Gesetze verschärfen Repressionen Senegal verurteilt Mann wegen Homosexualität zu Haftstrafe
Ein junger Mann aus Senegal ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er schwul ist – dies markiert einen neuen Höhepunkt im Kampf gegen die LGBTIQ+-Gemeinschaft im Land. Die Polizei nutzte dabei vor Gericht Inhalte aus seinem persönlichen WhatsApp-Account, um seine sexuelle Orientierung nachzuweisen.
Digitale Beweise im Gerichtssaal
Das Gericht in Dakar verurteilte Thierno S. wegen „praktizierter Homosexualität“, wie es in der Anklage hieß. Ermittlungsbehörden hatten bei einer groß angelegten Razzia sein Mobiltelefon beschlagnahmt und gesichert, so dass Chats, Fotos und Videoausschnitte aus den Messenger-Verläufen zu seiner Überführung genutzt werden konnten. Die Daten belegten nicht nur persönliche Kontakte, sondern auch explizite Gespräche und Verabredungen. Besonders ein Chat, in dem Pam erklärte, er werde nicht aufhören, homosexuell zu leben, galt als Beweis. Die Ermittler zogen zudem Namen prominenter Persönlichkeiten aus seinen Kontakten, die Staatsanwaltschaft erhob letztlich jedoch nicht gegen sie Anklage, wollte aber offenbar Einschüchterung signalisieren.
Repressive Gesetzesverschärfung verschärft Klima
Die Verurteilung fällt in eine Zeit, in der sich die Repressionen gegen LGBTIQ+-Menschen massiv verschärfen. Erst am 11. März 2026 hatte Senegals Parlament eine neue Gesetzesinitiative verabschiedet, die die Strafen für sogenannte „Handlungen wider die Natur“ verdoppelt. Die Mindesthaftzeit liegt nun zwischen fünf und zehn Jahren, dazu kommen mögliche Geldstrafen von bis zu 15.000 Euro. Außerdem macht das Gesetz erstmals „Apologie“ strafbar – wer sich öffentlich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt oder nur darüber spricht, muss mit jahrelanger Haft rechnen. Diese Gesetzesverschärfungen tragen die Handschrift von Premierminister Ousmane Sonko, der entschlossen auch gegen zivilgesellschaftliches Engagement vorgeht.
Betroffene berichten von Angst und Isolation
„Die Auswertung persönlicher Handydaten bedroht die grundlegendsten Menschenrechte“, warnen Aktivistinnen und Aktivisten in Dakar laut örtlichen Medien und internationalen Beobachtungsstellen. Laut Untersuchungen internationaler Organisationen hat sich die Lage für queere Menschen in Westafrika spürbar verschlechtert. Die Überwachung digitaler Kommunikation und die explizite Androhung von Gefängnisstrafen erzeugen unter LGBTIQ+-Personen eine Atmosphäre der ständigen Angst.
Wie geht es weiter für LGBTIQ+?
Mit dem Verfahren gegen Thierno S. setzt der senegalesische Staat ein alarmierendes Zeichen: Digitale Privatsphäre gibt es für queere Frauen und Männer kaum noch. Sollte das neue Gesetz auch vom Präsidenten unterschrieben werden, droht in Senegal eine fortschreitende Entrechtung und Isolierung von LGBTIQ+-Menschen. In der internationalen Gemeinschaft wächst die Sorge, dass diese Entwicklung Schule machen könnte. Was bleibt queeren Menschen im Senegal künftig noch an Schutz – und wie reagiert die Welt?