Heiratsantrag im Fußball Schiedsrichter Pascal Kaiser wagte den Schritt im Stadion des 1. FC Köln
Ein besonderer Moment, der schon jetzt Geschichte geschrieben hat: Der bisexuelle Schiedsrichter Pascal Manuel Kaiser (28) hat am Freitagabend vor dem Bundesliga-Spiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg seinem Partner Moritz im Rheinenergie-Stadion einen Heiratsantrag gemacht – vor 50.000 Fans. Mit dem Stadionmikrofon in der Hand ging Kaiser vor seinem Freund auf die Knie – begleitet vom Applaus der Zuschauer. Moritz sagte Ja, das Paar küsste sich auf dem Rasen.
Große Sichtbarkeit nach Outing
Der Antrag fand im Rahmen des Diversity-Spieltags des FC statt. Kaiser, der als Amateur-Schiedsrichter bis zur Landesliga pfeift, gehört seit seinem Coming-Out im Jahr 2022 zu den wenigen offen bisexuellen Personen im deutschen Fußball. „Ich möchte mich nicht verstecken, sichtbar sein. Nicht laut, provokant, sondern ehrlich. Ich will, dass jeder sieht, dass ich diesen Menschen liebe. Einen Mann, als Mann, im Fußball“, so Kaiser.
Im Interview mit SCHWULISSIMO hatte Kaiser im letzten Jahr noch davon erzählt, dass er immer wieder Homophobie und Mobbing im Fußball erlebt habe. Zu seinem Coming-Out vor knapp vier Jahren sagte er: „Mein Outing war eines der mutigsten, aber auch eines der befreiendsten Dinge, die ich je getan habe. Plötzlich fiel diese ständige innere Anspannung ab, dieses doppelte Leben, das so viele queere Menschen führen, gerade im Fußball. Ich konnte endlich sagen: Das bin ich. Gleichzeitig war es, als hätte ich ein Licht angemacht – und auf einmal wurde sichtbar, wie viel Staub noch in den Ecken liegt. Ich wurde mit enormem Zuspruch, aber auch mit enormem Hass konfrontiert. Ich bekam Nachrichten von Jugendlichen, die sagten: „Danke, jetzt traue ich mich auch.“ Aber auch Morddrohungen, Beleidigungen und Herabwürdigungen. Diese Diskrepanz zeigt, wie sehr wir Sichtbarkeit brauchen – aber auch, wie weit wir noch von echter Akzeptanz entfernt sind.“
Wunsch nach großem Antrag
Das Licht auf Kaiser dürfte nach seinem Heiratsantrag noch stärker scheinen – für Sichtbarkeit für die Community hat der Fußball-Liebhaber definitiv gesorgt und trägt ein Stück weit mehr dazu bei, Homo- und Bisexualität im Profisport zu normalisieren. Sein Verlobter Moritz hatte sich einen großen Heiratsantrag gewünscht, wie er gegenüber dem Tagesspiegel erklärte: „Angefangen hat alles damit, dass mein Partner einmal sagte: Wenn du mir irgendwann einen Antrag machst, dann bitte einen großen. Ich habe lange darüber nachgedacht, was ´groß´ eigentlich bedeutet – und wie man das umsetzen kann. Als ich dann im Sommer im Podcast des 1. FC Köln zu Gast war, kam plötzlich das Angebot: Warum den Antrag nicht im Stadion machen? Da war mir klar: Das ist die perfekte Gelegenheit!“
Mutmacher für andere?
Zudem betonte Kaiser weiter: „Mir war klar: Wenn ich das mache, dann ist das ein Statement – und ich erreiche viele Menschen. Vielleicht gibt es manchen sogar einen kleinen Tritt in den Hintern, um zu zeigen: Natürlich gehört das alles zum Fußball.“ Beim Antrag selbst habe er dann alles gleichzeitig gefühlt: Angst, Stolz und pure Glücksgefühle, so Kaiser überglücklich.
Auch darüber hinaus stand der Abend in Müngersdorf ganz im Zeichen von Vielfalt. Die vier Stadionpfosten leuchteten in Regenbogenfarben, die Kölner Profis trugen ein Sondertrikot. Beim Einlaufen wurden die Spieler von Teilnehmern aus Projekten der FC-Stiftung begleitet. Ziel der Aktionen sei es, „wichtige Zeichen für Vielfalt im Sport und in der Gesellschaft zu setzen“, erklärte FC-Geschäftsführer Philipp Türoff. Sportlich feierte der 1. FC Köln einen wichtigen Erfolg im Abstiegskampf. Durch das 1:0 gegen Wolfsburg gelang der zweite Heimsieg in Serie.