Direkt zum Inhalt
Trump stuft Pro-Trans-Gruppen als Sicherheitsrisiko ein

Neues Strategiepapier Trump stuft Pro-Trans*gruppen als Sicherheitsrisiko ein

mr - 08.05.2026 - 09:30 Uhr
Loading audio player...

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat erstmals in einem offiziellen Strategiepapier zum Thema Terrorismus „radikal pro-transgender“ Gruppen als potenzielle Bedrohung für die innere Sicherheit der Vereinigten Staaten benannt. Das neue Weißhaus-Papier, am 7. Mai in Washington veröffentlicht, sieht vor, dass Bundesbehörden gezielt trans* Rechte-Organisationen beobachten und gegen sie vorgehen sollen. Maßgeblich begründet wird der Schritt mit Gewalttaten wie dem Mord an dem anti-LGBTIQ+-Aktivisten Charlie Kirk im September 2025 – obwohl weder der beschuldigte Täter noch andere genannte Einzelfälle organisatorisch einer bestimmten politischen Bewegung oder LGBTIQ+-Gruppen zugeordnet wurden.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Strategiepapier richtet Ermittlungsressourcen gegen „radikal pro-transgender“ und andere „linksgerichtete“ Gruppen.
  • Die Behörden führen Einzelereignisse wie den Mord an Charlie Kirk als Rechtfertigung an.
  • Forschungsergebnisse bestätigen: Der Großteil schwerer Gewalttaten in den USA wird nicht von trans* Personen begangen.
  • Es wird ausdrücklich auf den Verzicht verwiesen, rechte Organisationen als Bedrohung einzustufen.
  • Experten und Menschenrechtsorganisationen warnen vor erhöhter Stigmatisierung von Minderheiten.

 

Ausweitung der Beobachtung im Inneren

Im 16-seitigen Memo der US-Regierung werden erstmals Gruppen, die einen aktiven Einsatz für Trans*rechte verfolgen, als potenziell gewalttätige politische Extremisten eingestuft – neben Anarchistinnen sowie Anarchisten und Antifa. Laut Sebastian Gorka, dem für Terrorismusbekämpfung zuständigen Berater des Weißhauses, rechtfertigen unter anderem die Taten einiger mutmaßlich Trans*identität besitzender Einzeltäter diese massive Ausweitung staatlicher Überwachungsmaßnahmen nach innen. Das neue Regelwerk erwähnt dagegen rechte Gruppierungen kein einziges Mal, benennt „linksgerichtete Organisationen“ aber wiederholt als Gefahr.

 

Wissenschaftliche Erkenntnisse widersprechen Darstellung

Analysen unabhängiger Institute wie dem Williams Institute der UCLA und der Gun Violence Archive belegen, dass trans* Menschen in den USA nur einen verschwindend geringen Bruchteil von Gewalttätern stellen. Weniger als ein Prozent aller erfassten Amokläufe wurden von trans* Personen begangen; der weitaus größte Teil der Täter sind cis Männer. Zugleich wird die Überlebensrealität etwa für Schwarze trans* Frauen als überdurchschnittlich von Gewalt, Diskriminierung und Übergriffen geprägt. Forschende betonen, dass keine Verbindung zwischen der Geschlechtsidentität als solcher und einer erhöhten Gewaltbereitschaft besteht.

“Transgender-Menschen sind nachweislich öfter Opfer als Täter von Übergriffen,” stellt das Williams Institute fest.

 

Politische und gesellschaftliche Folgen

Menschenrechtsorganisationen und Fachleute warnen, dass die explizite Einstufung Trans*gruppen als Bedrohung im Sicherheitskontext Vorurteile und Stigmatisierung verschärfen könnte. Der Schritt erfolgt in einem politischen Umfeld, in dem konservative Einrichtungen wie die Heritage Foundation öffentlich fordern, trans* Personen und ihre Unterstützerinnen sowie Unterstützer als Terroristen einzuordnen. Die Entscheidung der Trump-Regierung steht in der Kritik, rechtsgerichtete gewalttätige Gruppen bewusst aus dem Fokus der Terrorismusbekämpfung zu halten.

 

Wie geht es weiter?

Es ist zu erwarten, dass Bürgerrechtsgruppen, Wissenschaft und auch internationale Beobachter die Umsetzung der neuen Strategie und ihre Auswirkungen aufmerksam verfolgen werden. Offene Fragen bestehen insbesondere zu Umfang und Methoden der vorgesehenen Überwachung sowie zu den möglichen rechtlichen Herausforderungen gegen diskriminierende Maßnahmen illustriert durch das Weißhauspapier.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Welche Gruppen sind konkret betroffen?
Das Strategiepapier richtet sich ausdrücklich gegen Organisationen, die für Trans*rechte und intersektionale Gerechtigkeit eintreten und als „radikal“ eingestuft werden.

Werden rechte Gruppen ebenfalls überwacht?
Im aktuellen Memo werden explizit nur linksgerichtete Bewegungen erwähnt; rechte Netzwerke bleiben außen vor.

Wie häufig sind trans* Personen bei Gewalttaten Täterinnen oder Täter?
Nach Auswertung der Gun Violence Archive und des Williams Institute liegt ihr Anteil deutlich unter einem Prozent aller schweren Gewalttaten in den USA.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Pride Monat Juni

Protest und Gedenken

Der Pride Monat Juni erinnert an die LGBTIQ+-Bürgerrechtsbewegung und ist bis heute zugleich Protest, Gedenken und Feier der Vielfalt.
OnlyFans-Creator als Aufklärer

Neue Wege der HIV-Prävention

Ein neues Projekt setzt bei der HIV-Prävention auf vertraute Stimmen aus der queeren Community statt auf klassische Warnkampagnen.
EU-Gelder auf dem Spiel

Bis zu zwei Mio. Euro jährlich

Anti-LGBTIQ+-Rhetorik: Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier, nun stehen EU-Gelder auf dem Spiel.
Hass-Konferenz in Afrika

Treffen Anti-LGBTIQ+-Verbände

In Ghana treffen sich kommende Woche Politiker und Organisationen aus mehreren afrikanischen Staaten zu einer Konferenz gegen LGBTIQ+-Rechte.
Pride-Parade in Budapest 2026

Polizei erteilt CSD-Genehmigung

Die Pride-Parade in Budapest soll in diesem Jahr stattfinden können, so die Polizei – trotz der umstrittenen Gesetzeslage in Ungarn.
Streit um Partnerschaftsgesetz

Widerstand von Polens Präsident

Polens Parlament hat die Einführung eingetragener Lebenspartnerschaften beschlossen – doch Präsident Karol Nawrocki will das Gesetz stoppen.
LGBTIQ+-Museum setzt Zeichen

Ehrung queerer US-Aktivisten

Trotz neuer Einschränkungen gegen Diversitätsprogramme in Florida baut ein großes LGBTIQ+-Museum seine Arbeit weiter aus und ehrt Helden der Community
Schwule Männer spenden Blut

Reform zeigt Zunahme in England

In England steigt die Zahl schwuler und bisexueller Männer, die Blut spenden, erstmals nach der Reform deutlich um mehr als 500 Prozent an.