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Schwule Männer mit Haaren

Schwule Männer mit Haaren Eine Entdeckungsreise durch ein einzigartiges Begehren

ms - 20.02.2026 - 16:00 Uhr
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In der weiten Landschaft der sexuellen Vorlieben und Fetische gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Präferenzen. Eine besonders faszinierende und oft noch unerforschte Neigung innerhalb der schwulen Männerwelt ist die Vorliebe für Männer mit Haaren. Ob es sich um das wilde, ungezähmte Markenzeichen eines vollen Bartes, die üppige Brustbehaarung oder die lockigen Haare auf dem Kopf handelt – für viele schwule Männer ist Haar mehr als nur ein kosmetisches Detail. Es kann zu einem zentralen Bestandteil der sexuellen Anziehung und der sexuellen Identität werden. Denken wir nur an den berühmten „Treasure Trail“ (auch „Happy Trail“ genannt), also jene Haarlinie, die vom Bauchnabel immer weiter südwärts ins gelobte Land führt. Doch war unsere Vergangenheit als Mensch ähnlich haarig wie unsere Gegenwart? 

Eine evolutionäre Reise 

Der Haarwuchs am Körper des Menschen ist durchaus auch ein faszinierendes biologisches Phänomen, das sowohl aus evolutionärer Sicht als auch in kultureller Hinsicht eine interessante Geschichte erzählt. Haare bei Männern, insbesondere die Körperbehaarung, sind ein Überbleibsel aus der Evolution des Homo sapiens. Während der Mensch im Laufe der Jahrtausende viele körperliche Merkmale verlor – etwa das dichte Fell, das unsere Vorfahren noch schützte – blieb der Haarwuchs an bestimmten Stellen erhalten, insbesondere auf dem Kopf, dem Gesicht und teilweise auf dem Körper. Körperbehaarung beim Mann, vor allem Brust- und Bauchhaare, hat sich vor allem mit der Pubertät und der Produktion von Sexualhormonen entwickelt. Sie sind ein sekundäres Geschlechtsmerkmal, das in vielen Kulturen als Zeichen der Männlichkeit gilt – und auch heute noch in der schwulen Kultur oftmals den zentralen Unterschied macht zwischen dem Boy oder dem Twink und einem Mann. 

Während der Haarwuchs aus biologischer Sicht die Funktion hat, den Körper vor Kälte zu schützen oder die Haut vor UV-Strahlung und Insekten zu bewahren, hat er in vielen Gesellschaften auch eine tiefere, symbolische Bedeutung. Über die Jahrhunderte hinweg gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Rolle Haare im Zusammenhang mit Männlichkeit und Erotik spielen. In einigen Epochen wurden sie als Symbol für Stärke, Männlichkeit und Sexualität gesehen, in anderen als unästhetisch oder sogar als Zeichen für Wildheit und Unkultiviertheit abgetan – auch dieser Mythos greift mancherorts bis heute innerhalb der Community.  

In der Antike waren Körperhaare vor allem im Hinblick auf die griechische und römische Mythologie wichtig. In diesen Kulturen galt ein gewisser Haarwuchs als Zeichen von Wildheit und männlicher Kraft. In der griechischen Mythologie etwa wird der Gott Pan oft mit einem dichten Pelz dargestellt, was mit seiner Verbindung zur Natur und zum ungebändigten Drang nach Sexualität zusammenhängt. In vielen Teilen des mittelalterlichen Europas galt der männliche Körper jedoch als eher verbesserungswürdig und die Behaarung, vor allem auf dem Rücken oder der Brust, wurde überdies oft negativ gewertet und als unkultiviert angesehen. Die Zeiten waren von einer sehr strengen moralischen Haltung geprägt, und Körperpflege – oder deren Fehlen – wurde oft mit der Frage der Sittsamkeit in Verbindung gebracht. Männer, die sich um ihre Körperhaare kümmerten und sie entfernten, galten als zivilisiert und kultiviert. In dieser Zeit waren also eher weniger Körperhaare ein erotisches Merkmal.

Idealisierung der Männlichkeit 

Mit der Renaissance änderte sich das Bild des männlichen Körpers und auch der Körperbehaarung. In der Zeit des Barock und der frühen Moderne nahm der „starke“ männliche Körper wieder an Bedeutung zu. Besonders in der Kunst der Renaissance wurden muskulöse, behaarte Männerkörper oft idealisiert, und es gab eine Rückbesinnung auf die antiken Ideale von Kraft und Schönheit. In der Sexualität, besonders in der Zeit des 19. Jahrhunderts, begannen auch die Haare eine neue symbolische Bedeutung zu erlangen. Sie waren nicht nur Zeichen der Männlichkeit, sondern begannen, immer mehr eine erotischere Rolle zu spielen. 

