Schwule Männer spenden Blut Frühere Einschränkungen wurden in England 2021 gelockert
Immer mehr schwule und bisexuelle Männer in England beteiligen sich an Blutspenden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die nach der Reform der Spendenrichtlinien in England, Schottland und Wales durchgeführt wurde.
Das Wichtigste im Überblick
- Neue Umfrage zeigt starken Anstieg schwuler und bisexueller Blutspender
- Zunahme unter Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) von mehr als 500 Prozent
- Reform der Blutspenderegeln trat 2021 in Kraft
- Früher galten strenge Einschränkungen für schwule Männer
- Gesundheitsbehörden betonen weiterhin hohe Sicherheitsstandards
Von der Aids-Krise bis heute
In den 1980er Jahren waren schwule Männer infolge der AIDS-Krise vollständig von Blutspenden ausgeschlossen worden, um die Übertragung von HIV zu verhindern. 2011 wurde dieses Verbot aufgehoben. Allerdings galten weiterhin strenge Regeln. Männer, die Sex mit Männern hatten, mussten zunächst zwölf Monate lang enthaltsam leben, bevor sie Blut spenden durften. 2017 wurde diese Frist auf drei Monate verkürzt.
Mit der Reform von 2021 wurden die Vorgaben erneut angepasst. Der damalige britische Gesundheitsminister Matt Hancock erklärte dazu: „Diese wegweisende Änderung bei Blutspenden ist sicher und wird vielen Menschen, die zuvor durch Auswahlkriterien ausgeschlossen waren, die Möglichkeit geben, Leben zu retten.“ Weiter sagte Hancock: „Das ist ein positiver Schritt und erkennt Menschen nach ihren Handlungen an, nicht nach ihrer sexuellen Orientierung.“
Zunahme um über 500 Prozent
Für die neue Untersuchung wurden 8.744 männliche Blutspender befragt. 7,5 Prozent bezeichneten sich als schwul oder bisexuell. Bei einer vergleichbaren Befragung im Jahr 2014 lag dieser Anteil noch bei 1,4 Prozent. Damit hat sich die Teilnahme an einer Blutspende binnen eines guten Jahrzehnts mehr als verfünffacht. Su Brailsford, Beraterin für Epidemiologie und Gesundheitsschutz beim britischen Blutspendedienst NHSBT sowie Vorsitzende der Forschungsgruppe FAIR, erklärte, Blutspenden seien inzwischen inklusiver geworden. Zugleich betonte sie, „Sicherheit bleibt jedoch weiterhin eine Priorität“.
Weiter sagte sie: „Die Umfragezahlen zeigen, dass nun mehr schwule und bisexuelle Männer Blut spenden. Es ist sehr ermutigend zu sehen, dass neue Spender in unsere Zentren kommen, und wir versuchen, sie herzlich willkommen zu heißen.“ Für viele homosexuelle Männer bedeutete die Reform erstmals die Möglichkeit, überhaupt Blut zu spenden. Dazu gehört auch der Gymnastiktrainer Thomas Yates aus Greater Manchester.
Appell an die schwule Community
Yates erklärte, sein Großvater, der an Leukämie erkrankt war und regelmäßige Bluttransfusionen benötigte, habe ihn zur Blutspende motiviert. „Das Thema liegt mir sehr am Herzen – man rettet buchstäblich mit einer Stunde seiner Zeit das Leben eines Menschen. Das ist etwas, das wir als Menschheit alle tun sollten“, sagte er. Besonders enttäuscht sei er gewesen, als er 2018 Blut spenden wollte und abgewiesen wurde. „Ich hatte das Gefühl, dass dies eine weitere Form der Ausgrenzung homosexueller Menschen ist“, erklärte Yates. „Ich war vollkommen fit und gesund.“
Direkt nach der Regeländerung 2021 vereinbarte er seinen ersten Termin zur Blutspende. „Danach war ich überwältigt vor Freude, stolz darauf, spenden zu können, glücklich darüber, dass die Regeln geändert wurden – selbst jetzt werde ich emotional, wenn ich darüber spreche. Es war ein großartiger Tag“, sagte Yates. Zugleich bedauerte er die jahrelangen Einschränkungen für schwule und bisexuelle Menschen. „Ich hätte inzwischen fast 80 Mal spenden können, wenn wir als homosexuelle Menschen früher die Möglichkeit dazu gehabt hätten.“ Abschließend rief er weitere Menschen zur Blutspende auf: „Es ist so einfach. Man füllt das Formular aus, trinkt etwas, führt das Gespräch zur Untersuchung und spendet dann Blut. Das Personal ist unglaublich freundlich.“