“ Weitere Nutzer verwiesen auf Erfahrungen in Sexclubs oder auf Dating-Apps. Einer schrieb: „Früher konnte ich mir nicht vorstellen, wie das möglich sein soll – nicht emotional, sondern rein zeitlich. Dann war ich ein paar Mal in einem Gay-Sexclub, und plötzlich ergab alles Sinn.“

Moderne Sex-Welt

Die Diskussion weitete sich schließlich auf Themen wie Sextourismus, Dating-Apps und moderne Präventionsmittel wie PrEP und DoxyPEP aus. Manche Nutzer argumentierten, dass sexuelle Kontakte durch Apps und Reisen heute leichter möglich seien als früher. Andere warnten wiederum davor, aus einzelnen Erfahrungen allgemeine Rückschlüsse zu ziehen. Viele Diskussionen würden vor allem die Perspektive urbaner, vergleichsweise privilegierter Männer widerspiegeln. Fest steht: Die Lebensrealität schwuler Männer im Jahr 2026 unterscheidet sich deutlich von jener in den 1970er-Jahren. Die Debatten über Sexualität, Freiheit und gesellschaftliche Wahrnehmung bleiben jedoch weiterhin präsent.

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