Das 20. Jahrhundert brachte mit sich, dass Haare als sexuelle und erotische Komponente vollends an Bedeutung gewannen, aber der Kontext änderte sich je nach kultureller Strömung und Zeitgeist immer mal wieder. Die 1960er Jahre beispielsweise, mit der sexuellen Revolution, führten zu einer gewissen Befreiung in Bezug auf Körperpflege und Sexualität. Körperhaare, vor allem auf der Brust, wurden zunehmend mit einer Art „roher Männlichkeit“ verbunden. Männer, die sich nicht rasierten, galten als maskulin. Dies entsprach sehr gut einer Bewegung, die sich gegen die normativen Schönheitsideale der 1950er Jahre richtete, die eine glatte, gepflegte Erscheinung von Männern bevorzugte – inklusive des stets frisch rasierten Gesichts. 

Der Bär in der schwulen Subkultur

Besonders in der schwulen Subkultur der 1970er und 1980er Jahre erlebte der Haarwuchs schließlich eine Wiedergeburt als erotisches Symbol. Der „Bär“-Typ – ein schwuler Mann mit Körperbehaarung, der oft eine markante, maskuline Ausstrahlung hat – wurde zu einer begehrten Figur innerhalb der schwulen Gemeinschaft. Der „Bär“ war nicht nur ein Mann, der sich durch Körperhaare auszeichnete, sondern auch ein Symbol für Selbstbewusstsein und eine alternative Männlichkeitsdefinition. Ähnlich wurden schwule Daddys immer mehr mit Haaren in Verbindung gebracht. 

Das passt auch durchaus gut zusammen. Warum? Mit zunehmendem Alter nimmt die Körperbehaarung oft zu, selbst wenn der Testosteronspiegel sinkt. Gleichzeitig verlieren viele Männer allerdings Kopfhaare – ein Ergebnis unterschiedlicher hormoneller Reaktionen der Follikel. Die steigende Vorliebe für behaarte Daddys und Bären war eine Abkehr von den „gepflegten“ und glatten Körpern der schwulen Mainstream-Kultur, wie sie etwa in den 1950er und 1960er Jahren vorherrschten – auch als Gegenpol zur gehypten Twink-Bewegung in den 2000er Jahren mit ihren durchwegs glatt rasierten Oberkörpern waren Haare gern gesehen. Doch diese Vorliebe für Haar war und ist bis heute nicht nur auf Bären und ältere Herren beschränkt, sondern zieht sich mitunter durch die ganze schwule Community. 

Das Haar als sexueller Reizfaktor

In verschiedenen Umfragen zeigte sich immer wieder, dass Körperbehaarung ein wichtiger sexueller Reizfaktor für viele schwule Männer ist. In einer Studie des Kinsey Instituts gaben 38 Prozent der schwulen Männer an, dass Körperhaare bei ihrem Partner eine Rolle in der sexuellen Anziehung spielen. Für diese Männer sind Haare ein „Zeichen der Männlichkeit“, ein Symbol für „natürliche Stärke“ und oft auch ein Hinweis auf sexuelle Reife. Hand in Hand damit geht mitunter auch der „Beard Fetish“ – also eine Vorliebe für Männer jeden Alters und Körperstatur mit Bärten, ein weiterer besonders ausgeprägter Fetisch innerhalb der schwulen Gemeinschaft. In einer Umfrage der Organisation Bear World unter 5.000 schwulen Männern weltweit, gaben mehr als 60 Prozent an, dass sie Männer mit Bärten als besonders attraktiv empfinden.

 Der Bart wird hier oft nicht nur als ein Zeichen für Männlichkeit und Reife gesehen, sondern auch als eine Quelle von „Rohheit“ und „Urkraft“. „Der Bart hat für mich etwas Ursprüngliches, etwas Wildes. Es gibt mir das Gefühl, dass der Mann selbstbewusst und voller Leidenschaft ist“, erklärte mir jüngst erst ein guter Freund. Zudem gibt es eine gewisse kulturelle Dimension in der Vorliebe für Männer mit Haaren. Besonders in der schwulen Szene ist das Haar als Symbol für Individualität und Andersartigkeit von Bedeutung. Das eigene Haar zu pflegen und zu stylen, gilt als Ausdruck der Persönlichkeit und der eigenen sexuellen Identität. 

Eine tiefe symbolische Bedeutung 

Es ist daher kein Zufall, dass die Bärenszene in der schwulen Community bis heute am stärksten mit Haaren assoziiert wird. Bären stellen oft eine Art „natürliches Körperideal“ dar – im Gegensatz zu der normierten „glattrasierten“ Figur, die von der Mainstream-Gesellschaft verlangt wird. Genetik und Herkunft spielen dabei überdies eine entscheidende Rolle: Männer aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten oder Südasien sind statistisch stärker behaart als Männer aus Ostasien oder indigenen amerikanischen Bevölkerungsgruppen. 

