Direkt zum Inhalt

Stimme prägt neues Selbstbild Cheyenne Jackson überwindet innere Homofeindlichkeit

Von tb - 13.11.2025 - 22:30 Uhr
Cheyenne Jackson überwindet innere Homofeindlichkeit
Foto: © IMAGO / TheNews2
ANZEIGE
Loading audio player...

Mit ganz großer Stimme: Cheyenne Jackson macht Schluss mit Selbstzweifeln.

 

Wenn die "schwule Stimme" dich überrascht

Kaum jemand lässt aktuell die gerüchtehungrigen Boulevardredaktionen so aufhorchen wie Cheyenne Jackson. Der charismatische Broadway-Star und durch 28 Episoden von „American Horror Story“ bekannte Schauspieler, lässt die Masken fallen – nicht nur auf der Bühne, sondern auch zu seinem inneren Ich. In seiner humorvoll-ironischen Videoreihe „Mirror, She Wrote“, die während der Vorbereitung zu seinem neuen Bühnenhit „Oh Mary!“ entstand, sprach er überraschend offen über das Phänomen der sogenannten „schwulen Stimme“ – und die bewegende Befreiung von der eigenen, jahrzehntelang trainierten inneren Homofeindlichkeit.

 

Selbstakzeptanz mit Broadway-Glamour

Cheyenne, längst ein Liebling der queeren Community, zeigte bei seiner Rückschau auf erste Videomitschnitte seines jungen Ichs erschrockene Verwunderung, wie sehr er „nach schwul klingt“. Doch statt sich darüber weiterhin zu grämen, nimmt er heute das Etikett gelassen an und lacht mit sich selbst: „Klar bin ich schwul. Was soll daran falsch sein?“ So konstatiert er, jede und jeder innerhalb der queeren Community könne irgendwo im Spektrum der charakteristischen „schwulen Stimme“ verortet werden.

Jahrelang rang der Star mit übermäßigem Bemühen, besonders „männlich“ zu wirken – bis hin zu verstellter Stimme in Interviews. „Es hat sehr lange gebraucht, bis ich mich mit dieser Seite meines Wesens anfreunden konnte“, gesteht Jackson, „und mittlerweile liebe ich alles, was ein wenig femininer ist – ganz besonders bei Männern.“ Einer dieser Männer: sein Ehemann Jason Landau, dem oftmals bereits nach dem ersten Wort das Coming-out gewissermaßen „mittönt“. Cheyenne kontert das süffisant: Was seinen Mann für ihn so anziehend macht, sei dessen völlige Unbekümmertheit.

„Ich habe jahrelang viel Angst davor gehabt, schwul zu wirken. Damals fühlte ich mich wie ein Gewinner, wenn Leute nicht bemerkten, dass ich schwul bin – das ist heute ganz anders: Meine innere Homofeindlichkeit ist Geschichte.“– Cheyenne Jackson in seiner Videoreihe „Mirror, She Wrote“

Mit seiner Offenheit bringt Jackson frischen Wind in eine Debatte, die zu selten in aller Öffentlichkeit geführt wird. Obwohl Akzeptanz in Teilen der Medienlandschaft, etwa dank Erfolgsserien wie „American Horror Story“ oder „Call Me Kat“, sichtbar wächst, berichten Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD+), dass viele queere Menschen noch immer tagtäglich Sprachverhalten und Auftreten „anpassen“, um Klischees zu entgehen oder Diskriminierung zu vermeiden. Neueste Umfragen zeigen: Gerade jüngere trans* Personen und Schwule fürchten Reaktionen aus dem eigenen Umfeld – ein Thema, das in den sozialen Medien seit Jacksons Statement offen diskutiert wird.

