Direkt zum Inhalt
Neues Verbot in Russland
ANZEIGE

Neues Verbot in Russland Bekannter Menschenrechtsverein ist jetzt „extremistisch“

ms - 10.04.2026 - 09:30 Uhr
Loading audio player...

In Russland ist die bekannte Menschenrechtsorganisation Memorial per Gerichtsbeschluss jetzt verboten worden. Das Oberste Gericht stufte die „Internationale gesellschaftliche Bewegung Memorial“ auf Antrag des Justizministeriums als extremistisch ein. Wie staatliche Nachrichtenagenturen aus Moskau berichteten, gilt das Verbot auch für alle Untergliederungen und ist mit sofortiger Wirkung umzusetzen. Der Verein setzt sich seit vielen Jahren für Menschenrechte ein, auch für LGBTIQ+-Personen in Russland. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Das Oberste Gericht in Moskau hat die Organisation Memorial als extremistisch eingestuft und verboten.
  • Grundlage war ein Antrag des russischen Justizministeriums.
  • Unterstützung der Organisation kann nun strafbar sein.
  • Kritiker sehen darin eine weitere Verschärfung des Drucks auf die Zivilgesellschaft.
  • Organisation unterstützte immer wieder LGBTIQ+-Menschen in Russland.

Mehr Druck auf Zivilgesellschaft

Die im Exil tätige Organisation Memorial äußerte scharfe Kritik an dem Vorgehen. „Mit diesem beispiellosen Schritt sollen das gesamte Memorial-Netzwerk und alle, die es unterstützen, delegitimiert und kriminalisiert werden“, erklärte die Gruppe mit Sitz in Berlin. „Diese rechtswidrige Entscheidung markiert eine neue Phase des politischen Drucks auf die russische Zivilgesellschaft.“ Zugleich heißt es von der Organisation, die Führung unter Wladimir Putin fürchte die Erinnerung an sowjetische Repression und staatlichen Terror. Diese Erinnerung lasse sich jedoch nicht verbieten.

Die Wurzeln von Memorial reichen bis in das Jahr 1989 zurück, als die Organisation noch zu Zeiten der Sowjetunion gegründet wurde. Zu den Initiatoren gehörte der Physiker und Dissident Andrej Sacharow. Ziel war es, Verbrechen der Stalin-Ära aufzuarbeiten und deren Opfer zu dokumentieren. Unterstützt von zahlreichen Freiwilligen sammelte Memorial über Jahrzehnte Daten zu Lagerhäftlingen, baute Archive auf und unterstützte Angehörige bei der Suche nach Informationen.

Darüber hinaus kritisierten Vertreter der Organisation wiederholt staatliche Maßnahmen unter Putin und prangerten Menschenrechtsverletzungen an. Immer wieder setzte sich Memorial auch für die Rechte von homosexuellen und queeren Personen in Russland ein. Der Verein unterstützte queere Aktivisten und Programme des russischen LGBTIQ+-Netzwerks, prangerte queere Menschenrechtsverletzungen an und verteidigte LGBTIQ+-Aktivismus. Zudem stärkte die Organisation die Rechte politischer Gefangener, darunter gerade auch homosexuelle Männer. 

Menschen bekommen Angst

Bereits 2016 wurde Memorial als „ausländischer Agent“ eingestuft. 2021 folgte die Auflösung zentraler Strukturen durch einen umstrittenen Gerichtsbeschluss, woraufhin viele Mitarbeiter ins Ausland gingen. Die Mitbegründerin und heutige Vorsitzende von Memorial, Irina Scherbakowa, bezeichnete das Verbot als Angriff auf eine unabhängige Geschichtsaufarbeitung. Mit Blick auf den Krieg gegen die Ukraine erklärte Scherbakowa, die russische Führung versuche, jeglichen Widerstand in der Gesellschaft zu unterdrücken. „Wir sehen, dass die Menschen Angst bekommen haben.“

Memorial rief Unterstützer dazu auf, keine Angriffsflächen zu bieten. Gleichzeitig betonte Scherbakowa, dass die Arbeit der Organisation fortgesetzt werden solle. „Wir bleiben die Stimme unserer Organisation.“ Die Arbeit von Menschenrechtlern sei wichtiger denn je: „Es macht unsere Aufgabe dringlicher. Erinnern ist Widerstand – gegen Geschichtsmythen und gegen eine neue Legitimation staatlicher Aggressionen nach innen und außen.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwule Cowboys im Rampenlicht

Cowboys als Social-Media-Hit

Seit dem Nationalen Cowboy-Tag am Wochenende rücken schwule Cowboys online wieder in den Fokus – und ein altes Klischee erhält neue Aufmerksamkeit.
Sexpositive Städte weltweit

Vancouver holt deutlich auf

Die sexpositivste Stadt weltweit bleibt auch 2026 Amsterdam, doch Vancouver auf Platz 2 holt stark auf. Die erste deutsche Stadt: Köln auf Platz 4.
Kirchen im LGBTIQ+-Check

Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Eine neue US-Rangliste zeigt: Während einige Kirchen LGBTIQ+-Menschen vollständig gleichstellen, halten andere an einer strikten Ablehnung fest.
Australiens Volkszählung

Erstmals wird LGBTIQ+ mitgedacht

Australiens neue Volkszählung 2026 erfasst erstmals LGBTIQ+-Daten. Aktivisten sehen darin einen wichtigen Schritt für mehr Sichtbarkeit.
Lehrer kämpfen für Schutz

Ohio verschärft LGBTIQ+-Regeln

Eine Lehrerin hat in Ohio eine Kampagne angestoßen und schult Pädagogen zu LGBTIQ+-feindlichen Gesetzen gegen Schüler.
Burnhams Kabinett im Fokus

Zwischen Gleichheit und Streit

Das neue britische Labour-Kabinett unter Andy Burnham steht wegen seiner Positionen zu LGBTIQ+-Rechten derzeit verstärkt im Fokus.
HIV-Hilfe unter Druck

US-Kürzungen mit massiven Folgen

Eine neue Studie sieht massive Folgen von US-Hilfskürzungen für HIV-Programme, über 1.700 Einrichtungen weltweit mussten bereits schließen.
World Pride in Amsterdam

Königlicher Auftakt für Vielfalt

Mit Besuch von Königin Máxima ist der World Pride in Amsterdam gestartet. Veranstalter und Politik warnen vor wachsendem Druck auf LGBTIQ+-Rechte.
Ermittlung gegen Bürgermeister

Streit um beleidigende E-Mails

Nach dem Streit um die Rettung des gestrandeten Buckelwals "Timmy" ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Timmendorfer Strands schwulen Bürgermeister.