Direkt zum Inhalt
Mordfall Alessandro Coatti

Mordfall Alessandro Coatti Auch nach dem neusten Fahndungserfolg ist die Trauer groß

ms - 04.11.2025 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Der grausame Mord an dem schwulen Wissenschaftler Alessandro Coatti (✝38) schockte im April dieses Jahres die Community und viele Freunde und Kollegen. Der Italiener hatte 2014 am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in München als Doktorand gearbeitet und war danach als leitender Referent zur Royal Society of Biology in London gewechselt. Ende 2024 verließ er die Organisation, um in Ecuador ehrenamtlich zu arbeiten und Südamerika zu bereisen – Kolumbien wurde dem 38-Jährigen dann zum Verhängnis. 

Ein Date mit tödlichen Folgen 

Die Polizei hatte am 3. April Leichenteile des Biologen verstreut an mehreren Plätzen in der Hafenstadt Santa Marta im Norden des Landes gefunden. Sein Kopf sowie seine Hände und Füße waren in einem Koffer in der Nähe des Sierra Nevada-Stadions gefunden worden, weitere Körperteile wurden dann einige Kilometer entfernt an einer Brücke entdeckt. Anfangs waren die leitenden Ermittler davon ausgegangen, dass Coatti das Opfer zweier rivalisierender Gangsterbanden geworden war, dann stellte sich heraus, dass der schwule Mann offenbar mittels einer App und der bekannten Dating-Masche Opfer von Kriminellen geworden sein muss.   

Im Juni dann konnte die Polizei vier Tatverdächtige festnehmen, die an dem Mord beteiligt gewesen sein sollen. Nach den jüngsten Ermittlungen wurde der Italiener über Grindr angeschrieben und schlussendlich in eine Falle gelockt. Die Polizei konnte jetzt den mutmaßlichen Haupttäter und Lockvogel festnehmen, einen 42-jährigen Mann namens Uber Etilvio Torres García. Er soll sich mit Coatti verabredet haben. Als Beweismittel fungiert unter anderem ein Foto, das am Tag des Verschwindens des Wissenschaftlers aufgenommen worden ist – es zeigt den Italiener zusammen mit García am Strand der Hafenstadt. Nach Einschätzung der Polizei lockte der 42-Jährige ihn anschließend wahrscheinlich mit dem Versprechen auf Sex in ein Haus in San José del Pando, nur wenige Kilometer entfernt. Dort sollen die anderen Bandenmitglieder bereits auf ihn gewartet haben. 

Ein Polizeisprecher erklärte, man gehe davon aus, dass sie Coatti geschlagen, geknebelt und betäubt haben und die Herausgabe seiner Bankkartendaten verlangten. Die kolumbianischen Ermittler konnten in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft in Rom und den italienischen Carabinieri die Bewegungsdaten von Coattis Handy auslesen und so das Versteck der mutmaßlichen Mörder aufdecken.   

Tiefe Trauer bei Familie und Kollegen 

Coattis Familie in Italien erklärte nach der Festnahme des mutmaßlichen Haupttäters gegenüber der britischen Times, dass sie trotzdem noch immer nicht mit dem Tod ihres Sohnes abschließen können: „Wir leben von Tag zu Tag und finden immer noch keine Erklärung für das, was passiert ist. Es scheint immer noch nicht wahr zu sein, es ist etwas, mit dem wir uns noch nicht abgefunden haben“, so der Vater des Wissenschaftlers. 

Der Molekularbiologe wurde von seinen Kollegen in London als „witzig, warmherzig und intelligent“ beschrieben. Coatti sei jemand gewesen, der „von allen, mit denen er zusammenarbeitete, geliebt wurde“. Prof. Gilles Laurent vom Münchner Max-Planck-Institut hatte überdies erklärt: „Es versteht sich von selbst, dass niemand ein solch grausames Schicksal verdient – aber es ist besonders schwer zu begreifen, wie so etwas einem Menschen widerfahren konnte, der so freundlich, aufgeschlossen, optimistisch, positiv, enthusiastisch und herzlich war wie Ale. Unsere Herzen sind bei seinen Eltern und seiner Familie, und wir können nur unser tiefstes Mitgefühl und unsere Trauer ausdrücken. Wir werden sein Andenken bewahren – sein Lächeln, seine Neugier, seine Wärme. Dies ist ein zutiefst tragisches Ende eines schönen Lebens.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Eskalation in der Türkei

Prozess gegen LGBTIQ+-Aktivisten

Die Lage in der Türkei spitzt sich weiter zu, jetzt stehen elf LGBTIQ+-Aktivisten vor Gericht wegen „Unanständigkeit“, ihnen drohen drei Jahre Haft.
Auch San Francisco diskutiert

Stadtrat stimmt über Gay-Saunen ab

Erstmals seit fast vier Jahrzehnten erwägt die Stadt Minneapolis, schwule Badehäuser und Sex-Clubs wieder legal zuzulassen.
Immer mehr queere Asylanträge

Kritik an Glaubwürdigkeitsbemessung

Ein US-Einwanderungsrichter sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem er einem schwulen Asylbewerber intime Fragen zu seinem Privatleben stellte.
Cascio-Geschwister klagen

Nicht öffentliches Verfahren

Vier Geschwister der Familie Cascio, die zum engsten Kreis von Michael Jackson zählten, haben den Verstorbenen wegen sexuellen Missbrauchs verklagt.
Klimapolitik ohne LGBTIQ+

Forscher betonen politische Lücke

Bei Klimaplänen werden LGBTIQ+-Menschen bis heute zumeist nicht mit einbezogen, warnt das Williams Institute und fordert Nachbesserungen.
Lebensgefahr in Bangladesch

Schwule zunehmend gefährdet

Die Lage insbesondere für Schwule in Bangladesch hat sich 2025 dramatisch verschlechtert, berichtet eine französische Menschenrechtsorganisation.
Homophobe Richter

US-Anwälte schlagen Alarm

Viele US-Richter hätten kein Verständnis für die Gefahrenlage von LGBTIQ+-Asylbewerbern in ihrer Heimat, kritisieren jetzt mehrere Fachverbände.
Klage in England

Kritik an Verteidigungsministerium

Zwei schwule britische Veteranen bekommen keine Pauschalentschädigung, weil sie damals nach Drohungen „freiwillig“ aus dem Militär ausgeschieden sind.
Forderung vor WM-Qualispiel

Queerer Fanblock bei Fußballspiel

Beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Österreich soll es einen queeren Fußballfanblock geben. Zudem hoffen queere Fans auf mehr Outings