Direkt zum Inhalt
„Wicked“ & Co.: Utah entfernt 22 Bücher aus Schulen

Literaturfreiheit unter Druck „Wicked“ & Co.: Utah entfernt 22 Bücher aus Schulen

mr - 09.01.2026 - 16:30 Uhr
Loading audio player...

Bereits seit vier Jahrzehnten hält der konservative Kurs in Utah an. Jetzt sorgt eine neue Entscheidung für weitere heftige Debatten: In Utah sind 22 Bücher, darunter der bekannte Roman „Wicked“ von Gregory Maguire und „Das also ist mein Leben“ von Stephen Chbosky, aus allen öffentlichen Schulen entfernt worden. Die Schulbehörden des US-Bundesstaates verweisen auf eine 2024 aktualisierte Gesetzgebung, nach der Inhalte, die „schädlich für Minderjährige“ sein könnten, systematisch aus Schulbibliotheken entfernt werden müssen. Die Entscheidung löst landesweit Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und des Zugangs zu Literatur aus.

 

Neue Zensurwelle trifft Bestseller

Nach der 2022 beschlossenen und seither mehrfach verschärften Gesetzgebung haben Schulen in Utah die Aufgabe, Bücher mit so genannten „sensiblen Inhalten“ zu begutachten und zu entsorgen. Besonders betroffen sind Werke, die Diversität, sexuelle Identität oder gesellschaftliche Probleme thematisieren. Neben „Wicked“ sind auch Bücher wie „Nineteen Minutes“ von Jodi Picoult oder die preisgekrönten Werke von Toni Morrison und Maya Angelou betroffen. Die Bandbreite der verbotenen Titel reicht damit von Gegenwartsliteratur bis hin zu Klassikern.

Bemerkenswert ist die Praxis, die ausgeräumten Bücher sogar physisch zu vernichten. Der republikanische Bildungspolitiker Brent Strate erklärte laut US-Medien, es gehe darum, Kinder umfassend vor schädlichen Einflüssen zu schützen, auch wenn das bedeute, dass Bücher zerstört würden. Beobachterinnen und Beobachter sehen hierin einen beispiellosen Eingriff in die Bildungsautonomie.

Die ACLU (American Civil Liberties Union) hat gemeinsam mit betroffenen LGBTIQ+-Autorinnen und -Autoren sowie Schülern eine Klage eingereicht. Kritisiert wird besonders, dass die Maßnahme überproportional Bücher betrifft, die von Frauen, People of Color oder queeren Schreibenden stammen.

Seit 1985 dominiert die Republikanische Partei Utahs Politik. Immer wieder wurden progressive Symbole und Persönlichkeiten wie Harvey Milk aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Die jetzige Bücherverbannung geschieht in einer Zeit, in der auch in anderen US-Bundesstaaten, von Texas bis Florida, vergleichbare Tendenzen sichtbar werden. Laut der American Library Association verzeichneten Schulen im Jahr 2023 eine Rekordzahl an Versuchen, Bücher zu verbieten, wobei die meisten Werke Themen wie Rassismus, sexuelle Orientierung oder Identität behandeln.

Die Entwicklungen werfen die Frage auf, wie viel Vielfalt und kritische Auseinandersetzung im Bildungsraum noch möglich sein werden. Die nationale und internationale Aufmerksamkeit dürfte die Debatte weiter anheizen. Während Gerichte nun über die Rechtmäßigkeit der Zensur entscheiden, steht Utah exemplarisch für einen Kulturkampf, der weit über den Bundesstaat hinausweist.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Er sei besser als Donald Trump

Ex-CNN-Moderator ins Weiße Haus?

Don Lemon hat erstmals öffentlich darüber gesprochen, sich vorstellen zu können, als erster offen schwuler US-Präsident zu kandidieren.
25 Jahren nicht in Deutschland

Entscheidung fällt im Oktober

Dresden steht vor der Ausrichtung des Europride 2029, Deutschland wäre nach 25 Jahren wieder Ausrichter.
Urteil gegen Jacques Tilly

102 Monate Haft für Karnevalsbauer

Ein Gericht in Moskau hat den Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Diskriminierung bei Gesundheit

RKI legt neue Studiendaten vor

Eine neue Studie des RKI zeigt auf, dass queere Menschen nach wie vor im deutschen Gesundheitsbereich besonders oft Diskriminierung erleben.
Überraschung bei US-Studie

Mehrheit für trans* Community

Die Mehrheit der US-Amerikaner unterstützt die trans* Community, offenbart nun eine neue Studie der queeren Human Rights Campaign.
Bundesweite Segnung für alle

Forderung des LSBT+ Komitees

Etwas mehr als die Hälfe der Bistümer segnet bisher homosexuelle Paare. Zu wenig, stellt jetzt das Katholische LSBT+ Komitee klar.
Brutale Attacke in Spanien

Angriff auf Miss Trans Zamora

Eine Gruppe junger Frauen hat in einem Club im Nordwesten Spaniens eine junge trans* Frau und Titelträgerin von Miss Trans Zamora zusammengeschlagen.