Lukas Sauer packt aus Zwischen Nacktheit und Nervenkitzel
In der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg können wir ab Mitte April die vielschichtige und spannende Kriminalkomödie „Ein gemeiner Trick“ von David Foley erleben. Das Erfolgsstück ist seit nunmehr sechs Jahren auf deutschen Bühnen zu sehen, eine der Hauptrollen wird verkörpert von Lukas Sauer. SCHWULISSIMO traf den sympathischen Schauspieler (GZSZ, Unter Uns) und Moderator (Cologne Pride) zum Gespräch, der zwei Tage nach der ersten Aufführung in Hamburg seinen 35. Geburtstag feiert.
Lukas, seit 2021 spielt Du eine der Hauptrollen in der Kriminalkomödie. Was fasziniert dich bis heute an der Geschichte?
Das Spannende daran ist, dass die Geschichte kein totes Drehbuch ist, die man irgendwann mal abgehakt hat. Obwohl wir ‚Ein gemeiner Trick‘ jetzt im sechsten Jahr spielen, tauchen bei jeder Vorstellung plötzlich neue Facetten auf. Mal merkt man einen winzigen Blick von Ulrike, der vorher nie da war, mal rutscht einem selbst ein Satz anders raus und plötzlich macht die ganze Szene einen völlig neuen Sinn. Ich entdecke immer noch Momente, in denen ich denke: ‚Moment... war das die ganze Zeit da drin und ich Idiot hab’s nicht gecheckt?‘. Theater ist ja kein Netflix-Film, den man produziert hat und dann fertig. Ein Theaterstück lebt. Es atmet mit dem Publikum, mit der Energie im Saal, mit dem, was draußen gerade los ist. Manche Abende ist Billy der charmanteste Fiesling der Welt, an anderen der traurigste Idiot seit Erfindung der Peinlichkeit. Und beides fühlt sich richtig an. Genau das macht es spannend. Unser Stück wird nie „fertig“. Und solange das Publikum lacht, mitfiebert und am Ende applaudiert, obwohl sie die Pointe schon sechs Jahre kennen, solange denk ich mir: Okay, das ist eigentlich der coolste Job der Welt.
Hast Du noch ab und zu noch Lampenfieber?
Tatsächlich habe ich immer noch Lampenfieber. Und ehrlich gesagt finde ich das auch gut so. Dieses Kribbeln bringt mich sofort in die Konzentration. Im Theater ist ja wirklich kein Abend wie der andere, selbst wenn man ein Stück schon viele Male gespielt hat. Jede Vorstellung hat ihre eigene Energie. Das Gefühl kurz vor der Vorstellung ist für mich ein bisschen wie vor einer Achterbahnfahrt. Man weiß, gleich geht’s los, aber man hat keine Ahnung, wie die Fahrt heute genau laufen wird. Und genau das macht den Reiz aus. Diese Mischung aus Respekt, Spannung und Vorfreude.
Was erwartet die Zuschauer?
Ich liebe dieses Stück, weil es viele gesellschaftliche Themen streift, ohne sie sofort zu bewerten. Heute hat man ja oft das Gefühl, dass bei politischen oder gesellschaftlichen Fragen sehr schnell die Moral-Keule geschwungen wird. Dieses Stück macht genau das Gegenteil. Es zeigt Situationen, Perspektiven und Widersprüche und überlässt es dem Publikum, sich selbst eine Meinung zu bilden. Außerdem ist es ein Stück mit unglaublich vielen Wendungen. Viele entdecken beim zweiten oder dritten Mal sogar Dinge, die ihnen vorher gar nicht aufgefallen sind. Und zwischendrin gibt es natürlich auch viele sehr humorvolle Momente. Auch das Thema Homosexualität spielt eine Rolle, aber wie genau, das möchte ich lieber nicht verraten. Sonst würde ich einen Teil der Überraschungen vorwegnehmen.
Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseurin Marion Kracht, die zwischen Usedom-Krimi und Babylon Berlin auf ein breites Schaffenswerk zurückblicken darf? Und wie mit deinen zwei Spielpartnern Ulrike Frank und Carsten Hayes?
