Eklat bei Brüssel Pride Forderung des Veranstalters empörte jüdische Pride-Teilnehmer
Bei der Pride-Veranstaltung in Brüssel ist es offenbar im Vorfeld zu Irritationen rund um die Teilnahme einer jüdischen LGBTIQ+-Gruppe gekommen. Nach Angaben der Organisation Mazal Pride seien zunächst Bedingungen formuliert worden, unter denen eine Teilnahme am Umzug möglich gewesen wäre. Beim Pride selbst wurden außerdem drei Künstler von einer Jugendbande attackiert.
Das Wichtigste im Überblick
- Bei der Brussels Pride gab es zunächst Streit um die Teilnahme einer jüdischen LGBTIQ+-Gruppe.
- Mazal Pride berichtete von Auflagen, die das sichtbare Zeigen jüdischer Identität eingeschränkt hätten.
- Genannt wurden unter anderem ein Verbot von Davidstern, Logo und dem Wort „jüdisch“ auf Bannern.
- Die Gruppe kritisierte die Bedingungen als Ausschluss ihrer Identität aus einem Pride-Event.
- Laut späteren Berichten wurden die Einschränkungen wieder aufgehoben.
- Bei der Pride selbst wurden drei Künstler von einer Jugendbande verletzt.
Keine jüdischen Symbole
Mazal Pride, eine belgische Gruppe, die lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und jüdische Menschen vertritt, teilte mit, man habe die Zusage erhalten, am Event teilnehmen zu können – jedoch „unter Bedingungen, die uns tief verletzen“. In einer Mitteilung in der Facebook-Gruppe „BaLaGan! – LGBT+ Jews in and around Brussels“ schilderte ein Mitglied von Mazal Pride die mutmaßlichen Vorgaben der Veranstalter.
Demnach habe es geheißen: „Wir haben einen Platz bei der Pride und innerhalb der LGBTIQ+-Community in Brüssel, und sie akzeptieren uns, ohne uns mit Israel gleichzusetzen.“ Weiter sei erklärt worden: „Ihnen ist bewusst, dass Jüdinnen und Juden in Belgien Risiken ausgesetzt sind. Allerdings befürchten sie aufgrund des zweiten Punktes, dass unsere Teilnahme uns in Gefahr bringen könnte. Daher würden sie unsere Teilnahme nur unter der Bedingung akzeptieren, dass wir unser Logo, den Davidstern oder sogar das Wort ‚jüdisch‘ auf unseren Bannern nicht verwenden.“ Beobachter vor Ort äußerten ihre Vermutung, die Pride-Veranstalter wollten damit eine Auseinandersetzung mit Gruppen wie „Queer for Palestine“ verhindern.
Absage der jüdischen Community
Die Gruppe reagierte darauf mit deutlicher Kritik. „Das bei einer Veranstaltung zu hören, die eigentlich Stolz und die Freiheit der Existenz feiern soll, war extrem schmerzhaft“, hieß es in dem Beitrag. Weiter erklärte Mazal Pride: „Die Botschaft, die wir letztlich erhalten, ist, dass unsere Anwesenheit nur akzeptabel ist, wenn sie nicht zu sichtbar ist. Dass wir willkommen sind, solange wir wissen, wie wir uns verstecken sollen. Wir lehnen es ab, unsere Identität auszulöschen. Wir lehnen die Vorstellung ab, dass jüdische Menschen ihre Identität verbergen müssen, um an einem öffentlichen, aktivistischen und feiernden Raum teilzunehmen.“ Laut Jewish News wurden die zuvor genannten Auflagen daraufhin vor dem Pride wieder zurückgenommen, sodass die Gruppe teilnehmen konnte.
Homophobe Attacke bei Pride
Beim Pride selbst am vergangenen Samstag mit rund 200.000 Teilnehmern wurden dann drei auftretende Künstler – Sherine Falasteen, Anira Orlando und die Drag-Performerin Diva Beirut – nach ihrem Auftritt in der Nähe der Hauptbühne körperlich angegriffen. Laut einer Betroffenen wuchs die Angreifergruppe von zunächst etwa sieben auf rund 25 Jugendliche an. „Sie haben ein Fahrrad nach mir geworfen, mich zu Boden gestoßen und angefangen, mich zu schlagen, während sie ‚fucking gays‘ riefen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich auf der Straße angegriffen wurde, weil ich schwul bin“, berichtete eines der Opfer. Die Veranstalter verurteilten den Angriff als Gewalt- und Hassverbrechen. Die Polizei hatte zunächst keine offizielle Anzeige erhalten, bot den Betroffenen aber Kontakt zur LGBTIQ+-Ansprechstelle an.