Umdenken im Vatikan? Ein Kirchen-Bericht mit Sprengkraft: Hinwendung zu LGBTIQ+
Nicht nur in Deutschland arbeiten Bischöfe mit dem Synodalen Weg seit einigen Jahren daran, die römisch-katholische Kirche mit Reformen in die Moderne zu bringen, auch in Italien gibt es seit 2021 Bemühungen in dieser Richtung, angeordnet noch vom inzwischen verstorbenen Papst Franziskus. Nach vier Jahren der Auseinandersetzungen und Debatten hat die italienische katholische Kirche nun das Abschlussdokument vorgelegt – mit einigen brisanten Überraschungen.
Bericht der Hoffnung
Der Bericht „Lievito di pace e di speranza” trägt „Frieden“ und „Hoffnung“ im Titel, darin steckt die Arbeit von rund 500.000 Laien, Ordensleuten und Geistlichen aus 226 italienischen Diözesen. Jetzt wurde das Abschlussdokument mit großer Mehrheit (81,3 %) angenommen – es ist eine der umfangreichsten Konsultationen, die jemals in der Geschichte der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) durchgeführt wurde und markiert überdies einen wichtigen Meilenstein in Bezug auf Inklusion und Offenheit gegenüber LGBTIQ+-Menschen.
Einsatz gegen LGBTIQ+-Diskriminierung
Mit am erstaunlichsten dürfte dabei der Appell an die Bischofskonferenz sein – diese soll sich offiziell und ausdrücklich dazu verpflichten, die Tage zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt, einschließlich Homophobie und Transphobie, mit Gebeten und Reflexionen zu unterstützen. Es sei dabei überdies dringend notwendig, die „manchmal in kirchlichen Kreisen und in der Gesellschaft verbreitete diskriminierende Haltung zu überwinden” und „die Anerkennung und Begleitung von homosexuellen und transgender Personen sowie ihrer Eltern, die bereits zur christlichen Gemeinschaft gehören, zu fördern.“
Der Erzbischof von Modena und Carpi, Erio Castellucci, zugleich Vorsitzender des Synodenkomitees, betonte dazu überdies, der Bericht habe zum Ziel, eine „Kultur der Nähe und des Respekts gegenüber denjenigen zu fördern, die verletzt und diskriminiert werden, und nicht eine Kultur der Gegensätze” weiter zu befeuern. Allerdings betonte Castellucci auch, dass man die Textpassagen nicht mit einer generellen „Unterstützung der Gay Pride“ gleichsetzen dürfe.
Erste Wege hin zu Akzeptanz?
Ein zweiter, besonders innovativer Aspekt des Dokuments betrifft die Art und Weise, wie LGBTIQ+-Personen künftig innerhalb der christlichen Gemeinschaften anerkannt und begleitet werden sollen. Zum ersten Mal spricht die italienische Kirche ausdrücklich von „homosexuellen und transgender Personen“ als integralem Bestandteil der Gemeinschaft der Gläubigen – weg von bloßer Toleranz, hin zu Akzeptanz. Ziel sei zwar keine „dogmatische Anerkennung homosexueller Partnerschaften“ oder eine politische Unterstützung von LGBTIQ+, sehr wohl aber ein Schritt hin zu einer „inklusiveren und respektvolleren Haltung“ gegenüber der Community.
Die italienische Presse bewertet den Abschlussbericht als eine Abkehr der bisherigen Herangehensweise nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“. Was von den neuen Ideen im Bereich LGBTIQ+ tatsächlich nun dann in den Pfarreien, Diözesen und kirchlichen Gruppen ankommen wird, bleibt offen. Dazu kommt: Papst Leo XIV. hat sich mit Blick auf LGBTIQ+ bisher nicht gerade als reformfreudig hervorgetan.