Direkt zum Inhalt

Radikalisierung in Uganda LGBTIQ+-Organisationen wurde Arbeitserlaubnis entzogen

Von ms - 27.01.2026 - 12:00 Uhr
Radikalisierung in Uganda
Foto: IMAGO / Xinhua
ANZEIGE
Loading audio player...

Im Zuge derer Präsidentschaftswahl Mitte Januar in Uganda hat die Regierung nun mehrere Menschenrechtsorganisationen die Arbeit untersagt. Betroffen sind vor allem Vereine und Gruppen, die sich für LGBTIQ+-Menschen im Land eingesetzt haben, darunter die angesehene Organisation Chapter Four Uganda.

Ein Präsident für die Ewigkeit 

Der radikale Kampf gegen die queere Community, insbesondere gegen schwule Männer, dürfte dabei weiter fortgesetzt werden, nachdem 2023 das neue Anti-Homosexuellen-Gesetz in Kraft getreten ist, das hohe Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Handlungen und Sex vorsieht. Die Wiederwahl von Präsident Yoweri Museveni (81) Mitte Januar wurde international vielerorts als Farce eingestuft, die Opposition sprach direkt von Wahlbetrug. Offiziell wurde der 81-Jährige mit 72 Prozent der Stimmen erneut gewählt, seit vierzig Jahren ist Museveni bereits Präsident von Uganda – und wird es wohl auch bleiben. Ein queerer Aktivist kommentierte die Lage so: „Diesen Präsidenten werden wir erst durch einen Hirntumor los.“  

Verbot von queeren Vereinen 

Klar ist, damit werden auch die Angriffe auf die LGBTIQ+-Community im Land weiter fortgesetzt werden, beginnend mit dem Verbot von wichtigen Menschenrechtsverbänden – in den Wochen vor der Wahl waren zudem bereits mehr als 500 Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten verhaftet worden, darunter laut unbestätigten Berichten wohl auch queere Menschen. Nun suspendierte das Nationale Büro für Nichtregierungsorganisationen (National Bureau for Non-Governmental Organisations) die Betriebserlaubnis von Chapter Four Uganda. 

Zur Begründung wurden vage Vorwürfe genannt, wonach Aktivitäten der Organisation „der Sicherheit und den Gesetzen Ugandas abträglich“ seien. Chapter Four Uganda arbeitete schwerpunktmäßig zu Fragen der Strafjustiz, geschlechtsspezifischer Gewalt, Arbeits- und Beschäftigungsrechten sowie zum Zugang zu Informationen. Die Organisation gilt als überparteilich und ist seit Jahren in der Menschenrechtsarbeit aktiv mit Schwerpunkt LGBTIQ+. 

Zeitgleich wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern sechs weitere Organisationen suspendiert: die Alliance for Election Finance Monitoring, das Human Rights Network for Journalists–Uganda, das National NGO Forum, das Center for Constitutional Governance, die National Coalition of Human Rights Defenders sowie das African Centre for Treatment and Rehabilitation of Torture Victims. 

Weitere Zuspitzung der Lage

Auch die Zeitung Nile Post wertete das Vorgehen als „jüngste Zuspitzung“ im Verhältnis zwischen Regierung und Zivilgesellschaft. Der Schritt habe neue Sorgen über den schrumpfenden Handlungsspielraum für kritische Stimmen und Menschenrechtsarbeit ausgelöst. Internationale Kritik kam unter anderem vom Robert & Ethel Kennedy Human Rights Center mit Stammsitz in den USA: „Solche repressiven Maßnahmen untergraben die Integrität und schwächen die Demokratie in ihrem Kern. Alle Akteure, einschließlich der Afrikanischen Union, müssen jetzt handeln“, so der Chef-Jurist Ikechukwu Uzoma.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.