Statt Zustimmung folgt Kritik US-Konservative kritisieren neue Kampagne gegen Ehe für alle
Viele bekannte US-amerikanische Organisationen, die gegen die Rechte von homosexuellen Menschen eintreten, haben in dieser Woche eine neue offensive Kampagne gestartet, um die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wieder auszuschließen. Ihr Ziel: das Grundsatzurteil Obergefell v. Hodges, das seit 2015 die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit ermöglicht, vor dem Obersten Gerichtshof zu kippen. Doch die Strategie sorgt überraschend vor allem für Unmut – und das ausgerechnet im eigenen konservativen Lager.
Konservative Kritik dominiert die Reaktionen
Die Allianz propagierte ihre neue Initiative mit einem aufwendig produzierten Video in sozialen Netzwerken, in dem führende ultrakonservative Aktivisten wie der Vorsitzende des Family Research Council, Tony Perkins, und die Anti-Abtreibungs-Lobbyistin Lila Rose behaupten, die Ehe für alle würde Kindern schaden. Viele konservative Nutzer und Nutzerinnen distanzierten sich jedoch umgehend in den Kommentaren. Sie betonten, dass gleichgeschlechtliche Paare längst zum Alltag gehörten und auch in ihren Freundes- und Familienkreisen akzeptiert seien. Sogar einige Anhängerinnen und Anhänger der Republikanischen Partei machten klar: Wer in den USA gegen die Ehegleichstellung votiere, schneide sich politisch ins eigene Fleisch.
Wachsende Akzeptanz und rechtliche Hürden
Aktuell unterstützen laut aktuellen Umfragen zwei Drittel der erwachsenen US-Bevölkerung die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, darunter immer noch eine beachtliche Minderheit der republikanischen Wählenden. Juristisch gestaltet sich eine Rücknahme des Urteils ohnehin schwierig: Der Supreme Court hat Anträge auf Revision zuletzt abgelehnt, und entscheidende Richterinnen wie Amy Coney Barrett äußerten Zweifel, ob das Recht auf Eheschließung angetastet werden sollte. Hinzu kommt, dass kein relevanter Fall dazu anhängig ist.
„Es ist 2026. Die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner kennen und lieben mittlerweile Personen, die gleichgeschlechtlich verheiratet sind – wir werden nicht mehr gegen ihre Ehen stimmen“, bemerkte eine konservative Stimme stellvertretend.
Die jüngste Kampagne zeigt, wie weit das gesellschaftliche Klima in den USA inzwischen von früheren Frontlinien entfernt ist. Während engagierte Gruppen weiterhin versuchen, LGBTIQ+-Rechte zurückzudrängen, bleibt der breite gesellschaftliche und politische Rückhalt für bestehende Gleichbehandlungsrechte bemerkenswert stabil. Gerade für Parteien, die auf Wahlerfolge angewiesen sind, ist der Vorstoß hochriskant. Wie weit können sie sich noch gegen gesellschaftliche Realitäten stellen – oder verhelfen sie der Akzeptanz am Ende gar zum weiteren Durchbruch?