Sonnencreme und Dildo Sexspielzeuge und queere Überraschungen auf der Reise
Ab in den Urlaub! Wäre da nicht die langwierige Flughafen-Sicherheitskontrolle – der Ort, an dem man sich mit der Frage konfrontiert sieht: „Warum habe ich das eigentlich im Handgepäck?“ Kein Fluggast entkommt der nervenaufreibenden Prozedur, bei der sich das Sicherheitspersonal zwischen Monitoren und Scanner-Geräten über die Schätze in unseren Taschen hermacht. Doch gerade bei queeren Fluggästen gibt es manchmal außergewöhnliche und witzige Überraschungen, die die Sicherheitsleute zu Gesicht bekommen. Dabei sind es vor allem die „unorthodoxen Utensilien“, die manchmal besonders für homosexuelle und queere Fluggäste eine amüsante Herausforderung darstellen.
Ein Einhorn-Dildo im Koffer
„Einmal hatten wir einen Vibrator in Form eines Einhorns – ich dachte, das ist ein Scherz!“, erzählt Sven, ein erfahrener Sicherheitsbeauftragter aus Frankfurt, lachend. „Der Besitzer war ein freundlicher Typ, der dann noch stolz meinte: ‚Er ist wirklich magisch!‘“ Ein Lächeln hilft mitunter bei solch kuriosen Funden. Sexspielzeug – sei es der klassische Vibrator, die schwungvolle Peitsche oder ein doppelseitiger Dildo – ist natürlich nicht illegal. Doch in den meisten Fällen sorgt es für die ein oder andere irritierte Miene, wenn das Sicherheitspersonal das Gepäck eines queeren Fluggastes überprüft.
Und es ist nicht nur das ungewöhnliche Aussehen, das zu Verwirrung führt, sondern auch die Vielzahl an Formen und Größen. „Wir haben uns trotzdem daran gewöhnt“, erklärt der schwule Sven weiter. „Wenn du ein bisschen Erfahrung hast, weißt du, dass die Leute ihren Koffer immer mit den verrücktesten Dingen vollstopfen, besonders wenn es um die queere Szene geht oder schwule Jungs auf die Kanaren oder nach Griechenland fliegen. Wir haben einfach gelernt, dass das, was sich für uns normal anfühlt, für andere nicht immer dasselbe bedeutet. Es ist halt ein bisschen wie ein Überraschungsei – man weiß nie, was drin ist.“
Viel Humor bei den Fachkräften
Aber keine Sorge: Die Sicherheitsleute nehmen es mit Humor. Selbst wenn ein schwuler Fluggast seinen Buttplug auf dem Röntgengerät sichtbar macht oder sich als übermäßig leidenschaftlicher Fan von Kinky-Accessoires outet, bleibt die Haltung stets professionell. „Wir sind dafür da, das zu prüfen und dafür zu sorgen, dass nichts Gefährliches im Gepäck ist. Was privat dazwischen landet, ist uns eigentlich egal, es sei denn, es ist ein echtes Sicherheitsrisiko. Aber der Blick einiger heterosexueller Kollegen… der ist manchmal unbezahlbar“, so Sven weiter.
Doch natürlich gibt es auch eine Schattenseite. Manche queere Passagiere schämen sich, wenn ihre persönlichen Utensilien im Security-Check plötzlich eine öffentliche Bühne bekommen. „Da gibt es schon den einen oder anderen peinlichen Moment“, gibt Sven zu. „Klar, wir sind ja auch nur Menschen, und auch wir haben manchmal den Eindruck: ‚Echt jetzt?‘ Aber wir bleiben professionell, wir fragen niemals nach und behandeln es wie alles andere.“
Komplizierte Fragen
Gelegentlich stellen sich allerdings insgeheim trotzdem Fragen: Was tut man mit einem Dildo, der so groß ist wie ein Rucksack? „Da gab es einen Passagier, der uns stolz erklärte, der Dildo sei nicht nur ein Lustobjekt, sondern auch ein ´wirkliches Kunstwerk´. Er hat uns sogar einen Vortrag über den Herstellungsprozess gehalten, der mehr technisches Wissen beinhaltete, als wir uns je gewünscht hätten!“, berichtet Sven mit einem Lächeln weiter. Doch auch hier gilt: Voller Einsatz, egal wie bizarr die Situation auch sein mag. „In Großstädten sind die Leute viel offener“, erklärt der Sicherheitsbeamte weiter. „Großstadtbewohner fliegen oft geschäftlich oder zum Spaß, und für viele gehört queerer Lifestyle einfach zum Alltag dazu. Aber wenn du auf einem Flughafen in einer kleineren Stadt bist, hast du manchmal das Gefühl, dass die unterschiedlichen Erwartungen an den Fluggast viel stärker sind.“ D
ann passiere es durchaus, dass einige Passagiere mit besonderen Utensilien für den privaten Gebrauch sich sehr unwohl fühlen können. Und so bleiben Flughäfen in kleineren Städten der Ort, an dem ein Blick auf den schwulen Fluggast und seine Dildos oft noch mehr Kopfschütteln auslöst. Der peinliche Moment, wenn das Rollband stoppt und die Koffer nach ihren ungewöhnlichsten Inhalten durchsucht werden, kommt hier mitunter einem Outing gleich. Die Größe des Sexspielzeugs bleibt dabei so oder so ein besonderer Aspekt. „Manchmal“, sagt Sven mit einem gewissen Hauch von Humor, „stellt sich heraus, dass der Dildo zu groß ist, um in das Handgepäck zu passen. Da muss man es eben umpacken oder in einem separaten Beutel transportieren.
Eine Frage der Größe
Ab einer gewissen Größe stellt sich auch die Frage, ob ein Sexspielzeug nicht auch als Waffe zum Einsatz kommen könnte, zumindest theoretisch. Aber ehrlich gesagt, zumeist haben wir alle unseren Spaß dabei. Und ein kurzer Flirt zwischendurch ist ja auch möglich. Ein Fluggast sagte mir einmal ganz direkt, er brauche den Dildo nur, solange er keinen Mann habe. Dabei grinste er mich an und fragte dann direkt nach, ob ich Single sei.“ So kann der Security-Mitarbeiter sogar zum erotischen Helden werden. Zumeist bleibt es aber laut Sven bei einem höflichen Lächeln. Langweilig wird es trotzdem nie und der Beginn einer Flugreise für einige LGBTIQ+-Menschen überdies zu einem Erlebnis, das man nicht mehr so schnell vergisst – mit Sicherheit! Und Sven gibt abschließend noch zu bedenken: „Das Leben ist zu kurz, um sich über Dildos in der Handgepäckkontrolle zu ärgern!“