Start der Berlinale Promis, Partys, Powerfilme
Ab heute ist wieder Berlinale-Zeit in der Regenbogenhauptstadt – die 76. Internationalen Filmfestspiele werden von heute an bis zum 22. Februar wieder viele Prominente und Filmfreunde in die Kinos locken. Auch LGBTIQ+-Filmenthusiasten dürfen sich auf ein breites Angebot an besonderen Filmperlen freuen. Den Vorsitz der Internationalen Jury übernimmt in diesem Jahr der deutsche Filmemacher Wim Wenders, die Leitung hat zum zweiten Mal Tricia Tuttle übernommen.
Vampire und lesbische Liebe
Auf den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen Berlin sind zahlreiche Produktionen mit queeren Stoffen vertreten. Bereits vor ihrer Premiere sorgt Ulrike Ottingers neuer Film über Erzsébet Báthory für Aufmerksamkeit. Isabelle Huppert verkörpert darin die sogenannte Blutgräfin, die gemeinsam mit ihrer Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) in Wien nach einem für Vampire gefährlichen Buch sucht. Zum Ensemble gehört auch Conchita Wurst.
Im Wettbewerb konkurriert Markus Schleinzers Historiendrama „Rose“ um den Goldenen Bären. Sandra Hüller spielt darin eine Frau im 17. Jahrhundert, die sich als Mann ausgibt und in einem protestantischen Dorf in Deutschland lebt. Der in Schwarzweiß gedrehte Film basiert ebenso wie „The Education of Jane Cumming“ auf historischen Vorlagen. Letzterer, inszeniert von Sophie Heldman, spielt 1810 nahe Edinburgh und erzählt von zwei unverheirateten Lehrerinnen, die ein Mädcheninternat führen. Mit der Aufnahme einer 15-jährigen Schülerin gerät das Gefüge ins Wanken.
40 Jahre Teddy
Das Panorama gilt dabei auch in diesem Jahr wieder als zentrale Plattform für queere Produktionen, dort wurde 1987 auch der Teddy Award ins Leben gerufen, der als ältester und bedeutendster queerer Filmpreis eines großen Festivals gilt. In diesem Jahr wird er zum 40. Mal vergeben. Aus diesem Anlass zeigt eine Sonderreihe unter anderem „Tunten lügen nicht“ des verstorbenen Rosa von Praunheim, „Verführung: Eine grausame Frau“ von Monika Treut sowie „Tomboy“ von Céline Sciamma. Die französische Regisseurin erhält bei der Teddy-Gala am 20. Februar in der Volksbühne den Ehren-Teddy.
Schwule Cowboys, heißer Horror und Coming-of-Age
Ebenfalls im Panorama läuft die Dokumentation „Jaripeo“ von Efraín Mojica und Rebecca Zweig. Der Film führt in das mexikanische Penjamillo und beleuchtet die queere Subkultur eines traditionellen Rodeos, zu der auch schwule Cowboys zählen. Mehrere Dokumentarfilme widmen sich ebenso homosexuellen und queeren Künstlerinnen und Künstlern. In „Barbara Forever“ porträtiert Brydie O’Connor die US-amerikanische Filmemacherin Barbara Hammer (1943–2019). Einen experimentelleren Ansatz verfolgt „Joy Boy: A Tribute to Julius Eastman“; ein sechsköpfiges Kollektiv setzt sich darin mit Musik und Vermächtnis des afroamerikanischen Komponisten Julius Eastman (1940–1980) auseinander.
Produktionen wie „Mouse“ und „When I Get Home“ zählen zu den Coming-of-Age-Filmen im Programm. Der Horrorfilm „Don’t come out“ von Victoria Linares Villegas aus der Dominikanischen Republik greift ebenfalls queere Motive auf. In der Dokumentation „What Will I Become“ von Lexie Bean und Logan Rozos geht es um zwei junge trans* Männer, die Suizid begingen, sowie um Strukturen der Suizidprävention in der Community. Eine Liebesgeschichte erzählt Ian de la Rosa in „Iván & Hadoum“: Im Mittelpunkt stehen ein spanischer trans* Mann und eine spanisch-marokkanische Frau, die gemeinsam in einer Gewächshausanlage arbeiten und durch eine berufliche Veränderung vor schwierige Entscheidungen gestellt werden.
Queere Figuren treten zudem in weiteren Beiträgen auf, ohne dass ihre Identität das alleinige Thema bildet. In „Staatsschutz“ von Faraz Shariat, der in der Vergangenheit mit dem Teddy ausgezeichnet wurde, stehen Rassismus und rechte Gewalt im Zentrum, während die Hauptfigur queer ist. In „Where to?“ von Assaf Machnes begegnen sich ein palästinensischer Uber-Fahrer und sein schwuler israelischer Fahrgast auf nächtlichen Fahrten durch Berlin und kommen über persönliche Enttäuschungen ins Gespräch.