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Verbot von queeren Büchern

Verbot von queeren Büchern Richtlinien aus Texas haben weiterhin Bestand

ms - 11.12.2025 - 09:00 Uhr
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Der Oberste Gerichtshof der USA hat jetzt die Anti-LGBTIQ+-Agenda der Trump Regierung erneut gestützt, indem die Richter eine Berufung im Zusammenhang mit einem Verbot von queeren Büchern in Bibliotheken des texanischen Llano County nicht annahmen. Diese Entscheidung bestätigt damit das Urteil eines Berufungsgerichts, das die Entfernung von 17 Büchern aus den öffentlichen Bibliotheken der Region für rechtmäßig erklärte.

Vierjähriger Gang durch die Instanzen

Die Kläger, eine Gruppe von Bürgern aus der ländlichen Gegend nordwestlich von Austin, hatten vorgebracht, dass die Entfernung der Bücher ihre verfassungsmäßigen Rechte auf Meinungs- und Informationsfreiheit verletze. Dennoch wiesen sowohl das Berufungsgericht als auch der Oberste Gerichtshof dieses Argument zurück.

Ursprung des Streits war ein Antrag mehrerer Anwohner aus Llano County im Jahr 2021, in dem sie die Entfernung bestimmter Bücher aus der Bibliothek forderten. Die betroffenen Werke behandelten Themen wie trans* Identität, Sklaverei und Pubertät. Besonders umstritten waren Titel wie Maurice Sendaks „In der Nachtküche“ (1970), das wegen der Darstellung von Nacktheit in der Kritik stand, sowie andere Bücher, die humorvolle Darstellungen von Körperfunktionen wie Flatulenz beinhalteten. Daraufhin wies die Bibliothekskommission die Bibliothekare an, diese Bücher aus den Regalen zu entfernen. 

Im Jahr 2023 entschied ein Bezirksgericht, dass die Bücher wieder in die Bibliothek aufgenommen werden müssen. Diese Entscheidung wurde jedoch im Mai 2024 vom Berufungsgericht des 5. US-Bezirks, zuständig für Texas, Louisiana und Mississippi, aufgehoben. Die Richter des Berufungsgerichts erklärten, dass Bibliotheken das Recht haben, ihre Bestände zu kuratieren, was im Rahmen der staatlichen Redefreiheit und nicht als Zensur zu werten sei. In ihrer Urteilsbegründung führten sie an: „Wenn Sie beim nächsten Besuch in Ihrer Bibliothek die Abteilung für Holocaust-Leugnung suchen, werden Sie sie nicht finden. Das ist Teil der kuratorischen Verantwortung.“ Laut den Richtern sei es nicht das Ziel, Bücher zu verbieten oder zu verbrennen – wer ein bestimmtes Werk vermisse, könne es online oder bei Freunden finden.

Kritik von Autorenvertretung 

Diese Entscheidung stieß jedoch auf scharfe Kritik. Vertreter von Organisationen wie PEN America und der American Library Association warnten davor, dass das Urteil die Prinzipien der freien Meinungsäußerung untergrabe und der Regierung ermöglichen könnte, ideologische Kontrolle über die Bevölkerung auszuüben. Elly Brinkley, Juristin bei PEN America, erklärte, dass es sich dabei um eine „Bedrohung für das fundamentale Recht auf Informationsfreiheit“ handele. Sam Helmick, Präsident der American Library Association, zeigte sich besorgt, dass öffentliche Bibliotheken zu Orten der „ideologischen Indoktrination“ werden könnten, anstatt als Räume der freien und offenen Forschung zu fungieren.

Der Fall aus Texas steht stellvertretend für einen landesweiten Trend, bei dem die Zahl der Buchverbote in den USA stark zunimmt. Im Schuljahr 2024/25 wurden von der Organisation PEN America mehr als 6.800 Fälle von Buchverbotsversuchen dokumentiert. Dabei betrafen die Verbote mehr als 3.700 unterschiedliche Werke, viele davon zu Themen wie LGBTIQ+-Rechten, Rassismus oder sexueller Aufklärung. Diese Entwicklung wird durch konservative Gruppen und neue Gesetze in verschiedenen Bundesstaaten immer weiter vorangetrieben.

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