Die Zusammenarbeit mit Marion als Regisseurin und mit meinen beiden Kollegen war für mich wirklich ein großes Geschenk. Das sagt man vielleicht schnell, aber in diesem Fall meine ich es sehr ernst. Diese Produktion hat meine Arbeit als Schauspieler tatsächlich verändert und mich auch persönlich ein Stück weitergebracht. Der Probenprozess war intensiv und hat uns alle sehr gefordert. Gerade solche Phasen sind ja oft die, in denen man am meisten lernt. Im Rückblick bin ich unglaublich dankbar für diese Herausforderungen, weil sie mich gezwungen haben, Dinge neu zu denken und über mich hinauszuwachsen. Marion bringt eine enorme Erfahrung mit, die dem Stück sehr gutgetan hat. Und mit Ulrike und Carsten zu spielen, ist wirklich besonders. Ulrike arbeitet mit einer großen Präzision und einem sehr feinen Gespür für Timing, das hält einen als Spielpartner immer wach. Und Carsten hat eine wunderbare Leichtigkeit auf der Bühne und schafft es immer wieder, neue Impulse ins Spiel zu bringen. Außerdem verbindet uns eine große Leidenschaft für guten Kuchen, was die Zeit auf Tour sehr angenehm gemacht hat.
Deine Rolle ist vielschichtig und fordert auf verschiedenen Ebenen heraus. Würdest Du dir solche Rollen auch mehr im Fernsehen wünschen?
Billy ist tatsächlich eine Rolle, die man im deutschen Fernsehen oder Kino im Moment eher selten sieht. Er hat nach außen eine große Vertrauenswürdigkeit, fast etwas Charmantes und Leichtes und gleichzeitig verbirgt sich darunter ein ziemlich tiefer Schmerz. Diese Gegensätze machen die Figur für mich so spannend. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die deutsche TV-Landschaft bei solchen Figuren etwas vorsichtig verhält. Tragik ist oft schon von außen sichtbar oder sehr eindeutig erzählt. Billy funktioniert genau andersherum: Man entdeckt seine Abgründe erst nach und nach. Genau deshalb ist er für mich auch eine absolute Traumrolle. Er ist charmant, böse, wütend, verspielt, manchmal alles gleichzeitig. Diese Widersprüche machen die Figur für mich als Schauspieler unglaublich reizvoll und geben auch dem Publikum viel Raum, immer wieder neue Seiten zu entdecken.
Viele deiner Fans kennen dich bereits seit deiner Zeit bei „Unter Uns“, inzwischen hast Du aber auch mit Weltstars wie Jean Reno vor der Kamera gestanden. Mit welchen Schauspielern und Schauspielerinnen würdest Du unbedingt noch drehen wollen?
Oh, da gibt es tatsächlich einige Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich sehr gerne einmal arbeiten würde. Mir fallen spontan Jo Weil, Maria Kempken, Svenja Jung oder Karo Berger ein. Aber ehrlich gesagt könnte ich diese Liste noch ziemlich lange weiterführen. Das Schöne ist, dass ich diese Kolleg*innen schon länger kenne, und was gibt es Besseres, als mit Menschen zu arbeiten, mit denen man sich auch menschlich versteht. Wenn eine gewisse Vertrauensebene da ist, kann das das gemeinsame Spiel unglaublich beflügeln. Das habe ich zum Beispiel auch bei GZSZ gemerkt. Ich war zwar neu im Cast, aber einige Kollegen kannte ich schon vorher. Dadurch fiel dieser soziale Druck weg, den man manchmal hat, wenn man ganz neu in ein Team kommt und so konnten wir uns sofort sehr konzentriert und frei auf die Arbeit einlassen. Und mit Jo sehe ich ehrlich gesagt großes Potenzial für eine richtig schöne Romanze auf der Leinwand... oder vielleicht auch für eine Vater-Sohn-Geschichte. Das würde ich mir offenhalten.
Wir würden beides sehr gerne ansehen! Was macht dir inzwischen denn mehr Freude: Film oder Theater?
Das ist tatsächlich schwer zu beantworten, weil beide Bereiche ihren ganz eigenen Reiz haben. Theater ist für mich deutlich intensiver. Man erlebt den Abend gemeinsam mit dem Publikum, alles passiert im selben Moment, und kein Abend ist wie der andere. Diese unmittelbare Energie auf der Bühne ist etwas ganz Besonderes. Film und Fernsehen haben dafür eine ganz andere Reichweite. Man erreicht viel mehr Menschen, und das ist natürlich super spannend, gerade wenn man Geschichten erzählt, die etwas auslösen oder eine bestimmte Botschaft transportieren. Bei dem Stoff, der mir aktuell als Schauspieler angeboten wird, zieht es mich im Moment stärker zum Theater. Dort finde ich im Augenblick die Rollen, die mich wirklich reizen und herausfordern.
Du warst in der Serie „Sunny“ bereits nackt zu sehen und zeigst dich jetzt auch auf der Theaterbühne mitunter nur leicht bekleidet. Fällt dir das leicht oder wie gehst Du damit um?
Als Schauspieler ist der eigene Körper unser Instrument. Dabei geht es nicht nur um Stimme und Emotionen, sondern eben auch um Präsenz und Erscheinung. Das nehme ich ernst, weshalb man mich auch ziemlich regelmäßig im Gym sieht. Am Ende geht es darum, dass ich mich in meinem Körper wohlfühle. Nacktheit ist im Theater oder vor der Kamera ja nie Selbstzweck, sondern ein Stilmittel. Regisseure setzen sie ein, um etwas zu erzählen. Manchmal geht es um Intimität, manchmal um Irritation oder einfach darum, Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Moment zu lenken. Ich sehe das deshalb sehr pragmatisch. Ich habe mein Instrument gestimmt und solange dieses Stilmittel für eine Rolle oder eine Geschichte sinnvoll ist, bin ich grundsätzlich offen dafür.
Hast Du schon weitere berufliche Pläne oder neue Projekte?
Ich moderiere viele Events, zum Beispiel den CSD in Köln, was mir unglaublich viel Spaß macht. Diese direkte Verbindung zum Publikum ist etwas, das ich sehr liebe. Parallel baue ich auch meine Entertainer-Seite auf Social Media weiter aus. Die Videos zu drehen macht mir große Freude, und ich merke, dass die Leute gerne zuschauen und sich von guter Laune anstecken lassen. Das ist ein schönes Gefühl. Darüber hinaus werde ich Anfang April bei „Alles was zählt“ zu sehen sein, darauf freue ich mich sehr. Mehr darf ich noch nicht verraten, aber es ist auf jeden Fall ein schönes Kapitel.
Was machst Du am liebsten abseits der Bühne in deiner Freizeit?
In meiner Freizeit gehe ich tatsächlich ziemlich gerne ins Gym, einfach, um den Kopf freizubekommen und ein bisschen Energie loszuwerden. Außerdem liebe ich gutes Essen. Ich koche selbst gerne, lasse mich aber mindestens genauso gerne von meinem Mann bekochen, oder wir gehen einfach zusammen essen. Wir sind beide große Fans von gutem Essen. Ansonsten habe ich eine kleine Leidenschaft dafür entwickelt, meine Wohnung neu einzurichten. Ich probiere gerne Dinge aus und verändere ständig irgendetwas. Und wenn es die Zeit zulässt, fahre ich natürlich auch sehr gerne zu meiner Familie. Das ist für mich der perfekte Ausgleich zum oft ziemlich turbulenten Arbeitsalltag.
Im Theaterstück verführst Du als junger Kellner mit Hintergedanken die wohlhabende Camille Dargus. Wie sieht es mit deinen Verführungskünsten zu Hause bei deinem Ehemann Henrik aus?
Verführen würde ja heißen, dass ich ihn zu etwas bringe, was er gar nicht tun will. Wir ticken aber ziemlich ähnlich. Henrik muss also nie etwas für mich tun, was er nicht tun will. Ich lasse ihm höchstens manchmal das Gefühl, dass er die Entscheidung ganz selbst getroffen hat...😉
Lukas, vielen lieben Dank für das Interview und Toi Toi Toi für Hamburg. (ms)
EIN GEMEINER TRICK
Kriminalkomödie von David Foley
mit Ulrike Frank, Lukas Sauer und Carsten Hayes
Komödie Winterhuder Fährhaus: 17. April bis 3. Mai 2026
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