Fachleute aus der Diversitätsforschung betonen inzwischen regelmäßig, dass die individualisierte Wahrnehmung von Stimme und Verhalten eine wichtige Säule des Selbstwertes ist. Sichtbare Vorbilder wie Jackson können dazu beitragen, starre Rollenerwartungen endlich hinter sich zu lassen. Mit dem offenen Bekenntnis, das innere Selbstversteckspiel überwunden zu haben, inspiriert Cheyenne nicht nur Fans, sondern setzt auch einen klaren Trend: Authentizität ist das neue Must-have – und die schrille, sanfte oder tiefe Stimme spielt dabei keine Rolle mehr. Immer mehr prominente Persönlichkeiten sprechen ohne Scham über „codierte“ Formen von Männlichkeit und Weiblichkeit, auch im deutschsprachigen Raum.

Ganz nebenbei bleibt Cheyenne Jackson weiter im Rampenlicht – nach „Borderlands“ und „Stellar People“ verspricht der 50-jährige Entertainer auch für die nächsten Jahre aus dem Klatschzirkus nicht wegzudenken. Bleibt abzuwarten, ob sich nun weitere Stars trauen, ihre vermeintlich „untelegene“ Stimme voll und ganz zu feiern. Wer also hat den Mut, dem Diktat der Konformität Adieu zu sagen?

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

WDRQueere Menschen wollen kein Feindbild seinBILDEin Jahr nach der Tat - Berliner Polizei sucht zwei U-Bahn-SchlägerSüddeutsche ZeitungCSD in Fürstenfeldbruck: Die Regenbogenfarben erreichen mehr und mehr das Münchner UmlandtazQueerfeindlichkeit unter Jugendlichen: An der ToleranzgrenzeAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Unser Coverboy bei Bendel

Bei Jochen Bendel auf dem Sofa

Martin Angelo ist heute bei Jochen Bendel zu Gast. Der frühere SCHWULISSIMO-Coverboy trifft in der PBB-Late-Night auf Halbfinal-Aussteiger.
Aus bei Promi Big Brother

Deutliche Worte vom Moderator

Christian Lell verpasst das PBB-Finale. Jochen Schropp hatte schon vorher erklärt, warum er dem Ex-Fußballer lieber aus dem Weg ging.
Bisexueller Held bei Marvel

Mollica über seine VisionQuest-Rolle

Ruaridh Mollica spielt in „VisionQuest“ den bisexuellen Tommy. Warum ihm die Rolle so viel bedeutet – und was sein Flirt mit einer Frau zeigt.
Alles Gute, Martina!

Navratilova: Siege und Streit

Neun Wimbledon-Titel, frühe lesbische Sichtbarkeit und heftige Debatten: Martina Navratilova wird 70. Ein Blick auf ihr außergewöhnliches Leben.
Grusel mit Glamour

Zwei Konzerte voller Gänsehaut

Conchita Wurst feiert Halloween mit „Haunted Harmonies“ in Wien und Graz. Geplant sind Musical-Covers, große Gefühle und Preise für Kostüme.
Country-Star im Actionkino

Ein Kindheitstraum wird wahr

Orville Peck zeigt in „Street Fighter“ Krallen und Muskeln. Als Vega erfüllt sich der schwule Country-Star einen Kindheitstraum.
Alles Gute, Mark Gatiss!

Ein Meister der dunklen Fantasie

„Sherlock“, schwarzer Humor und schwule Geschichten: Mark Gatiss wird 60. Warum der britische Serienmacher weit mehr ist als Mycroft Holmes.
Liebes-Aus hinter der Kamera

Los Javis erklären ihre Trennung

13 Jahre waren sie ein Paar. Nun erklären Javier Calvo und Javier Ambrossi, wie die Arbeit an „La Bola Negra“ ihre Beziehung veränderte.
Ellen denkt wieder ans TV

Neue Pläne nach dem Abschied?

Ellen DeGeneres vermisst das Fernsehen und denkt über Projekte in Großbritannien nach. Bei Graham Norton spricht sie auch über ihr Coming-Out.