Starker Anstieg von Homophobie Neue UK-Kampagne will Übergriffe aktiv bekämpfen
Noch immer gibt es weltweit Probleme mit Hass auf Homosexuelle im Umfeld des Fußballs, das zeigten erst in dieser Woche ein aktueller Fall aus Brasilien sowie die brutalen Angriffe auf den bisexuellen Schiedsrichter Pascal Kaiser in Deutschland. Auch in Großbritannien kommt es immer wieder zu Anfeindungen und Hetze gegenüber Schwulen. Die britischen Organisationen „Kick It Out“ und „Football v Homophobia“ haben deswegen jetzt eine neue Kooperation zur Meldung von Anti-LGBTIQ+-Hassvorfällen im Fußball bekannt gegeben. Ziel der Partnerschaft ist es, die steigende Zahl an Übergriffen und Diskriminierungen im Fußball zu bekämpfen.
Rekordanstieg von Hassvorfällen
Im Rahmen der Zusammenarbeit wird das Reporting-Team von „Kick It Out“ für die Bearbeitung der Meldungen beider Organisationen zuständig sein, während „Football v Homophobia“ Unterstützung für die Opfer über sein Netzwerk anbieten wird. Die Ankündigung erfolgte nach einem Rekordanstieg an gemeldeten Anti-LGBTIQ+-Vorfällen bei „Kick It Out“. Bereits mehr als fünf Monate vor dem Ende der aktuellen Saison wurden 139 Übergriffe gemeldet – eine Zahl, die den gesamten Vorjahreswert erreicht hat. Diese Fälle betrafen sowohl den Profifußball als auch den Amateurbereich und Online-Plattformen.
Im Vorjahr wurde auch ein erheblicher Anstieg von Sexismus, Homo- und Transphobie und Hass aufgrund von religiösen Überzeugungen verzeichnet, wie das britische Innenministerium bestätigte. Auch in der Premier League und der EFL gab es vermehrt Anti-LGBTIQ+-Attacken. Sehr auffällig waren 49 Premier-League-Spiele, in denen homophobe Vorfälle dokumentiert wurden – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Saison zuvor. Besonders betroffen waren die Spiele von Brighton und Chelsea, ein häufiger Vorfall bei Chelsea-Fans ist der homophobe „Chelsea Rent Boy“-Sprechgesang, der auf die Geschichte des Clubs verweist. Laut den Behörden-Daten verzeichneten alle 20 Premier-League-Teams mindestens ein Spiel, bei dem ein homophober Vorfall gemeldet wurde.
Es muss mehr passieren
Chris Paouros, stellvertretender Vorsitzender von „Kick It Out“, erklärte: „Der Anstieg der Meldungen über Homophobie in dieser Saison zeigt, dass der Fußball trotz aller Fortschritte noch stärkere Maßnahmen ergreifen muss, damit LGBTIQ+-Gemeinschaften im Sport ein echtes Gefühl der Zugehörigkeit und des Respekts erleben können. Das bedeutet, die Gemeinschaft zu feiern, Bildungsmaßnahmen zu fördern, das Melden von Vorfällen zu ermutigen und dafür zu sorgen, dass bei Vorfällen größere Verantwortung übernommen wird.“
Zudem betonte Paouros weiter: „Obwohl der homophobe Gesang im Zusammenhang mit dem Chelsea Football Club mittlerweile eine Straftat darstellt, erhalten wir immer noch Berichte darüber, dass er weiterhin gesungen wird. Besonders auf Amateurebene ist der homophobe Missbrauch in dieser Saison stark angestiegen.“ Und Lou Englefield von „Football v Homophobia“ betonte: „Obwohl es in dieser Saison bereits einen deutlichen Anstieg der Berichte über Anti-LGBTIQ+-Sprache und -Verhalten im Fußball gab, ist es wichtig zu betonen, dass viele Vorfälle von Homophobie und Transphobie weiterhin ungemeldet bleiben.“
Eine Umfrage unter LGBTIQ+-Fußballfans dokumentierte dabei den Wunsch, dass Homophobie ernster behandelt wird. Weniger als ein Viertel der Fans, die solche Diskriminierung erlebt oder beobachtet haben, meldeten diese Vorfälle tatsächlich, so das traurige Fazit der Studie. Mit der neuen Zusammenarbeit hofft „Football v Homophobia“, das Vertrauen in den Meldeprozess zu stärken und eine breitere Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren.