Direkt zum Inhalt
Haftstrafen: Senegal kriminalisiert auch LGBTIQ+-Einsatz

Grundrechtsrisiko steigt Haftstrafen: Senegal kriminalisiert auch LGBTIQ+-Einsatz

mr - 27.02.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

In Senegal verschärft die Regierung die Gesetze gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und queere Menschen (LGBTIQ+). Mit der von Premierminister Ousmane Sonko vorangetriebenen Reform drohen künftig bis zu zehn Jahre Haft für so genannte „widernatürliche Handlungen“. Neu ist: Nicht nur sexuelle Kontakte gleichgeschlechtlicher Paare, sondern auch der bloße Einsatz für LGBTIQ+-Rechte und „Finanzierung“ solcher Aktivitäten werden kriminalisiert.

 

Gesetzesnovelle mit massiven Konsequenzen

Die geplante Neufassung des Strafgesetzbuchs verdoppelt die Strafandrohung für gleichgeschlechtliche Handlungen auf bis zu zehn Jahre Gefängnis und legt Geldstrafen zwischen 2 und 10 Millionen CFA-Francs (umgerechnet rund 3.000 bis 15.000 Euro) fest. Erstmals wird „jede sexuelle oder sexuell konnotierte Handlung zwischen Personen gleichen Geschlechts“ ausdrücklich als strafbar definiert. Wer entsprechende Taten mit einer Person unter 21 Jahren begeht, muss mit der Höchststrafe rechnen.

Noch gravierender dürfte sich die Einführung des Straftatbestands der „Apologie“ auswirken: Wer sich öffentlich für LGBTIQ+-Rechte einsetzt, wird mit bis zu sieben Jahren Haft bedroht. Selbst Informationen oder Unterstützungsleistungen, die als „Förderung“ der Homosexualität interpretiert werden, fallen unter die neuen Strafen. Das richterliche Ermessen ist stark eingeschränkt – eine bedingte Aussetzung der Strafe wird künftig unmöglich.

 

Auswirkungen auf Zivilgesellschaft und Aktivistinnen

Mit der Gesetzesverschärfung geraten nicht nur queere Menschen, sondern auch Menschenrechtsorganisationen, Medien, Anwältinnen und Anwälte sowie Unterstützerinnen und Unterstützer ins Visier. Laut Beobachtungen internationaler Menschenrechtsorganisationen steigt die Angst auch unter lokalen Gesundheitsarbeiterinnen und Gesundheitsarbeitern, weil alltägliche Kontakte nun als Beleg für strafbares Verhalten ausgelegt werden könnten. Gerade in einem Klima, das bereits von Medienhetze, willkürlichen Festnahmen und öffentlicher Stigmatisierung geprägt ist, sehen viele Aktivistinnen akute Gefahr für die Grundrechte.

Ein Mitglied von Human Rights Watch betonte, das Gesetz „führe dazu, dass schon der Austausch von Nachrichten als Anhaltspunkt für Ermittlungen oder Verfolgung dienen kann“. Dies verschärfe die Unsicherheit innerhalb der Community und erhöhe das Risiko gerichtlicher Willkür beträchtlich.

 

Senegal unter internationaler Beobachtung

Die Gesetzesreform ist Teil eines politischen Kurswechsels, der vor allem auf massiven gesellschaftlichen Druck und eine Welle jüngerer Festnahmen zurückzuführen ist. Die senegalesische Gendarmerie hatte erst kürzlich die Anklage gegen mehrere Männer verkündet, darunter auch der Vorwurf der „absichtlichen Übertragung von HIV“. Solche Fälle werden häufig instrumentalisiert, um Stigma zu verstärken und gesellschaftliche Ressentiments aufzuheizen.

 

Zunehmende Repression oder neue Solidarität?

Noch ist unklar, wann das Parlament endgültig abstimmen wird. Menschenrechtlerinnen blicken mit Sorge nach Westafrika, da Senegal bislang als vergleichsweise offen galt. Die aktuellen Entwicklungen drohen nicht nur Lebensrealitäten weiter einzuschränken, sondern auch Meinungs- und Versammlungsfreiheit massiv zu untergraben. Die Frage bleibt: Werden nationale und internationale Solidaritätsinitiativen das Blatt noch wenden – oder etabliert sich diese restriktive Linie als neues Normal?

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende einer Cruising-Kultstätte

Park in Brooklyn wird neu gestaltet

Einst der Märchenpark für Schwule, wird der Cruising-Bereich im Brooklyner Prospect Park nun komplett umgestaltet. Die Community blick wehmütig darauf
Skandal in Australien

Gemeine Attacke auf Community

Die Polizei in Westaustralien untersucht Flugblätter gegen LGBTIQ+-Menschen, die darin fälschlicherweise der Pädophilie beschuldigt werden.
Streit an Boston University

Entfernung von Pride-Fahnen

An der Boston University wird derzeit heftig um LGBTIQ+ und Sichtbarkeit gestritten nach dem Entfernen von Pride-Flaggen.
Glückliche schwule Männer

Was macht uns wirklich happy?

Heute feiern wir den Tag des Glücks, doch was genau macht Schwule wirklich glücklich? Und wie können wir unser Glück steigern?
Meilenstein für "Evil Gay"

Aaron Rourke wird Singles-Champion

Historischer Sieg: Wrestler Aaron Rourke alias "Evil Gay" ist der erste offen schwule Singles-Champion in der WWE-Geschichte.
Sicherheitskonzept für den ESC

Hohes Security-Konzept bleibt

Der ORF hat das hohe Sicherheitskonzept für den ESC noch einmal bekräftigt, man sei gewappnet auch angesichts diverser politischer Spannungen weltweit
Urteil in London

Betrug durch Dating-Apps

Ein 26-Jähriger wurde in London jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt, er hatte schwule Männer mittels Dating-Apps um viel Geld betrogen.
Kindesmissbrauch im Fußball

Jugendtrainer in Verdacht

Die Polizei ermittelt gegen einen 43-jährigen Ex-Jugendtrainer des 1. FC Köln, der mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll.