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Vatertag unter Schwulen

Vatertag unter Schwulen Warum schwule Jungs und Daddys allen Grund zum Feiern haben

ms - 14.05.2026 - 11:00 Uhr
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Christi Himmelfahrt, Bollerwagen rollen durch deutsche Innenstädte, Männer ziehen in Gruppen durch Parks, Biergärten und Waldwege. Spätestens ab 11 Uhr morgens trägt jemand ein Hawaiihemd, das gegen die Genfer Konvention verstoßen könnte. Und irgendwo fragt sich ein schwuler Mann ohne Kinder: „Darf ich heute überhaupt feiern?“ Die Antwort lautet selbstverständlich: Ja! Vielleicht sogar mehr als andere.

Denn während heterosexuelle Väter häufig versuchen, „mal einen Tag ihre Ruhe zu haben“, ist der Vatertag für viele schwule Männer längst ein gesellschaftliches Hochamt der gepflegten Doppeldeutigkeit geworden. Allein das Wort „Daddy“ sorgt schließlich seit Jahren für mehr Gesprächsstoff als jede Familienfeier.

Zwischen Bollerwagen und Bauchansatz

Der klassische Vatertag basiert auf einer einfachen Idee: Männer gehen gemeinsam raus, trinken Alkohol und treffen Entscheidungen, die sie am nächsten Morgen bereuen. Das ist im Grunde auch das Konzept vieler Pride-Wochenenden.vDer Unterschied: Beim Vatertag tragen manche zusätzlich Trekking-Sandalen und behaupten, der 15-Euro-Grill vom Discounter sei „absolut ausreichend“.

Auch schwule Männer ohne Kinder haben deshalb jedes Recht, mitzufeiern. Schließlich bedeutet „Vater sein“ heute nicht nur Fortpflanzung. Viele übernehmen Verantwortung – emotional, sozial oder organisatorisch. Irgendjemand muss schließlich die Restaurant-Reservierung machen, den Freund mit Liebeskummer trösten oder verhindern, dass Kevin nach dem vierten Gin Tonic seinem Ex wieder schreibt.vDas ist gelebte Fürsorgearbeit.

Der Feiertag der „Chosen Family“

In der queeren Community spielt die sogenannte „Chosen Family“ seit Jahrzehnten überdies eine große Rolle. Gemeint sind enge Freundschaften und soziale Netzwerke, die oft familienähnliche Funktionen übernehmen. Und genau deshalb passt der Vatertag erstaunlich gut in viele schwule Freundeskreise. Da gibt es den einen, der immer Sonnencreme dabeihat. Den anderen, der nüchtern bleibt und alle sicher nach Hause bringt. Und natürlich den älteren Single mit perfekt gestyltem Bart, der grundsätzlich von allen nur noch „Daddy“ genannt wird – obwohl er höchstens einen französischen Bulldoggen-Mischling großzieht. Auch das ist moderne Vaterschaft. Irgendwie.

Herrentag mit homoerotischer Tradition?

Historiker würden vermutlich widersprechen, aber rein atmosphärisch betrachtet hat der deutsche Vatertag ohnehin seit Jahrzehnten eine gewisse homoerotische Note. Gruppen von Männern ziehen gemeinsam durch die Natur, trinken Bier, singen laut, umarmen sich plötzlich sehr emotional und sagen Dinge wie: „Bruder, ich lieb dich.“ Gegen Abend sitzt dann jemand ohne T-Shirt auf einem Campingstuhl und erklärt mit glasigen Augen seine Sicht auf wahre Freundschaft. Man könnte sagen: Der Vatertag ist Deutschlands größtes Freiluft Männergruppentherapieprojekt.

Was man als schwuler Mann am Vatertag feiern kann

Die Antwort ist einfach: alles. Zum Beispiel:

  • die Freiheit, keinen Kindergeburtstag organisieren zu müssen,
  • die Möglichkeit, mittags Cocktails zu trinken, ohne später noch ein Matheheft kontrollieren zu müssen,
  • die Existenz enger Freundschaften,
  • emotionale Reife,
  • gute Grillkünste,
  • schlechte Entscheidungen,
  • und natürlich Männer in kurzen Sporthosen.

Denn seien wir ehrlich: Der Vatertag ist auch ein anthropologisches Großereignis. Nirgendwo sonst sieht man so viele Männer gleichzeitig versuchen, Bierkästen auf Holzrädern durch Feldwege zu ziehen und dabei ihre Würde zu verlieren.

Der wahre Geist des Vatertags

Vielleicht geht es an diesem Tag ohnehin weniger um biologische Vaterschaft als um Gemeinschaft, Freundschaft und die uralte männliche Sehnsucht, gemeinsam draußen Unsinn zu machen. Und genau darin finden sich viele schwule Männer problemlos wieder. Ob beim Grillen im Park, beim Brunch mit Freunden oder bei der inoffiziellen „Daddy Parade“ durch den Stadtpark: Der Vatertag bietet genügend Raum für Humor, Selbstironie und ein bisschen eskalative Lebensfreude. Oder wie man in manchen schwulen Bars vermutlich sagen würde: „Nicht jeder Mann ist Vater. Aber manche sind definitiv ein Daddy.“

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