Direkt zum Inhalt
Anklage in Budapest

Anklage in Budapest Bürgermeister Gergely Karácsony erlaubte den CSD 2025

ms - 29.01.2026 - 08:00 Uhr
Loading audio player...

Gegen den Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony ist in Ungarn Anklage erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem liberalen Politiker seine Beteiligung an der Organisation des CSD im Juni 2025 vor. Nach Angaben der Behörde soll das Verfahren per Strafbefehl abgeschlossen werden; eine Hauptverhandlung ist demnach nicht vorgesehen. Ungarn offenbart damit kurz vor den Parlamentswahlen Mitte April erneut seinen strikten Kurs gegen LGBTIQ+. 

Ein „stolzer Angeklagter“

Karacsony reagierte auf die Anklage mit scharfer Kritik. „Ich bin von einem stolzen Verdächtigen zu einem stolzen Angeklagten geworden“, schrieb der Bürgermeister auf seiner Facebook-Seite. „Denn das scheint der Preis zu sein, den man in diesem Land zahlen muss, wenn man für die eigene Freiheit und die der anderen eintritt.“

Anlass des Verfahrens ist der Pride-Marsch in Budapest, an dem im Juni trotz eines polizeilichen Verbots rund 200.000 Menschen teilnahmen. Unter den Demonstranten befanden sich auch zahlreiche hochrangige Politikerinnen und Politiker aus verschiedenen europäischen Staaten. Die Kundgebung entwickelte sich zu einem der größten Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban in den vergangenen Jahren. Die Polizei hatte die Veranstaltung unter Verweis auf ein im März 2025 beschlossenes Kinderschutzgesetz untersagt, das Prides in der Öffentlichkeit generell verbietet. Karacsony versuchte daraufhin, das Verbot zu umgehen, indem er den Marsch als kommunale Veranstaltung anmeldete. 

Scharfe Kritik an der Anklage 

Kritiker sehen in dem Vorgehen der Behörden einen weiteren Schritt zur Einschränkung demokratischer Rechte im Vorfeld der Parlamentswahl am 12. April. Umfragen zufolge liegt die neu gegründete Mitte-Rechts-Partei Tisza derzeit neun bis zwölf Prozentpunkte vor Orbans Fidesz-Partei.

Der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion, Maik Brückner, erklärte: „Die Budapest Pride im vergangenen Jahr war ein historischer Triumph der queeren Communitys. Dass der Bürgermeister von Budapest wegen seiner Unterstützung der Demonstration angeklagt wird, ist ein Skandal. Ich fordere die Bundesregierung auf, den ungarischen Botschafter einzubestellen und sich gegenüber der Regierung von Viktor Orbán für ein Ende der Repression gegen Gergely Karácsony einzusetzen.“

Reaktionen aus Europa 

Parteichef Ciarán Cuffe von den Europäischen Grünen Partei (EGP) betonte: „Der CSD Budapest war eine kraftvolle Demonstration dafür, dass es ein Leben jenseits von Angst und Repression gibt. Der Versuch des Orbán-Regimes, Gergely Karácsony ohne die Gewährung eines Gerichtsverfahrens zu bestrafen, unterstreicht den autoritären Kurs Ungarns unter Orbán. Die europäischen Institutionen dürfen nicht wegsehen, wenn ein Mitgliedstaat friedliche Versammlungen und demokratische Führung kriminalisiert.“

Kritik kommt auch aus dem Nachbarland Österreich, SPÖ-Nationalratsabgeordnete Mario Lindner sprach von einem „klaren Angriff auf die Grundwerte Europas“. Es sei „vollkommen inakzeptabel“, einen Bürgermeister wegen einer friedlichen Kundgebung der Menschenrechte anzuklagen. Die Grünen-Abgeordneten David Stögmüller und Meri Disoski fordern dabei eine entschiedene Reaktion der EU: „Das ist ein Test, ob die EU ihre eigenen Werte verteidigt – und daraus müssen endlich konkrete Konsequenzen folgen. Menschenrechte sind nicht verhandelbar.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Kinder und Jugendliche

Stärkung der juristischen Rechte

Die UN will queere Kinderreichte stärken und betont: Kein LGBTIQ+-Kind darf aufgrund seiner Identität vom Zugang zur Justiz ausgeschlossen werden.
Neue Wege in Englands Kirche

Erstmals eine Frau an der Spitze

Zeitenwende in England: Erstmals wurde mit Sarah Mullally eine homosexuellen-freundliche Frau zur neuen Erzbischöfin von Canterbury ernannt.
Mehr Schutz in Rheinland-Pfalz

Landesgesetz gegen Diskriminierung

Rheinland-Pfalz hat als zweites Bundesland in Deutschland ein neues Gesetz erlassen, dass Diskriminierung in Behörden gegenüber LGBTIQ+ verbietet.
Forderung der Linksfraktion

Gedenken für alle queeren Opfer

Die Linksfraktion fordert eine offizielle Anerkennung der Bundesregierung aller queeren Opfer der Nationalsozialisten, nicht "nur" der homosexuellen.
Selenskyj bricht Versprechen

Keine Rechte für homosexuelle Paare

Rollback Ukraine: Präsident Selenskyj bricht sein Versprechen, das Parlament will ein extrem restriktives Gesetze gegen LGBTIQ+-Rechte einführen.
Mehr LGBTIQ+-Menschenrechte

Vorstoß von EU-Abgeordneten Zan

Der Grundrechtebericht des italienischen EU-Abgeordneten Alessandro Zan wurde jetzt im EU-Parlament angenommen. Ziel: Stärkung der LGBTIQ+-Rechte.
Gewalt im Iran geht weiter

Appell von Amnesty International

Im Iran kämpft das Regime nach wie vor um den Machterhalt, viele Aktivisten werden verschleppt, darunter mutmaßlich auch LGBTIQ+-Menschen.
Blutige Spur durch die USA

Über 1.000 Angriffe auf LGBTIQ+

Die Angriffe auf die LGBTIQ+-Community in den USA haben erneut 2025 zugenommen, besonders stark betroffen waren dabei Pride-Veranstaltungen.
Jetten wird Ministerpräsident

Minderheitenregierung bestätigt

In den Niederlanden haben sich 3 Parteien nun auf eine Minderheitenregierung geeinigt. Rob Jetten wird der erste schwule Ministerpräsident des Landes.