Direkt zum Inhalt
Verfahren in Budapest ausgesetzt

Paukenschlag in Ungarn Ist ein generelles Pride-Verbot verfassungswidrig?

ms - 06.03.2026 - 08:30 Uhr
Loading audio player...

Das Pester Zentralbezirksgericht hat das Strafverfahren gegen Gergely Karácsony, den Bürgermeister von Budapest, ausgesetzt und sich mit einer Anfrage an das Verfassungsgericht gewandt. Das Gericht soll nun prüfen, ob die zugrundeliegenden Bestimmungen des Versammlungs- und des Kinderschutzgesetzes in diesem Fall nicht gegen die ungarische Verfassung und internationale Verträge sowie gegen die Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen.

Anklage nach Pride 2025

Das Verfahren gegen Karácsony war nach der Organisation der Pride-Parade im Juni 2025 eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn an, weil er die Parade trotz eines Verbots der Polizei organisiert hatte. Karácsony hatte das generelle Pride-Verbot in Ungarn umgangen, in dem er den CSD als städtische Veranstaltung umdefiniert hatte. Die Staatsanwaltschaft argumentiert indes, dass die Veranstaltung gegen das neue Versammlungs- und das Kinderschutzgesetz verstoßen habe, das die Verbreitung von Inhalten zu Homosexualität und Geschlechtsumwandlungen für Minderjährige verbietet.

Der Bürgermeister von Budapest hatte sich jedoch geweigert, das Verfahren ohne Verhandlung zu akzeptieren und bestand auf einem vollständigen Gerichtsverfahren. In ihrer Anklage forderte die Staatsanwaltschaft, dass Karácsony mit einer Geldstrafe belegt wird, ohne eine öffentliche Verhandlung anzusetzen. Dies wurde jedoch von Karácsony abgelehnt. Das Verfassungsgericht hat nun 90 Tage Zeit, zu entscheiden, ob die betreffenden Gesetze mit der Verfassung in Einklang stehen oder nicht. 

Richter kritisieren vagen Gesetzestext 

Ein weiterer Streitpunkt sind die Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes: Der Gesetzestext enthält ein Bindewort („oder“), dessen Bedeutung laut Gericht nicht eindeutig ist. Das Gericht wies darauf hin, dass es so mehrere Interpretationen des Gesetzes geben könnte. Die Formulierung könnte so ausgelegt werden, dass sowohl die Darstellung von Pornografie als auch von Homosexualität und Geschlechtsumwandlungen für unter 18-Jährige verboten ist, oder dies nur die Darstellung von Pornografie betrifft.

Die Richter in Pest hoben auch hervor, dass die allgemeine Regelung, also auch das Pride-Verbot, möglicherweise diskriminierend gegenüber der LGBTIQ+-Gemeinschaft sei und deren Meinungsfreiheit einschränke. Es könnte daher erforderlich sein, das Gesetz zu präzisieren, um festzulegen, welche Inhalte für Minderjährige konkret verboten sind und welche Verhaltensweisen als schädlich gelten – und welche nicht. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Pride Monat Juni

Protest und Gedenken

Der Pride Monat Juni erinnert an die LGBTIQ+-Bürgerrechtsbewegung und ist bis heute zugleich Protest, Gedenken und Feier der Vielfalt.
OnlyFans-Creator als Aufklärer

Neue Wege der HIV-Prävention

Ein neues Projekt setzt bei der HIV-Prävention auf vertraute Stimmen aus der queeren Community statt auf klassische Warnkampagnen.
Hass-Konferenz in Afrika

Treffen Anti-LGBTIQ+-Verbände

In Ghana treffen sich kommende Woche Politiker und Organisationen aus mehreren afrikanischen Staaten zu einer Konferenz gegen LGBTIQ+-Rechte.
EU-Gelder auf dem Spiel

Bis zu zwei Mio. Euro jährlich

Anti-LGBTIQ+-Rhetorik: Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier, nun stehen EU-Gelder auf dem Spiel.
Pride-Parade in Budapest 2026

Polizei erteilt CSD-Genehmigung

Die Pride-Parade in Budapest soll in diesem Jahr stattfinden können, so die Polizei – trotz der umstrittenen Gesetzeslage in Ungarn.
Streit um Partnerschaftsgesetz

Widerstand von Polens Präsident

Polens Parlament hat die Einführung eingetragener Lebenspartnerschaften beschlossen – doch Präsident Karol Nawrocki will das Gesetz stoppen.
LGBTIQ+-Museum setzt Zeichen

Ehrung queerer US-Aktivisten

Trotz neuer Einschränkungen gegen Diversitätsprogramme in Florida baut ein großes LGBTIQ+-Museum seine Arbeit weiter aus und ehrt Helden der Community
Schwule Männer spenden Blut

Reform zeigt Zunahme in England

In England steigt die Zahl schwuler und bisexueller Männer, die Blut spenden, erstmals nach der Reform deutlich um mehr als 500 Prozent an.