Community in Nigeria Homophobie bedroht junge Menschen immer mehr
In Nigeria können bereits Verdachtsmomente auf Homosexualität das Leben junger Menschen drastisch verändern. Immer wieder kommt es zu Festnahmen und öffentlicher Bloßstellung. In den letzten Wochen hat laut der queeren Organisation 76crimes ist ein Phänomen namens „Kito“ massiv zugenommen: Erpressungen, die gezielt gegen homosexuelle Menschen eingesetzt werden.
Das Wichtigste im Überblick:
- Kito-Praxis: Zunehmende Erpressungen gegen homosexuelle Männer in Nigeria, bei denen Opfer durch Online-Dating verführt, dann bedroht, geschlagen und zur Geldabhebung gezwungen werden.
- Festnahmen und Bloßstellungen: Verdacht auf Homosexualität führt häufig zu Festnahmen und öffentlicher Demütigung, z.B. durch Präsentation der Festgenommenen vor Kameras.
- Same-Sex Marriage Prohibition Act (2014): Gesetz verbietet gleichgeschlechtliche Ehen und öffentliche Darstellung von Homosexualität, was als rechtliche Grundlage für Diskriminierung und Gewalt dient.
- Gesellschaftliche Feindseligkeit: Homosexualität wird in Nigeria durch religiöse, politische und kulturelle Faktoren abgelehnt, was zu weit verbreiteter gesellschaftlicher Unterstützung von Anti-Schwulen-Gesetzen führt.
- Folgen für junge Menschen: Viele führen ein Doppelleben, verlieren Jobs oder müssen flüchten, da Homosexualität gesellschaftlich und rechtlich stark kriminalisiert wird.
- Verstärkte gesellschaftliche Akzeptanz der Demütigung: Experten warnen vor den gefährlichen Folgen dieser zunehmenden Feindseligkeit und den schwerwiegenden Auswirkungen auf die betroffenen Jugendlichen.
Überfälle auf schwule Männer
Im August 2024 stürmten Sicherheitskräfte bei einer Geburtstagsfeier im Süden des Landes die Räume und nahmen mehr als 70 Personen fest. Die Festgenommenen wurden vor Journalisten präsentiert, ihre Gesichter öffentlich gezeigt – ein Szenario, das in Nigeria mittlerweile als normal gilt. Schon der Verdacht auf Homosexualität kann aus einer privaten Feier einen strafrechtlichen Fall machen.
Der Begriff „Kito“ beschreibt eine gängige Praxis in Nigerias Untergrund-Community für schwulen Männern. Opfer treffen Männer online über Social Media oder Dating-Apps. Dann kommt es zu Hinterhalten: Sie werden bedroht, gefilmt, geschlagen und gezwungen, Geld abzuheben. In einigen Fällen werden die Videos veröffentlicht, in anderen behalten die Täter das Material als Erpressungsmittel. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass manche Opfer ihren Arbeitsplatz verlieren oder sogar getötet werden deswegen.
Diese Praktiken wurden durch das „Same-Sex Marriage Prohibition Act“ von 2014 erleichtert. Das Gesetz verbietet gleichgeschlechtliche Ehen und kriminalisiert öffentliche Zurschaustellungen gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Eine Verurteilung kann bis zu 14 Jahre Haft bedeuten. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch kritisieren, dass das Gesetz auch als gesellschaftliche Legitimation für Belästigung dient. Schon der Verdacht, schwul zu sein, kann zu Festnahme, Erpressung oder öffentlicher Demütigung führen.
Bloßstellungen und Feindseligkeit
Öffentliche Bloßstellungen sind dabei in Nigeria keine Seltenheit. 2018 wurden Dutzende junger Männer in Lagos nach einer Geburtstagsfeier festgenommen und vor Kameras präsentiert. Selbst wenn ein Gericht den Fall später fallen lässt, können die gesellschaftlichen Konsequenzen, wie Exmatrikulation oder Jobverlust, nicht rückgängig gemacht werden.
Nigerias Feindseligkeit gegenüber Homosexualität beruht auf einer Mischung aus Religion, Politik und kultureller Identität. Sowohl Christentum als auch Islam verurteilen gleichgeschlechtliche Beziehungen. Politiker präsentieren Anti-Schwulen-Gesetze häufig als Schutz vor westlichem Einfluss. In einer Gesellschaft, in der Korruption, Unsicherheit und Arbeitslosigkeit dominieren, sorgt die Verurteilung von Homosexualität für breite Zustimmung. Besonders betroffen sind junge Menschen, Studenten und arbeitslose Stadtjugendliche, die ihre Homosexualität nur privat leben können.
Doppelleben junger Menschen
Die Folgen dieser Politik sind oft unsichtbar, zeigen sich aber im Alltag: junge Menschen führen ein Doppelleben, kommunizieren über verschlüsselte Chats, werden von Vermietern gekündigt oder verlassen die Universität nach Gerüchten. Für manche bleibt nur die Flucht aus dem Land, andere leben unsichtbar innerhalb Nigerias.
Nigeria ist ein Land voller Energie und Kreativität, Tech-Unternehmer bauen derzeit globale Unternehmen auf. Gleichzeitig können junge Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung eingesperrt, erpresst oder angegriffen werden. Experten warnen, dass die Demütigung von Jugendlichen gesellschaftlich immer mehr gefeiert wird, obwohl sie verheerende Folgen hat.