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Nettie Pollard ist tot Die britische Community trauert um wichtige LGBTIQ+-Kämpferin

Von ms - 02.03.2026 - 10:00 Uhr
Nettie Pollard ist tot
Foto: Gay Liberation Front / Markus Bidaux
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Die britische Aktivistin Nettie Pollard, eine der frühen Mitglieder der Gay Liberation Front (GLF) und Ehren-Preisträgerin der britischen Community, ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Wie erst jetzt publik wurde, starb die Vorreiterin und Kämpferin der Gay-Bewegung im Vereinigten Königreich bereits am 25. Dezember 2025.

Jahrzehntelanger Einsatz für die Community 

Pollard engagierte sich in der 1970 gegründeten Gay Liberation Front (GLF), die sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzte und einige der ersten Pride-Demonstrationen in Großbritannien organisierte, darunter Märsche in London Anfang der 1970er-Jahre. Darüber hinaus war Pollard Sekretärin des Lesbian and Gay Committee des National Council for Civil Liberties, der heute unter dem Namen Liberty firmiert. Sie gehörte zudem der Organisation Feminists Against Censorship an.

2022 wurde Pollard als eine der Veteraninnen der Gay Liberation Front und der britischen Community geehrt. Die Veranstaltung in London würdigte Aktivistinnen, die an der Organisation der ersten Pride-Veranstaltungen beteiligt waren, anlässlich des 50. Jubiläums des ersten britischen Pride-Marsches. Die Gay Liberation Front entstand in Großbritannien im Anschluss an die internationale Schwulen- und Lesbenbefreiungsbewegung und spielte in den 1970er-Jahren eine wichtige Rolle bei politischer Organisation und Protesten der Community.

Entdecken der eigenen Sexualität 

Pollard wuchs in Nord-London auf und fand ihren Weg zur GLF auf unkonventionelle Weise, wie sie 2020 erzählte: „Mein Vater las in einer Zeitung über die GLF und erzählte mir und meinem besten Freund Jake Wynter, der gerade bei uns war, davon. Es war die erstaunlichste Erfahrung. Plötzlich öffnete sich eine neue Welt, als wir die Tür im Club Middle Earth in Covent Garden durchschritten. Dort waren etwa hundert Menschen, die die Welt verändern wollten. Es fühlte sich an, als würde man plötzlich aus dem Gefängnis entlassen. Sie sprachen über Unterdrückung, Nicht-Monogamie und das Arbeiten für eine befreite Welt für alle.“

Nettie trug die Botschaft der GLF auch nach deren Auflösung weiter. Die GLF öffnete ihr die Augen für ihre Identität, als sie Frauen kennenlernte, die sich zur Women’s Group trafen. „Damals war mir die Anziehung zu Frauen noch nicht bewusst. An jenem Abend erzählte mir Jake, dass er schwul sei und Suizidgedanken hatte. Ich schwor, alles zu tun, um gegen Unterdrückung von Schwulen zu kämpfen. In der nächsten Woche gingen wir wieder zur GLF, und Jake lernte Derek Jarman kennen, der sein erster Freund wurde. Ich blieb bei der GLF, und im Dezember bemerkte ich plötzlich, dass ich doch auf Frauen stehe. Whoop, whoop! Und ich habe nie zurückgeblickt!“

Erinnerung von Wegbegleiter 

Der schwule Aktivist und ehemalige britische Militärangehörige Duncan Lustig-Prean, der aufgrund seiner Homosexualität 1994 aus dem Dienst entlassen wurde, erinnert sich an Pollard: „Sie gehörte zudem zu den ersten britischen Aktivistinnen für Schwulen- und Lesbenrechte. Netties frühes Engagement war mit großen Risiken verbunden. Die damaligen Gay-Organisationen standen beide auf den Überwachungslisten des MI5. Tatsächlich habe ich selbst regelmäßig die Geheimdienstberichte gelesen, die monatlich von unseren Nachrichtendiensten herausgegeben wurden, während ich in der Marine diente. Es mag seltsam erscheinen, dass Menschen, die sich für Gleichheit, Freiheit oder die Aufhebung von Justizirrtümern einsetzen, als potenzielle Terroristen angesehen werden. Die Realität ist, dass viele von uns, die sich für solche Zwecke engagierten, überwacht wurden – mich eingeschlossen, als ich für das Ende des militärischen Verbots für Schwule kämpfte.“

Und weiter: „Netties Aktivismus war praxisnah. Er fand auf der Straße statt, bei der Besetzung von Versammlungen und lautstarken Protesten. Er barg große persönliche Risiken durch Polizei und rechte Gegner. Nettie liebte den Kampf. Nettie wirkte auf flüchtige Beobachter oft streng. Dies verbarg jedoch ihren scharfen Humor. Ihr Gesicht strahlte, ihre Augen funkelten, wenn sie lachte. Doch geriet man auf ihre falsche Seite, merkte man das sofort.“ Zudem bekräftigte er zu ihrem Tod: „Nettie war schon seit einiger Zeit krank und starb in einem Hospiz. Sie stellte sich dem mit stiller Tapferkeit, besuchte viele ihrer Freunde und schrieb regelmäßig E-Mails. Wir schulden Nettie und ihrer Generation von Aktivistinnen eine enorme Dankbarkeit. Sie kämpfte für Gleichheit und Freiheit, als dies mit großen persönlichen Risiken verbunden war. Diese heroische Frau war zugleich eine wunderbare, geerdete und lebensfrohe Persönlichkeit. Leb wohl, Nettie. Es war mir eine Ehre, dich zu kennen. Danke, dass du mir so viel beigebracht hast.“

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