Direkt zum Inhalt
Prien bekräftigt Ende Aktionsplan
ANZEIGE

Prien zum Aktionsplan Regierung setzt neue Prioritäten ohne queeren Aktionsplan

ms - 29.01.2026 - 12:30 Uhr
Loading audio player...

Familienministerin Karin Prien (CDU) will im kommenden Jahr andere politische Akzente setzen und sieht keinen Spielraum mehr für eine Fortführung des früheren Aktionsplans „Queer leben“. In einer Sitzung des zuständigen Bundestagsausschusses stellte die Ministerin gestern die Vorhaben ihres Ressorts für 2026 vor, der Aktionsplan gehört nicht dazu. Scharfe Kritik kommt von der Linksfraktion. 

Rede ohne queere Themen 

Mitte Januar offenbarte eine Anfrage des queerpolitischen Sprechers der Linken, Maik Brückner, dass die Bundesregierung wenig Interesse an einer Ausarbeitung oder Fortführung des Vorhabens der Vorgänger-Regierung hat. Der LSVD+ forderte daraufhin eine Fortsetzung des Aktionsplans, in einer Petition sprachen sich bis heute auch rund 83.000 Menschen dafür aus. Der Kurs des zuständigen Ministeriums scheint indes weiter klar zu sein – ohne Aktionsplan. 

In ihrer Rede ging Prien unter anderem auf den Ausbau der Gleichstellungspolitik ein, mit einem besonderen Fokus auf Frauen im ländlichen Raum. Zudem kündigte sie eine Weiterentwicklung des Bundesprogramms „Demokratie leben“ mit verstärkter Extremismusprävention „ausdrücklich in alle Richtungen“ an. Themen mit Bezug zu queeren oder homosexuellen Menschen erwähnte sie dabei nicht.

Keine Notwendigkeit für Fortführung

Grünen-Abgeordnete Nyke Slawik sprach die Ministerin im Ausschuss deswegen direkt auf den Aktionsplan an und verwies dabei auf homophobes Mobbing und Gewalt an Schulen sowie auf jüngste Aussagen der Queerbeauftragten der Bundesregierung Sophie Koch (SPD), die kurz zuvor noch betont hatte, sich dafür einzusetzen, dass weitere Maßnahmen und Projekte umgesetzt werden.  

Prien entgegnete, der Aktionsplan sei ein „Vorhaben der 20. Legislaturperiode“ gewesen, das einen umfangreichen Beteiligungsprozess durchlaufen habe. „Ein erheblicher Teil der Maßnahmen, ich glaube 84 an der Zahl, sind bereits umgesetzt und es ist jetzt in der jeweiligen Ressortverantwortung, weitere Maßnahmen umzusetzen.“ Die Aufgabe der Queerbeauftragten sei es dabei, die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen „im Blick“ zu behalten. Der Aktionsplan als Instrument werde jedoch nicht weitergeführt, da er abgeschlossen sei.

Andere Prioritäten nach Regierungswechsel

Die Ministerin verwies darüber hinaus mehrfach auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung. „Wir haben uns im Koalitionsvertrag, und das ist die Grundlage für mein Handeln, da geht es gar nicht um meine persönliche Meinung, nicht darauf verständigt, einen neuen Aktionsplan aufzulegen.“ Ebenso habe es keinen Konsens gegeben, sämtliche Maßnahmen des bisherigen Plans fortzuführen. 

Einzelne queerpolitische Fragen könnten allerdings dennoch wieder auf die politische Agenda kommen, so Prien weiter mit Blick auf mögliche Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Zudem beobachte die Regierung sehr genau, „welche Minderheiten es in unserem Land besonders schwer haben“, und prüfe ressortübergreifend, wie Diskriminierung aufgrund sexueller oder geschlechtlicher Identität verhindert werden könne. Das abschließende Fazit der Ministerin: „Aber am Ende müssen Sie damit leben, dass sich beim Wechsel einer Regierung auch politische Schwerpunkte verändern.“

Kritik von Linksfraktion 

Der queerpolitische Sprecher der Linken, Maik Brückner, kritisierte die Statements mit deutlichen Worten und erklärte: „Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft ist Karin Prien ein Anliegen, queeres Leben nicht. Das ist doch wohl ein Witz! Nach Ansicht der Ministerin müsse man sich damit abfinden, dass sich die Schwerpunkte von Regierungspolitik ändern – als wäre die queerfeindliche Politik der CDU ein Naturgesetz. Die Verantwortung für die kümmerlichen Reste des Aktionsplans 'Queer leben', die sich womöglich in Umsetzung befinden oder auch nicht, hat Prien auf die Queer-Beauftragte abgewälzt.“ 

Zudem betonte Brückner: „Dass Informationen zum Aktionsplan von der Website des Ministeriums nach meiner Nachfrage zum Stand verschwinden, ist laut Prien Zufall. Wer's glaubt! Eine Petition zum Erhalt des Aktionsplans hat derweil innerhalb einer Woche rund 80.000 Unterschriften gesammelt. Das ignoriert die Bundesregierung – und auch beim Abstammungsrecht will Prien auf das Bundesverfassungsgericht warten. Von der Merz-Regierung haben queere Menschen nichts zu erwarten!“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kürzungen bei Lambda

Regierung begründet Entscheidung

Der Förderstopp des queeren Jugendnetzwerks Lambda sorgt weiter für scharfe Kritik, jetzt begründete die Bundesregierung diesen Schritt.
Die Jugend altert schneller

Studie über queere Gen-Z

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass beschleunigtes biologisches Altern das steigende Krebsrisiko bei jüngeren Menschen mit erklären könnte.
Attacke von Hunter Biden

Debatte um homophobe Heuchelei

Hunter Biden wirft führenden Republikanern vor, ihre Homosexualität zu verbergen und daraus Hass gegen Minderheiten abzuleiten.
Grindr wächst weiter

Viel Kritik ohne Folgen

Trotz anhaltender Kritik gewinnt Grindr weiter zahlende Nutzer – und baut seine Marktführerschaft im Dating für schwule Männer 2026 deutlich aus.
Flucht aus Nigeria

Leben in ständiger Angst

Ein 17-jähriger Schwuler aus Nigeria hofft auf Flucht – weil ihm in seiner Heimat wegen seiner sexuellen Orientierung Haft, Gewalt oder sogar der Tod drohen.
Nachbarschaftskrieg in Florida

Sieben Jahre Haft für Angreifer

Nach wiederholten queerfeindlichen Belästigungen schoss ein Mann in Florida seinen trans* Nachbarn nieder und muss nun sieben Jahre ins Gefängnis.
Neue Angriffe auf DJ Butch

Attacke von Linksextremisten

Nach dem Abbruch eines Auftritts von DJ Barbara Butch in Grenoble wächst die Kritik an der Aktion von linksextremen Aktivisten.
Ein Jahr ohne Helpline

LGBTIQ+-Jugendliche in den USA

Ein Jahr nach dem Ende der US-Krisenhilfe für LGBTIQ-Jugendliche bleibt die Zukunft des Angebots unklar – Experten warnen vor Risiken.
Flucht vor Putins Armee

Homosexuelle Russen in Angst

Russische Deserteure und homosexuelle Menschen fürchten bei einer Rückkehr Verfolgung. Deutschland bietet dabei derzeit nur begrenzten Schutz.