SlutClub in Hamburg Die neuen Chefs Ralf und Dirk engagieren sich für die Community
Der SlutClub ist eine der wichtigen Institutionen der Community in Hamburg. Ende 2025 gab es kurzfristig einen Wechsel in der Chefetage, Thomas Pfizenmeier hat die Leitung abgegeben. SCHWULISSIMO hat mit den zwei neuen Chefs Ralf und Dirk gesprochen.
Wie ist es dazu gekommen, dass ihr zwei den SlutClub leitet?
Der bestehende Mietvertrag lief Ende November 2025 aus, das neue Mietvertragsangebot des Vermieters beinhaltete neben einer höheren Miete auch andere Regelungen. Thomas entschied sich dazu, das letztendliche Vertragsangebot nicht anzunehmen. Wir hatten also nicht viel Zeit zum Überlegen und so fiel der Entschluss zur Übernahme innerhalb von zwei Tagen, was uns durch die Unterstützung von Freunden vereinfacht wurde. Die Gründe, warum wir diesen Schritt gewagt haben, liegen vor allem darin, dass neben vielen unserer Gäste auch wir selbst der Meinung sind, dass nicht noch mehr Bars und Institutionen der schwulen Community wegfallen dürfen. Außerdem wären mit der Aufgabe des SlutClubs auch die Jobs der Kollegen weggefallen.
Wie habt ihr die ersten Monate als neue Chefs erlebt?
Die Arbeit im Club fühlt sich auch als Chef nicht so viel anders an. Wir machen das ja schon fast 22 Jahre. Die gefühlten Änderungen liegen eher in dem, was im Hintergrund passiert; das Gefühl, dass man es nun „für sich selber“ macht.
Wie schwierig ist es heutzutage, einen Club für schwule Männer mit Fetisch-Interesse zu betreiben? Haben sich diesbezüglich die Zeiten geändert?
Ja, die Zeiten haben sich geändert, aber man muss sein Programm eben auch an die Bedürfnisse der Gäste anpassen. Das hat der SlutClub immer versucht. Und daher möchten wir sagen, dass – auch wenn wir den Samstagabend den Männern mit Fetisch-Interesse vorbehalten – wir zwar ein Club speziell, aber bei weitem nicht ausschließlich für Fetischinteressierte sind. So bietet sich vor allem der Mittwoch als auch der Freitagabend für einen Besuch ohne Fetischoutfit oder zum Kennenlernen des Clubs an.Im Hinblick auf unsere Gäste: Diese werden teilweise immer offener und auf der anderen Seite viele aber auch wieder konservativer und intoleranter. Die Leichtigkeit der Neunziger und Zweitausender, wo man das Gefühl hatte, alles ist möglich, ist vorbei. Wir denken daher, dass Läden wie der SlutClub als Safe Spaces wieder wichtiger werden und erforderlich bleiben.
Im Fetisch-Bereich hört man immer wieder, dass es einen Mangel an jungem Nachwuchs gibt.
Nein, das denken wir nicht. Es ist ja nicht so, dass die Jungs keinen Fetisch mehr haben. Um diesen nicht nur in den eigenen vier Wänden auszuleben, bedarf es gerade entsprechender Clubs und Bars. Jedoch war Fetisch früher Leder, Gummi, Army – das war’s. Heute ist Fetisch vielfältiger geworden. Workwear, Neopren, Sportswear und viele weitere Vorlieben sind hinzugekommen. Und auch alle die wird ein Besucher bei uns im Club antreffen. In der Natur der Sache liegt es, dass ganz junge Gäste in der Fetischszene eher selten vertreten sind, aber das war schon immer so. Ansonsten reicht die Altersspanne bei unseren Gästen von 25 bis 70.
Wie sieht für Euch der ideale Slut-Gast aus?
Ein idealer Slut-Gast ist für uns jemand, der neugierig und entspannt ist, andere Gäste und deren Interessen respektiert und einfach eine gute Zeit bei uns verbringen will. Gerne sehen wir natürlich, wenn Gäste auch an Tagen ohne Dresscode in Fetischoutfit kommen. Einschränkungen beim Einlass bezüglich Körperbau oder Alter haben wir nicht. Jeder Topf hat seinen Deckel und Alter und Körperbau sagen nichts über den Menschen aus.
Fetisch und Cruising sind bis heute wichtige Bestandteile der schwulen Community. Trotzdem gibt es diesbezüglich noch immer mancherorts Vorurteile. Nervt Euch das?
Ja, Vorurteile gegen Fetisch- und Cruising gibt es noch immer und das auch aus den „eigenen“ Reihen von schwulen Menschen. Selber fünf Dates über Grindr in der Woche machen, aber jemanden, der in einem Darkroom Sex hat, verurteilen, ist genauso blödsinnig, wie der heterosexuelle Ehemann, der heimlich die Wäsche seiner Ehefrau anzieht und sich dann über „diese Schwuchteln in Leder“ zum CSD aufregt. Die Gesellschaft muss da noch viel lernen. Dennoch gibt es viele Länder, in denen es weitaus schwieriger bis unmöglich ist, zu sein, wie man ist. Wichtig finden wir noch zu erwähnen, dass auch bestimmte Fetische wie Army oder Skin nicht immer etwas mit der politischen Ausrichtung des Menschen zu tun haben, aber dennoch gerne von anderen in diese Ecke gestellt werden. Rassistische Menschen haben als Gäste bei uns nichts verloren.
Wer Euch noch nicht kennt: Was erwartet schwule Männer im Club?
Als erstes erwartet Männer am Einlass beziehungsweise der Garderobe ein vielleicht auch mal etwas forscher Mitarbeiter, durch dessen Art man sich aber nicht abschrecken lassen sollte. Wenn man’s bis zum Tresen geschafft hat, trifft man hier auf weitgehend nette Barkeeper, die versuchen, alle schnellstmöglich zu bedienen. Und dann sind da natürlich noch die anderen Gäste. In der Regel sind das ganz umgängliche Typen. Kurz gesagt, neue Gäste sollten keine Scheu haben, sondern einfach mal reinzuschauen.
Ralf und Dirk, vielen Dank euch zwei und alles Gute!