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Die Angst wächst Studie offenbart Bedenken von CSD-Teilnehmern in Sachsen

Von ms - 15.04.2026 - 15:00 Uhr
Die Angst wächst
Foto: IMAGO / Bernd März
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Die Situation für Teilnehmer von CSDs und Pride-Paraden in Sachsen wird zunehmend bedrohlicher. Eine aktuelle Studie der Politikwissenschaftler Lea Bellmann (25) und Bastian Stock (33) zeigt, dass rechtsextreme Gegendemos und anderweitig gewalttätige Angriffe auf Teilnehmer in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Die Forscher haben rund 2.700 ausgefüllte Fragebögen von Teilnehmern an 15 CSDs, einem Dyke-Marsch und der Queerpride Dresden ausgewertet, die sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen stattfanden.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Angriffe auf CSD-Teilnehmer: Rechtsextreme Gegendemos in Sachsen führen zu verstärkten Übergriffen auf Teilnehmer von Pride-Paraden und CSDs.
  • Studie zeigt Auswirkungen: Eine Umfrage unter CSD-Besuchern dokumentiert fast 2.300 Fälle von Angriffen, überwiegend während der An- und Abreise.
  • Wenig Vertrauen darauf, dass die Polizei CSD-Teilnehmer ausreichend schützt 
  • 97 Prozent der Pride-Besucher wollen trotzdem weiterhin Flagge zeigen 

Angst bei An- und Abreise 

„Obwohl es während der Events selbst relativ ruhig blieb, berichteten Teilnehmer von 755 selbst erlebten und 1.530 beobachteten Angriffen“, so die Forscher. 61 Prozent davon gehen auf rechte Gegenmobilisierungen zurück. Die beunruhigendsten Ergebnisse der Umfrage: Besonders während der An- und Abreise zu den Veranstaltungen fühlen sich viele Teilnehmer sehr unsicher. „Diese Phasen werden zunehmend zu Angsträumen“, erklärt Lea Bellmann. Rund 60 Prozent der Pride-Teilnehmer kamen mit dem öffentlichen Nahverkehr zum CSD. Während sich auf dem Event nur neun Prozent der Befragten unsicher fühlten, stieg dieser Wert auf dem Rückweg auf 38 Prozent an. Rund 36 Prozent der Befragten kennen Personen, die aus Angst vor Übergriffen der Veranstaltung gleich vorab ferngeblieben sind.

Anfeindungen von verschiedenen Seiten 

Rechtsextreme Gruppen sorgen vor allem am Rande der CSDs für ein Klima der Angst. „Gerade in ländlichen Gebieten sind die Teilnehmer oftmals aggressiven Anfeindungen ausgesetzt“, erklärt Bastian Stock. Dabei sei eine Zäsur zu verzeichnen: Rechte Akteure zielten mit den Bedrohungen und Angriffen nicht mehr nur auf Störung, sondern auf die direkte Unmöglichmachung queerer Sichtbarkeit. Allerdings sind nicht nur Rechte oder Rechtsextreme eine Bedrohungsquelle, sondern auch anderweitig Passanten. 26 Prozent der Beleidigungen und Bedrohungen werden auf sie zurückgeführt. Nur 16 Prozent der Befragten vertrauen überdies darauf, in Gefahrensituationen auf Passanten zählen zu können. Und nur 54 Prozent haben das Gefühl, bei Gefahr auf die Polizei zählen zu können. Etwa zehn Prozent waren indes sogar besorgt darüber, möglicherweise Gewalt durch Polizeikräfte zu erfahren.

Die Angriffe sind dabei nicht nur auf Mitglieder der LGBTIQ+-Gemeinschaft beschränkt. Auch andere Menschen, die sich den CSDs anschließen, wie etwa Sicherheitskräfte, werden zunehmend zum Ziel von Angriffen. Laut den Antworten aus dem Innenministerium gab es 2024 insgesamt 181 dokumentierte Angriffe auf CSD-Mitarbeiter.

Trotz Bedrohungen: Teilnahme bleibt hoch

Trotz der zunehmenden Bedrohung gaben viele Teilnehmer in der Umfrage an, dass sie weiterhin an den CSDs teilnehmen möchten. 90 Prozent von ihnen fühlten sich durch die Teilnahme ermächtigt, 97 Prozent der Teilnehmer wollen weiterhin an einem Pride teilnehmen. Der Wunsch nach Sichtbarkeit und Gleichberechtigung überwiegt. „Es ist wichtig, dass wir uns nicht von diesen Bedrohungen einschüchtern lassen“, so eine der Befragten. Die Forscher betonen, dass die Gewalt zwar eine große psychische Belastung ist, die Teilnahme an den Paraden jedoch auch ein starkes Zeichen der Solidarität und des Widerstands gegen die zunehmende Intoleranz darstellt. Eine der häufigsten Forderungen für mehr Sicherheit ist ein konsequenter räumlicher Abstand zwischen Pride-Veranstaltungen und rechten Gegenveranstaltungen.

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