Ermittlungen nach Antrag Kölner Bar beschuldigt bisexuellen Schiedsrichter mehrerer Delikte
Nach dem öffentlichkeitswirksamen Heiratsantrag des bisexuellen Amateur-Schiedsrichters Pascal Kaiser beim Bundesliga-Heimspiel des 1. FC Köln letzten Freitag ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen schwerwiegender Vorwürfe. Konkret geht es um die Aufenthaltsermittlung von Kaiser und mehrerer vorgeworfener Delikte.
Fahndung nach Kaiser
Kurz nach dem Heiratsantrag vor 50.000 Fans meldeten sich die Betreiber einer Kölner Bar in den sozialen Medien zu Wort und erhoben Vorwürfe gegen den Schiedsrichter. Er habe vor einigen Jahren als Betriebsleiter in dem Unternehmen gearbeitet und werde polizeilich gesucht, hieß es. Nach der Verbreitung der Aufnahmen hätten sich weitere Personen mit ähnlichen Anschuldigungen gemeldet. Kaiser soll mit einem „Wochenumsatz, Wechselgeld sowie einem Laptop" spurlos verschwunden sein, so die Vorwürfe der Bar.
Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft Köln gegenüber dem Kölner Express mit, dass „Verantwortliche einer in Köln beheimateten Bar“ bereits im Jahr 2024 Strafanzeige gegen einen ehemaligen Mitarbeiter erstattet hätten. Das Verfahren sei Anfang 2025 vorläufig eingestellt worden, da es keine gesicherten Erkenntnisse zum Wohn- oder Aufenthaltsort des Beschuldigten gegeben habe. In der Folge seien „strafprozessuale Maßnahmen zur Aufenthaltsermittlung“ eingeleitet worden.
Anwalt weist Vorwürfe zurück
Weiter erklärte die Staatsanwaltschaft, Ereignisse rund um das Heimspiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg sowie Erkenntnisse aus sozialen Netzwerken würden bei den weiteren Ermittlungen berücksichtigt. Ob es sich bei dem Gesuchten tatsächlich um Kaiser handelt, bestätigte die Behörde nicht und verwies auf die „im Ermittlungsverfahren geltende Unschuldsvermutung“. Der Anwalt von Kaiser wies die Vorwürfe indes zurück. Sein Mandant habe keine Kenntnis davon gehabt, „dass eine Strafanzeige vorliegt und die Staatsanwaltschaft seinen Aufenthaltsort ermittelt“. Kaiser selbst zog sich derweil zurück, seine Konten in den sozialen Medien sind auf privat gestellt worden.
Reaktion des 1. FC Köln
Der 1. FC Köln hat sich inzwischen mit einer ausführlichen Erklärung zu der Sachlage geäußert und betonte, die rechtliche Einordnung der gegen Kaiser erhobenen Vorwürfe falle in die Zuständigkeit der staatlichen Behörden. „Als wir die Anfrage für den ersten homosexuellen Heiratsantrag in einem Bundesliga-Stadion erhielten, war es für uns selbstverständlich, diesem wichtigen Zeichen für queere Sichtbarkeit einen entsprechenden Rahmen zu geben. Die positiven Reaktionen weltweit zeigen, wie viel Kraft dieses Symbol entfaltet hat“, so der Club in seinem Statement.
Zudem bekräftigte der 1. FC Köln weiter: „Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Gäste unserer Stadionshow oder Interviewpartner unserer Clubmedien nicht vorab einer polizeilichen Hintergrundprüfung unterziehen. Während ein Führungszeugnis bei der Einstellung neuer Mitarbeitender in sensiblen Bereichen wie der Nachwuchsarbeit oder Fanbetreuung beim 1. FC Köln obligatorisch ist, wäre ein solches Vorgehen für Interviewpartner im Alltag weder praktikabel noch angemessen. Die aktuellen Berichte über die Vergangenheit und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe haben wir mit Überraschung zur Kenntnis genommen. Überprüfen können wir sie nicht. Sie ändern jedoch nichts daran, dass wir als Verein ohne Wenn und Aber zu den genannten Werten stehen.“ Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe der Club Kontakt mit Kaiser aufgenommen, der laut Aussage des 1. FC Köln die Vorwürfe bestreitet.
Online bestätigte sich inzwischen, dass Kaiser bereits im November 2023 einem anderen Freund im Rahmen einer PR-Aktion der Sparkasse Köln/Bonn auf dem Dach des Rhein-Energie-Stadions einen Heiratsantrag gemacht hatte – das Video ist in den sozialen Medien nach wie vor abrufbar.