LGBTIQ+ in Haiti Jobs und medizinische Versorgung werden schwieriger
Die Lebenssituation von LGBTIQ+ Menschen in Haiti wird durch zahlreiche Hindernisse immer mehr erschwert in den letzten Monaten, wodurch ihr Zugang zu Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Unabhängigkeit stark eingeschränkt wird. Besonders schwierig wird die Situation, da das Land immer stärker von einem extremen Wohlstandgefälle, politischer Instabilität und der Dominanz von kriminellen Gangs geprägt ist, wie Merlin Jean, Geschäftsführer der haitianischen Menschenrechtsorganisation Héritage pour la Protection des Droits Humains, jetzt bekräftigte.
Wichtige Fakten im Überblick:
- LGBTIQ+ Menschen in Haiti haben erhebliche Probleme beim Zugang zu Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Chancen.
- Homophobie, extreme Armut, staatliche Instabilität und die Vorherrschaft von Gangs behindern ihre beruflichen Möglichkeiten.
- Die Rücknahme von US-Entwicklungshilfe hat die Arbeit von LGBTIQ+ Organisationen massiv eingeschränkt.
- Der Zugang zu HIV-Behandlungen und Tests ist zunehmend erschwert, LGBTIQ+ Menschen tragen die Hauptlast dieser Probleme.
- Zahlreiche queere Organisationen mussten aufgrund finanzieller Engpässe inzwischen ihre Arbeit einstellen.
Guter Job oder verstecktes Leben?
Jean erklärte, dass die Verletzung der wirtschaftlichen Rechte von LGBTIQ+ Menschen in Haiti stark mit kulturellen, sozialen und politischen Normen zusammenhängt. Selbst qualifizierte Arbeitskräfte, etwa diejenigen, die in Banken tätig sind, haben es schwer, Zugang zu sicheren und anerkannten Arbeitsplätzen zu erhalten, wenn ihre sexuelle Orientierung nicht den heteronormativen Erwartungen entspricht. „Es ist immer noch die Norm, zu Veranstaltungen des Betriebsrats mit einer Person des anderen Geschlechts zu erscheinen“, so Jean.
Für unverheiratete homosexuelle Menschen, die keine heteronormativen Beziehungen vortäuschen, bleiben die Türen kommerzieller Banken oft verschlossen. In Haiti sei es nahezu unmöglich, seine sexuelle Orientierung mit einer führenden Position in der Gesellschaft zu verbinden, es sei denn, man lebe versteckt. Jean berichtete außerdem von den Schwierigkeiten, die Héritage selbst bei der Anmietung von Veranstaltungsräumen für Treffen hat. Oftmals seien die Preise für die Räumlichkeiten plötzlich unerschwinglich hoch, und in einigen Fällen wurden LGBTIQ+-Menschen bereits nur aufgrund ihrer Erscheinung abgewiesen.
Rückgang von US-Hilfe
Ein weiteres zentrales Problem, das die LGBTIQ+-Community betrifft, ist der Rückzug von US-Entwicklungshilfen. Durch internationale Gelder erhielten LGBTIQ+-Menschen im Inselstaat eine der wenigen Möglichkeiten, der extremen Armut und dem informellen Arbeitsmarkt zu entkommen und für zivilgesellschaftliche Organisationen zu arbeiten, die sich mit Menschenrechten und Gesundheitsversorgung beschäftigten. Doch seit der Kürzung der Mittel haben viele Organisationen Schwierigkeiten, ihre Arbeit fortzusetzen.
„Die LGBTIQ+-Gemeinschaft steht zwischen zwei zerstörerischen Kräften“, erklärte Jean. „Viele Sozialarbeiterstellen wurden gestrichen, und es gibt keine Alternativen, um die entstandenen Lücken zu füllen.“ Jean berichtete außerdem von rund zwanzig LGBTIQ+ Organisationen, die zuletzt innerhalb eines Jahres ihre Aktivitäten eingestellt haben. Auch Héritage geht einer unsicheren Zukunft entgegen. Aufgrund der finanziellen Probleme arbeitet die Organisation jetzt nur noch mit Freiwilligen.
Erschwerter Zugang zu HIV-Behandlungen
Jean sprach auch die drastischen Einschränkungen beim Zugang zu HIV-Behandlungen an. Der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten und PrEP sei stark eingeschränkt, und HIV-Tests seien mittlerweile nur noch für schwangere Frauen zugänglich. „Wenn es schon schwierig wird, sich testen zu lassen, kann man von einer gesundheitlichen und wirtschaftlichen Katastrophe sprechen“, sagte Jean. Homosexualität ist zwar seit 1986 legal in Haiti, wird aber bis heute stark tabuisiert, insbesondere von Vertretern der katholischen Kirche – die Glaubensreligion hat in Haiti eine beherrschende Position in der Gesellschaft inne.