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Stephen Schwartz streicht Auftritt im Trump‑Kennedy Center

Kritik nach Umbenennung Stephen Schwartz streicht Auftritt im Trump‑Kennedy Center

kw - 05.01.2026 - 20:30 Uhr
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Ein Paukenschlag in der amerikanischen Kulturwelt: Der renommierte Komponist Stephen Schwartz ("Wicked") hat seinen Auftritt am Kennedy Center in Washington D. C. abgesagt. Der künstlerische Protest folgt einer Entscheidung, die weit über die Grenzen der „Performing Arts“ hinaus für Diskussionen sorgt: Das traditionsreiche Zentrum wurde jüngst in Trump-Kennedy Center umbenannt – eine Entscheidung, die die Kulturszene spaltet, zahlreiche Künstlerinnen und Künstler zum Boykott bewegt und Fragen zur politischen Vereinnahmung von Kulturstätten aufwirft.

 

Künstlerischer Widerstand gegen Umbenennung

Die Umbenennung des John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts in das Trump-Kennedy Center wurde vom Vorstand einstimmig beschlossen, nicht ohne interne Kontroversen. So meldete sich etwa die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty zu Wort: Sie sei an der Abstimmung gehindert worden und empfinde das Vorgehen als undemokratisch und zensierend. In einem Klima zunehmender Polarisierung zeigte sich Schwartz tief enttäuscht: Das Kennedy Center habe einst als apolitischer Ort für Kunst aller Richtungen gegolten, betonte der Komponist. Mit dem Namenswechsel sei diese Unparteilichkeit verloren gegangen.

Auch die geplanten Auftritte von Größen wie der „Hamilton“-Cast, Schauspielerin Issa Rae und der Jazzband The Cookers wurden abgesagt. Gleichzeitig verzeichnet das Kennedy Center den drastischsten Rückgang der Besucherzahlen seit Jahren – über 43 Prozent der Plätze blieben im Herbst unbesetzt, was den ohnehin durch die Pandemie geschwächten Kulturbereich weiter belastet.

 

 

„Das Kennedy Center wurde gegründet, um Künstlerinnen und Künstlern jeden Hintergrunds eine Bühne zu bieten – frei von ideologischen Zwängen. Das ist nun nicht mehr gegeben“, so Stephen Schwartz in einem Statement gegenüber Medien.(Quelle: BBC, CNN)

Präsident des Centers, Richard Grenell, ein Trump-Vertrauter, wies in sozialen Netzwerken Berichte über Schwartz' Beteiligung empört zurück und sprach von Falschmeldungen. Die öffentliche Debatte indes bleibt hitzig.

 

Politischer Zugriff auf Kultureinrichtungen

Die Kontroverse reiht sich ein in eine Serie politischer Einflussnahmen auf amerikanische Kulturinstitutionen. Bereits im vergangenen Sommer hatte Donald Trump prominente Künstlerinnen und Künstler bei den Kennedy Center Honors gegen angeblich „zu woken“ Nominierungen eingetauscht. Auch Teile des Opernhauses sollten – Pläne der Republikaner zufolge – nach Melania Trump benannt werden. Viele Kunstschaffende fürchten eine zunehmende Politisierung, die den künstlerischen Freiraum massiv einschränkt.

Die Signalwirkung der Absagen ist nicht zu unterschätzen: Der Kunstbetrieb erfährt einen Einbruch, während Kulturorte immer stärker unter politischen Vorzeichen wahrgenommen werden. Bleibt zu klären, ob das Trump-Kennedy Center diesen Kurs fortsetzt oder ob es der Zivilgesellschaft gelingt, offene, inklusive Räume für Kunst und Begegnung zu bewahren. Vor allem aber steht zur Debatte, wie sich die Rolle politisch geprägter Kulturinstitutionen in den kommenden Jahren wandeln wird.

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