Eine Liebesgeschichte zwischen zwei älteren Männern steht im Mittelpunkt des neuen Films „Frank & Percy“. Die britischen Schauspieler Sir Ian McKellen (87) und Roger Allam (72) verkörpern darin zwei Menschen, deren Lebenswege sich zufällig kreuzen und die im fortgeschrittenen Alter unerwartet Gefühle füreinander entwickeln. Der Film greift damit ein Thema auf, das in großen Kinoproduktionen vergleichsweise selten im Mittelpunkt steht: homosexuelle Liebe jenseits der Jugend.
Das Wichtigste im Überblick
- Schwule Liebesgeschichte im Alter: Ian McKellen und Roger Allam spielen in „Frank & Percy“ zwei ältere Männer, die sich zufällig begegnen und ineinander verlieben.
- McKellen verkörpert den offen schwulen Percy, der über 80 Jahre alt ist. Allam spielt den verwitweten Frank, der sich bislang für heterosexuell hielt.
- Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Ben Weatherill. Beide Hauptdarsteller übernehmen erneut ihre Theaterrollen.
- Regisseur mit persönlicher Verbindung: Sean Mathias, der von 1978 bis 1987 mit McKellen liiert war, führt Regie.
- McKellen berichtet, dass die Geschichte sowohl bei homosexuellen als auch bei heterosexuellen Theaterbesuchern großen Anklang fand.
- Neben den Hauptdarstellern sind unter anderem Stephen Fry, Ncuti Gatwa, Jessica Gunning, Hugh Skinner, Derek Jacobi und Joanna Lumley zu sehen.
Vom Theater auf die Leinwand
Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des britischen Dramatikers Ben Weatherill. McKellen und Allam, beide mit dem renommierten Olivier Award ausgezeichnet, hatten die beiden Hauptfiguren bereits auf der Bühne gespielt und übernehmen ihre Rollen nun auch in der Verfilmung. Regie führt Sean Mathias, der unter anderem für den Film „Bent“ bekannt ist. Mathias und McKellen waren von 1978 bis 1987 ein Paar. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Männer, die sich in unterschiedlichen Lebenssituationen befinden.
McKellen spielt Percy, einen offen schwulen Mann über 80, der trotz seines Alters unternehmungslustig geblieben ist. Percy legt großen Wert auf seine Unabhängigkeit und ist überzeugt, niemanden zu brauchen, der sich um ihn kümmert. Auch sein Liebesleben hat er keineswegs aufgegeben. Er trifft sich gerne mit Männern, die deutlich jünger sind als er. Ganz anders ist die Ausgangssituation von Frank, den Roger Allam verkörpert. Der Mann in seinen Siebzigern hat seine Ehefrau verloren und trauert noch immer um sie. Sein bisheriges Leben hat er in der Überzeugung verbracht, heterosexuell zu sein. Eine Beziehung zu einem anderen Mann hatte er für sich nie in Betracht gezogen.
Spaziergang in London
Frank und Percy lernen sich an einem kühlen Herbsttag im Londoner Park Hampstead Heath kennen. Der weitläufige Park ist nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet, sondern auch seit langem als Treffpunkt schwuler Männer bekannt. Die beiden Hauptfiguren sind allerdings aus einem anderen Grund dort unterwegs: Sie führen ihre Hunde spazieren. Über ihre gemeinsame Zuneigung zu den Tieren kommen sie ins Gespräch. Zunächst bleibt es bei einer freundlichen, unverbindlichen Begegnung. Doch die beiden Männer treffen sich immer häufiger im Park. Aus den regelmäßigen Spaziergängen entwickelt sich allmählich eine engere Verbindung. Während Percy seine gewohnte Selbstständigkeit bewahren möchte, muss Frank sich mit Gefühlen auseinandersetzen, die nicht zu seinem bisherigen Selbstbild passen. Schließlich wird beiden bewusst, dass ihre Beziehung längst über eine gewöhnliche Freundschaft hinausgeht.
Liebe und Nähe im Alter
Die Verfilmung zeigt die Beziehung der beiden Männer ausdrücklich als homosexuelle Liebesgeschichte. Dazu gehören auch Szenen körperlicher Nähe, die bei älteren schwulen Figuren im Kino selten zu sehen sind. So teilen Frank und Percy in einer Szene eine Badewanne. In einer anderen küssen sie sich während einer Pride-Veranstaltung. Der Film behandelt ihre Beziehung nicht nur als Geschichte über das Älterwerden, sondern auch über die Möglichkeit, sich selbst und die eigenen Gefühle noch einmal neu kennenzulernen. Dabei geht es insbesondere um Frank, der erstmals eine romantische Anziehung zu einem Mann erlebt. Anstatt seine Gefühle für Percy zurückzuweisen, lässt er sich auf die ungewohnte Situation ein. Die Figur steht damit für eine Erfahrung, die nicht in starre Vorstellungen von sexueller Orientierung passt.