Haare sind überdies mehr als nur ein äußerliches Merkmal – sie haben tiefere symbolische Bedeutungen. „Haare können eine Form von Macht und Kontrolle widerspiegeln“, sagt Dr. Mark McCormack, ein Sozialwissenschaftler, der sich mit den Sexualverhalten von Männern beschäftigt, in einem Interview mit dem Guardian. „Das Haar repräsentiert oft die Idee von Wildheit, Ungezähmtheit und Sexualität. Gerade bei Männern, die Körperhaare tragen, gibt es eine gewisse Betonung der Maskulinität, die in vielen schwulen Gemeinschaften als besonders anziehend gilt.“ By the way: Mehr Körperhaare bedeuten nicht automatisch mehr Testosteron. Entscheidend ist die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Sexhormon – deshalb können auch Männer mit durchschnittlichem Hormonspiegel sehr behaart sein. 

Statement gegen Schönheitsnormen

Der soziale Aspekt spielt dann ebenfalls eine Rolle. Die Vorliebe für Männer mit Haaren kann Ausdruck eines „Countercultural Fetish“ sein – einer bewussten Entscheidung, sich gegen die weit verbreiteten Schönheitsnormen zu stellen. In einer Gesellschaft, die oft „gepflegt“ oder „rasiert“ als idealisiert betrachtet, wird die Vorliebe für behaarte Körper zu einer rebellischen Geste, auch mitunter im Intimbereich – fehlt hier das Haar dank Rasur komplett, ist das Bild von nackter Haut bei manchen überdies ein unterbewusstes Zeichen von Vorpubertät und findet daher starke Ablehnung. Wer Männer mit Haaren liebt, unterstützt damit nicht nur ein ästhetisches Ideal, sondern stellt sich bewusst gegen den „Mainstream“. 

Viele Liebhaber von Brustbehaarung betonen dabei überdies immer wieder eine besondere Form von Geborgenheit, wenn sie mit ihren Händen tief „ins Fell fahren“. Ein schwuler Bekannter erklärte das so: „Es macht einen großen Unterschied, ob man seinen Kopf auf eine nackte oder behaarte Brust liegt. Gleiches gilt für den Bauch. Haare an diesen Stellen vermitteln mir immer wieder das Gefühl, als würde ich in ein warmes Kissen fallen, weich und angenehm, und nur für mich gemacht. Ein Stück weit kann man darin versinken und die Welt und all der Alltagsstress sind vergessen. Ich fühle mich geborgen, versteckt vor der Welt.“ 

Dazu kommt auch, dass Haare den natürlichen Geruch eines Mannes speichern und besser weitergeben als glatte Haut – im sexuellen Kontext kann das ein besonders starkes Aphrodisiakum darstellen. Achsel- und Schamhaare verstärken übrigens den Körpergeruch nicht selbst, sondern halten Duftstoffe und Pheromone länger fest. Deshalb waren sie evolutionär wichtig für soziale und sexuelle Kommunikation. Ebenso wissenswert: Körperbehaarung wächst nicht überall gleich: Brust- und Bauchhaare haben längere Wachstumsphasen als Arm- oder Beinhaare, weshalb sie oft dichter und länger erscheinen.

Der haarige Mann wird Kult

Abschließend hat auch die Popkultur zur Popularisierung von Männern mit Haaren beigetragen. In den letzten Jahren haben prominente schwule Stars wie der Schauspieler Colton Haynes ihre natürlichen Haare auf sozialen Medien zur Schau gestellt und damit den „behaarten“ Körper gefeiert. Diese Darstellungen haben das Bild des einstmals „perfekten Mannes“ – glattrasiert und muskulös – hinterfragt und das Bewusstsein für die Vielfalt von Körperbehaarung gestärkt. Die Repräsentation von behaarten Männern in populären Medien und auf Social Media hat auch dazu beigetragen, dass mehr schwule Männer sich ermutigt fühlen, ihre Vorliebe für Haare frei auszuleben und offen darüber zu sprechen. 

Es gibt eine zunehmende Akzeptanz von Körperbehaarung, die auch das Selbstbewusstsein von Männern mit Haaren stärkt. Die Vorliebe von schwulen Männern für Männer mit Haaren – sei es Bartwuchs, Körperbehaarung oder Frisuren – ist ein faszinierendes und tief verwurzeltes kulturelles Phänomen. Sie spiegelt das stets wachsende Interesse an Individualität und sexueller Vielfalt wider und bietet einen wichtigen Hinweis darauf, wie Körperideale und sexuelle Präferenzen in der schwulen Community ständig in Bewegung sind. In einer Welt, in der immer mehr Menschen lernen, ihre natürliche Schönheit zu schätzen, können Haare mehr als nur ein ästhetisches Detail sein – sie sind ein Symbol für Männlichkeit, Maskulinität und die Liebe zur Vielfalt.

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