Homophobe Gesänge im Stadion Forderung nach Konsequenzen, UEFA und Klub bleiben still
Und es ist erneut geschehen: Vor dem Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Manchester City letzte Woche kam es im Santiago-Bernabeu-Stadion zu homophoben Hass-Gesängen gegen Manchester-City-Trainer Pep Guardiola. Ein Video, aufgenommen von Sportjournalist Tancredi Palmeri von Sport Italia, dokumentierte die Vorfälle. Reaktionen von UEFA oder Real Madrid blieben bisher aus.
Anspielung auf Schwule und HIV
Die Rufe der Fans lauteten übersetzt unter anderem: „Oh Guardiola, oh Guardiola, du bist so dünn, früher waren es die Drogen, heute sieht man dich in Chueca.“ Die Nennung von „Chueca“ bezieht auf das gleichnamige Schwulenviertel in Madrid. Der Trainer ist verheiratet mit Cristina Serra und Vater von drei Kindern; öffentlich hat er sich nie zur eigenen Sexualität geäußert, Hinweise auf eine vermeintliche Homo- oder Bisexualität gibt es nicht. Der Bezug zu seinem „dünnen“ Aussehen soll außerdem einen homophoben Stereotyp aus den 1980er und 1990er Jahren widerspiegeln, das den Gewichtsverlust mit HIV/AIDS bei homosexuellen Männern in Verbindung bringt. Die Erwähnung von Drogen bezieht sich schließlich auf frühere Dopingvorwürfe gegen Guardiola als Spieler beim Brescia FC.
Ruf nach Konsequenzen
Homophobie im Bernabeu ist dabei leider nicht neu: In der Vergangenheit wurde die UEFA mehrfach tätig, unter anderem nach antisemitischen Gesten und rassistischen Beleidigungen gegenüber Spielern wie Vinicius Jr. und weiteren Kickern. Die Fanggruppe Ultras Sur, bekannt für nationalistische und gewaltbereite Aktivitäten, war bereits 2014 aus dem Stadion ausgeschlossen worden, um das Vereinsimage zu verbessern. Guardiola selbst äußerte sich nicht zu dem Vorfall. Beobachter sehen nun die UEFA in der Pflicht, ein Disziplinarverfahren gegen die homophoben Gesänge einzuleiten. Ähnliche Forderungen kommen auch von der italienischen LGBTIQ+-Community. Zuletzt machte auch der Torhüter von Real Madrid, Thibaut Courtois, Schlagzeilen – er forderte deutlich härtere Konsequenzen und Strafen bei Fällen von Homophobie im Profifußball.