Reaktionen heterosexueller Zuschauer
Schon die Bühnenfassung von „Frank & Percy“ stieß nach Angaben der Hauptdarsteller bei einem breiten Publikum auf Interesse. Besonders überrascht zeigte sich Ian McKellen darüber, dass die Liebesgeschichte nicht nur homosexuelle, sondern auch heterosexuelle Zuschauer begeisterte. In einem Interview berichtete er über die Erfahrungen während der Theateraufführungen. „Das Interessante ist, dass wir das Stück sieben Wochen in Windsor und zwei Wochen in Bath gespielt haben und ein vollkommen heterosexuelles Publikum große Freude daran hat, zwei alten Kerlen dabei zuzusehen, wie sie sich zum Narren machen und verlieben“, so McKellen. Die positive Resonanz wertete der Schauspieler als Ausdruck veränderter gesellschaftlicher Einstellungen. „Sie lieben es. Noch vor zehn Jahren hätte man das nicht erwarten können. Die Welt hat sich weiterentwickelt.“ McKellen verwies allerdings auch auf die besondere Offenheit von Menschen, die regelmäßig ins Theater gehen. „Natürlich glaube ich auch, dass das Theaterpublikum wahrscheinlich zur Vorhut des gesellschaftlichen Wandels gehört.“
Universelle Botschaft
Obwohl „Frank & Percy“ ausdrücklich von einer Beziehung zwischen zwei Männern erzählt, richtet sich die Geschichte nicht ausschließlich an ein homosexuelles Publikum. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, ob Menschen nach Verlusten, Enttäuschungen oder langen Jahren des Alleinseins noch einmal eine neue Partnerschaft finden können. Beide Hauptfiguren haben zunächst Gründe, eine engere Beziehung zu vermeiden. Percy möchte seine Unabhängigkeit nicht verlieren. Frank wiederum muss den Tod seiner Frau verarbeiten und seine bisherigen Vorstellungen von sich selbst hinterfragen. Ihre Begegnung stellt die gewohnten Lebensentwürfe infrage und eröffnet beiden eine unerwartete Perspektive. Die Geschichte vermittelt damit die Botschaft, dass sich Menschen auch im höheren Alter verändern und für neue Beziehungen öffnen können.
Viele Community-Stars mit dabei
Regisseur Sean Mathias kennt McKellen seit Jahrzehnten. Der britische Theater- und Filmregisseur war zwischen 1978 und 1987 mit McKellen liiert. Die beiden verbindet damit eine lange persönliche und berufliche Geschichte. Mathias hatte bereits mit dem Film „Bent“ eine Geschichte mit homosexuellen Hauptfiguren inszeniert. Mit „Frank & Percy“ widmet er sich erneut einer ausdrücklich schwulen Erzählung, diesmal jedoch mit dem Schwerpunkt auf einer späten Liebesbeziehung. Die Hauptdarsteller bringen ihre Erfahrungen aus der Bühnenfassung mit. Dadurch greifen Film und Theaterproduktion auf dieselben zentralen Figuren und Darsteller zurück.
Neben den beiden Hauptdarstellern sind zahlreiche bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler in „Frank & Percy“ zu sehen. Zu ihnen gehört der offen schwule Schauspieler und Komiker Stephen Fry (69). Auch Ncuti Gatwa (33), der unter anderem durch seine Rollen in „Sex Education“ und „Doctor Who“ bekannt wurde, wirkt an der Produktion mit. Jessica Gunning, bekannt aus der Netflix-Serie „Baby Reindeer“, gehört ebenfalls zum Ensemble. Weitere Rollen übernehmen Hugh Skinner, der in „Mamma Mia! Here We Go Again“ mitspielte, und Sir Derek Jacobi. Jacobi ist seit vielen Jahren mit McKellen befreundet. Zur Besetzung zählen außerdem Dame Joanna Lumley aus der britischen Fernsehserie „Absolutely Fabulous“, Dame Siân Phillips und Rob Brydon. Mit diesem Ensemble vereint der Film mehrere Generationen britischer Schauspielerinnen und Schauspieler. Einen konkreten Kinostart für Deutschland gibt es noch nicht.